22.06.2021

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Einer der vielen begehrten, mittlerweile teuren Rohstoffe: Holz
Foto: böhringer friedrichEiner der vielen begehrten, mittlerweile teuren Rohstoffe: Holz

Versorgungslage

Warum es derzeit an Rohstoffen mangelt

Experten sind uneins, inwieweit der Mangel und die hohen Preise ein längerfristiges Phänomen darstellen

Wolfgang Kaufmann
08.06.2021

Silizium, Stahl, Aluminium, Kupfer, Kautschuk, Holz, Kunststoff, Pappe, Mais, Weizen, Soja, Palmöl ... Die Liste der Rohstoffe und Basismaterialien, an denen heutzutage Mangel herrscht, wird immer länger. Hierdurch schnellen im günstigsten Falle „nur“ die Preise nach oben. Bei Kupfer um fast 200 Prozent und bei Balken oder Brettern aus Holz inzwischen sogar um bis zu 300 Prozent. Im schlimmsten Falle führt der Mangel aber auch zu Produktionsausfällen und Kurzarbeit beziehungsweise Entlassungen.

Nicht nur eine Folge von Corona

Gemeinhin gelten die aktuellen Versorgungsprobleme als Folge der Corona-Krise. Doch diese Erklärung greift zu kurz. Immerhin stieg der globale Rohstoffverbrauch seit 1970 um 223 Prozent. Deshalb gibt es schon seit Jahren gravierende Engpässe bei Seltenen Erden, Germanium, Rhenium, Antimon, Indium, Wolfram, Gallium, Palladium, Silber, Zinn, Niob, Chrom und Wismut – alles chemische Elemente, die im Hochtechnologiebereich unverzichtbar sind.

Dazu kamen Wetterkapriolen in verschiedenen Teilen der Welt. So sorgte ein heftiger Wintereinbruch in den USA für längere Produktionspausen in den dortigen Kunststofffabriken. In Frankreich behinderten Kältewellen die Mais-Aussaat. Und in China fiel das Jangtse-Hochwasser zu schwach aus, was der Soja-Produktion schadete. Hinzu kamen Naturkatastrophen wie die Waldbrände in den USA und der Schädlingsbefall in den kanadischen Wäldern – zwei Faktoren, die mit zum jetzigen Holzmangel führten.

Dieser ist allerdings auch dem gigantischen, 1,9 Billionen US-Dollar schweren Konjunkturpaket des neuen US-Präsidenten Joe Biden geschuldet, das die Nachfrage nach Bauholz anheizt und gleichzeitig noch Engpässe bei Stahl und Kupfer verursacht. Das rote Metall wird zudem durch die globalen Anstrengungen auf dem Gebiet des „Klimaschutzes“ immer begehrter. Man benötigt es für Elektroautos, Solaranlagen, Windräder und den Ausbau der Stromnetze. Manche Analysten bezeichnen Kupfer deswegen schon als „das neue Öl“. Sein Preis könnte sich bis 2024 noch einmal auf dann 17.000 Euro pro Tonne verdoppeln.

Ein neuer „Superzyklus“?

Stahl und Aluminium fehlen derzeit auch deswegen, weil die Volksrepublik China ihre Kohlendioxidemissionen reduzieren will und daher die Verwendung von fossilen Brennstoffen einschränkt. Zur Stahlerzeugung braucht man aber Kohlekoks und die Aluminiumproduzenten im Reich der Mitte beziehen ihren Strom vorzugsweise aus Kohlekraftwerken.

Ansonsten macht sich nun auch negativ bemerkbar, dass in der Vergangenheit zu wenig brauchbare Recyclingverfahren entwickelt wurden und die Suche nach alternativen Lagerstätten zu kurz kam. Dadurch entstand eine fatale Abhängigkeit von einigen wenigen Förderländern, wie beispielsweise China, die nun die Bedingungen diktieren können oder die Rohstoffe nur noch eingeschränkt exportieren.

Die Corona-Pandemie verschärfte dann noch die ohnehin schon seit Längerem bestehende Problemlage. Aufgrund des kurzzeitigen Einbruchs der Nachfrage in der ersten Hälfte des Jahres 2020 drosselten viele Hersteller von Rohstoffen und Basismaterialien ihre Produktion. Da viele der komplexen Fertigungsprozesse nicht so schnell wieder hochgefahren werden konnten, als die Weltwirtschaft sich von der ersten Corona-Welle zu erholen begann, schmolzen die Lagerbestände rapide dahin.

Eine gigantische Spekultationsblase?

In manchen Bereichen kam es zu gar keinem Nachfrageschwund, sondern dem Gegenteil, was die Hersteller überraschte. So ging zwar der Verbrauch von Benzin, Diesel und Kerosin massiv zurück, weil viele Menschen Heimarbeit leisteten und weniger mobil waren. Dafür explodierten aber die Absatzzahlen bei Möbeln und Computertechnik. Das wiederum verschärfte den Mangel an Holz und Halbleitermaterialien. Parallel hierzu wurden Plastik und Pappe wegen der extremen Zunahme des Online-Handels knapp.

Ansonsten zögern auch viele Unternehmen der Grund- und Rohstoffbranche, ihre Produktion angesichts des aktuellen Nachfragebooms zu steigern, denn sie haben oft wenig gewinnträchtige Jahre durchlebt und scheuen nun Investitionen, die sich vielleicht bald wieder als überflüssig erweisen könnten. Zudem sorgt das jetzige Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage für hohe Preise, ein Zustand, der aus der Sicht der Hersteller letztlich gar nicht lange genug anhalten kann.

Aus all diesen Gründen kamen Analysten von führenden Geldinstituten wie der Bank of America oder der US-Großbank Goldman Sachs zu dem Schluss, dass die Welt am Beginn eines neuen „Superzyklus“ für Grund- und Rohstoffe stehe, wie man ihn das letzte Mal in der Zeit nach 2000 erlebt habe, als die Preise aufgrund der Industrialisierung und Urbanisierung in Schwellenländern wie China auf atemberaubende Weise gestiegen seien.

Allerdings gibt es andere Experten, die nicht von einem dauerhaft hohen Preisniveau während der nächsten Jahre ausgehen und die derzeitige Entwicklung vorrangig als Folge einer gigantischen Spekulationsblase ansehen, die bald platzen werde. Dergestalt äußerten sich zum Beispiel Analysten der Commerzbank.



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Kommentare

Lukas der Alte am 14.06.21, 13:04 Uhr

als mutter natur zuliess das sich der mensch immer weiter entwickelte, wusste sie nicht welchen fehler sie damit beging und diesen fehler scheint sie nun durch eine erneute klimawende beheben zu wollen, um dann wie schon so oft mit etwas neuen zu beginnen. das war doch nachweislich nach jeder eiszeit, etc so und ob wir diese wende wirklich retten bzw verhindern können, wage ich echt zu bezweifeln denn es ist ein kreislauf. wie mit der geschichte mit guten und schlechten zeiten und der geschichte babels. wenn es dem esel zu gut geht, dann geht er auf's zum tanzen und bricht sich dabei die beine oder das genick. und so ergeht's uns menschen wohl, leider.

Chris Benthe am 08.06.21, 04:30 Uhr

Ich fürchte, da wird auf uns Europäer noch einiges zukommen. Das Damoklesschwert der hausgemachten Inflation durch EZB-Anleihen & Co schwebt noch immer in der Luft. Dazu die nachhaltige Unterminierung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit durch hybrisbesoffene Manager (Jo Kaeser & Co ) und Politiker dürfte den noch herrschenden Eliten den Garaus machen. Der Preis für die Bevölkerung wird hoch sein. Verteilungskämpfe um Arbeit und Brot dürften sehr bald wieder unser Dasein bestimmen. Die Tische, auf denen heute noch getanzt wird, dürfen in die Keller geräumt werden.

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