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Von der russischen Regierung als Pilotregion ausgewählt – Die Infrastruktur für Elektroautos wird beschleunigt ausgebaut
Rund ein Drittel der im vergangenen Jahr in der Russischen Föderation verkauften neuen Elektrofahrzeuge wurde im Land selbst montiert. Laut dem Ministerium für Industrie und Handel entspricht dies einem Anstieg von zehn Prozent gegenüber 2024. Im Jahr 2021 hat die russische Regierung ein Konzept zur Entwicklung des Elektroverkehrs im Land verabschiedet. Bis 2030 soll der Anteil solcher Fahrzeuge auf russischen Straßen etwa 15 Prozent erreichen. Die Königsberger Region wurde dabei als Pilotregion ausgewählt. Im vergangenen Jahr gehörte der dortige Autohersteller „Avtotor“ mit der Marke „Amberavto“ („Bernsteinauto“) und mit 1.100 verkauften Fahrzeugen – das waren 6,5-mal so viele wie im Vorjahr – zu den drei führenden Anbietern von E-Autos in der Russischen Föderation.
Eröffnung eigener Autohäuser in mehreren Großstädten
Im Januar 2026 plant „Avtotor“ die Eröffnung des ersten Autohauses seiner auf Elektrofahrzeuge spezialisierten Marke „Amberavto“ in St. Petersburg. Außerdem werden Autohäuser für E-Automobile auch in Sotschi, Moskau, Saratow und weiteren russischen Großstädten eröffnet. Der Autohersteller kündigte an, das Händlernetz der Marke im kommenden Jahr um 25 Standorte zu erweitern.
Aktuell bietet die Marke nur das Modell A5 an, doch „Amberavto“ plant im dritten Quartal dieses Jahres die Markteinführung zweier weiterer Elektrofahrzeuge: des kompakten Familien-SUV A7 und des Schrägheckmodells A3.
Im Stadtbild machen sich Elektrofahrzeuge aus örtlicher Produktion inzwischen bemerkbar. Insbesondere die Taxifahrer in der Gebietshauptstadt schätzen ihre Sparsamkeit im Stadtverkehr. Eines dieser Fahrzeuge hat bereits das Vorurteil widerlegt, dass Elektrofahrzeuge nur für die Stadt geeignet und für weite Reisen untauglich seien. Ein Stadtbewohner fuhr im letzten Sommer mit seinem Auto von Königsberg nach Samara an der Wolga und zurück, worüber er mit Stolz und Zufriedenheit im örtlichen Fernsehen berichtet hat. Experten zufolge gibt es mittlerweile rund 2.000 Elektrofahrzeuge in der Region. Vor drei Jahren waren es nur etwa 350. Das zeigt, dass das Interesse an der Elektromobilität wächst.
100. Ladestation wird bald eröffnet
Aktuell gibt es in der Region 99 Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Anfang dieses Jahres soll die 100. Ladestation eröffnet werden. Geplant ist, in allen Landkreisen der Region Ladestationen für Elektroautos zu errichten. Derzeit laufen Vorbereitungen in Tilsit, Heiligenbeil und Preußisch Eylau. Eine Ladestation könnte auch an einer beliebten Raststätte im Dorf Taplaken an der Ausfahrt in Richtung Tilsit entstehen.
Viele Fahrzeugbesitzer laden ihre Elektroautos jedoch zu Hause auf. Bei einem Einfamilienhaus ist das in der Regel unkompliziert. Die üblichen Stromnetze reichen normalerweise für die Installation einer Ladestation zu Hause. Bei Mehrfamilienhäusern gestaltet sich die Sache komplizierter, da eine Eigentümerversammlung unumgänglich ist. Für die Installation einer Ladestation im Innenhof eines Mehrfamilienhauses ist die Zustimmung aller Nachbarn erforderlich.
Skepsis und Begeisterung
Elektrofahrzeuge gelten als umweltfreundlich, obwohl viele Skeptiker das bezweifeln. Was denken die Bewohner der Region über Elektrofahrzeuge? Manche sind absolut negativ eingestellt, weil man sie für „eine Belastung für die Stromnetze der Stadt“ hält. Viele fahren ein altbewährtes Dieselfahrzeug und wollen daher nicht auf ein „unzuverlässiges Akku-Auto“ umsteigen. Immer mehr Stadtbewohner stehen jedoch Elektrofahrzeugen positiv gegenüber und denken, sie seien die Zukunft und könnten helfen, im Einklang mit der Natur zu leben.
Aktuell ist ein Elektroauto aus einheimischer Produktion im Durchschnitt zirka 8.000 Euro teurer als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Dieser Preisunterschied soll künftig verringert werden. Laut einem Regionalgesetz sind Besitzer von Elektroautos momentan von der Kfz-Steuer befreit. In Königsberg können Besitzer von Elektroautos die städtischen Parkplätze kostenlos nutzen.
Für dieses Jahr plant die regionale Regierung, vorrangig die Entwicklung von E-Carsharing und Elektrotaxis zu fördern. Als grundlegendes Instrument erwägt man die Vergabe von Vorzugskrediten an Taxiunternehmen und Autovermieter.
Jedes Verkehrsmittel hat offenbar seine Vor- und Nachteile. Ob man beim Verbrennungsmotor bleibt oder sich ein batteriebetriebenes Auto zulegt, ist eine private Entscheidung. Hauptsache, das Fahrzeug passt zum Lebensstil und den Bedürfnissen des Besitzers.