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Exportschlager aus Polen – Die Polonaise gehört seit Dezember zum Immateriellen Kulturerbe

08.03.2024

Die Polonaise als der polnische Nationaltanz steht bereits auf der repräsentativen Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Die Aufnahme erfolgte am 5. Dezember 2023 während der 18. Sitzung des Zwischenstaatlichen Ausschusses für den Schutz des Immateriellen Kulturerbes in Kasane, Botswana. Dieses Ereignis war die Krönung der zweijährigen Bemühungen der Stadt Krakau und der Direktorin des Hofballetts Cracovia Danza, Romana Agnel, welche die Hinterleger des Eintrags vertrat. Cracovia Danza ist seit 2006 eine Kultureinrichtung, die sich auf die Aufführung von historischen Tänzen spezialisiert.

Polnische Tänze waren an den europäischen Höfen vom 16. Jahrhundert an bekannt. Sie hatten eine repräsentative Funktion und ersetzten irgendwann die Pavane. Mit einem Polonaise-Zug begann jede Feier. Je nachdem, in welchem Land sie komponiert wurde, nannte man sie „Polonaise“, „alla polacca“ oder „Polnischer Tanz“. Die Tanzkultur war zu dieser Zeit eine Domäne Frankreichs, darum erhielt der „Polnische Tanz“ im 18. Jahrhundert den französischen Namen „danse polonaise“, den man bis heute nutzt. Damals entwickelte sich schließlich auch der Rhythmus der Polonaise im Dreiertakt, mit dem charakteristischen, langgezogenen, fließenden Schritt und stolzer Haltung. Zu Beginn gibt es eine leichte Kniebeugung (plié), gefolgt von zwei kleinen Schritten nacheinander.

Im 16. Jahrhundert komponierten Gallot d'Angers in Frankreich und Valentin Haussmann in Deutschland die ersten Polonaisen, die danach sowohl in tänzerischer als auch in rein musikalischer Form groß in Mode kamen. Die deutschen Tanzmeister Gottfried Taubert und Adam Wolfgang Winterschmidt unterrichteten Polonaise in ihren Schulen und beschrieben sie in ihren Traktaten. Bach nahm sie in seine Orchestersuiten und in die „Goldberg-Variationen“ auf. Telemann schrieb einige Werke unter dem Namen „alla polacca“ in einem höfischen Stil. Zu jener Zeit tanzte man Polonaise auf Hofzeremonien in Paris, London, Dresden, Wien und an Fürstenhöfen in Italien.

Während der Teilung Polens (1795–1916) ging die Gebrauchsform der Polonaise verloren. Sie blieb jedoch in musikalischen Werken erhalten und nahm einen brillanten Charakter an. Mit dieser künstlerischen Art der Polonaise setzten sich Joseph Haydn, Carl Maria von Weber, Frédéric Chopin, Henryk Wieniawski, Gioachino Rossini und Franz Liszt auseinander. Die deutsche Komponistin Emilie Zumsteeg (1794–1857) schrieb ein lustiges „Sans-façon-Lied“, das sie als eine „Polonaise mit Laune“ bezeichnete. Sogar Richard Wagner schrieb eine frühe „Polonia“-Ouvertüre sowie entsprechende musikalische Motive in der Schlussszene seiner Oper „Das Rheingold“.

Im Bezug zur Aufnahme der Polonaise in die UNESCO-Liste finden dieses Jahr in Krakau zahlreiche Veranstaltungen statt. Beim Festival der Hof-Tänze im Juli werden die Bewohner der Stadt zusammen mit den Besuchern die Polonaise auf dem Marktplatz tanzen. In der ersten Maihälfte plant man dort einen neuen Guinness-Rekord: das Tanzen der Polonaise für 1000 Paare.


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