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Wissenschaft

Welle von Fake-Studien in Fachzeitschriften

Sogenannte Paper Mills stellen sogar grotesk dreiste Fälschungen auf Wunsch her

Wolfgang Kaufmann
29.01.2024

Die interdisziplinäre britische Wissenschaftszeitschrift „Nature“ gehört neben der US-amerikanischen „Science“ zu den angesehensten Fachblättern weltweit. Umso schwerer wiegen die Vorwürfe, die „Nature“ nun in einem Artikel mit der Überschrift „Im Jahr 2023 wurden mehr als 10.000 Forschungsarbeiten zurückgezogen – ein neuer Rekord“ erhebt. Der Grund für die formellen Rücknahmen der Artikel war stets der Gleiche: Irgendjemand hatte sie nach ihrem Erscheinen als Fake-Aufsätze entlarvt. Es handelte sich also nicht um Plagiate beziehungsweise Produkte von Ghostwritern, sondern um wissenschaftliche Fachtexte, die auf manipulierten, gefälschten oder komplett erfundenen Daten beruhten.

An der Spitze der Verlage, die solche Arbeiten veröffentlichten, stand die Hindawi Publishing Corporation in London, die seit 2021 zu dem renommierten Verlagshaus John Wiley & Sons gehört. Hindawi brachte 8000 gefälschte Aufsätze heraus. Diese stammten zumeist aus sogenannten Paper Mills (Papiermühlen). Das sind kommerzielle Unternehmen, die wissenschaftliche Fachartikel herstellen und dann möglichst teuer verkaufen. Dabei gehen sie zweigleisig vor. Entweder werden Autoren und Gutachter erfunden oder die Paper Mills produzieren Beiträge für Forscher, die nichts Substantielles zu bieten haben, aber unter Publikationszwang stehen, da sie sich im Kampf um Fördermittel oder attraktive Posten befinden.

Die meisten dieser Wissenschaftler sitzen in Saudi-Arabien, Pakistan, Russland, China, Ägypten und Malaysia. Nicht nur bei den Herkunftsländern der Wissenschaftler, sondern auch bei deren Fachgebieten gibt es Schwerpunkte. Laut „Nature“ sind das die Technik- und Computerwissenschaften, die Medizin und die Umweltwissenschaften. Die Vorgehensweise der Fälscher ist dabei teilweise derart dreist oder dilettantisch, dass sie alleine schon deshalb vor der Drucklegung durchschaut werden könnte.

So publizierte Hindawi den Artikel eines chinesischen Forscherteams über Lungenentzündungen bei Neugeborenen, in dem es hieß: „180 Kinder wurden zwischen September 2016 und November 2020 im xxx-Krankenhaus aufgenommen, und die Studie an diesen wurde vom xxx Medical Ethics Committee genehmigt“. Die drei „x“ zeigen, dass es sich bei diesem Text um das Produkt einer Paper Mill handelt, das an die Meistbietenden verhökert wurde, die es dann versäumt haben, den Namen ihrer Klinik an die Stelle des Platzhalters „xxx“ zu setzen.

Auf die Presseanfrage an das Verlagshaus John Wiley & Sons, ob unter den aufgeflogenen Fake-Artikeln auch solche waren, die politisch erwünschte Ergebnisse – beispielsweise im Zusammenhang mit dem angeblich menschgemachten Klimawandel oder dem brisanten Thema Corona – enthielten, erfolgte keine Antwort. Ebenso fehlen in der „Nature“-Studie Angaben hierzu. Bekannt ist nur, dass Wiley nun beschlossen hat, künftig auf die Verwendung des für immerhin fast 300 Millionen US-Dollar erworbenen Markennamens Hindawi zu verzichten.


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