25.05.2022

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Russland-Sanktionen

Wenn eine Strafe zum Bumerang wird

Als Reaktion auf den russisch-ukrainischen Krieg verkündeten die Europäer harte Einschnitte in die Wirtschaftsbeziehungen zu Moskau. Nun zeigt sich, dass die Leidtragenden dieser Beschlüsse auch die eigenen Bürger sind

Norman Hanert
17.03.2022

Die Sanktionspakete gegen Russland tun nach Ansicht der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin „richtig weh“: „Die Sanktionen beißen ganz hart. Das merkt man. Die russische Wirtschaft wankt“, so von der Leyen gegenüber dem Deutschlandfunk.

Inzwischen warnen Ökonomen und Wirtschaftsvertreter aber vor Übertreibungen. Siegfried Russwurm, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), sprach sich unlängst zwar für eine schnelle Unabhängigkeit von russischen Energieimporten aus. Auch solle durch Sanktionen Druck auf die Entscheider in Russland ausgeübt werden. Allerdings mahnte der BDI-Chef, dabei Augenmaß zu bewahren: „Es ergibt wenig Sinn, sich selbst schärfer zu bestrafen als den Aggressor. Russland und die Ukraine sind wichtige Nahrungsmittelexporteure. Soll es diese Exporte nicht mehr geben? Das würde zu massiven zusätzlichen Verwerfungen in der Welt führen.“

„Suicide by Cop“

Noch deutlicher fiel eine Einschätzung des US-amerikanischen Wirtschaftsjournalisten Tom Luongo aus. Er sprach mit Blick auf die Sanktionen der EU gegen Russland bereits von einem „Suicide by Cop“. Der Begriff steht in den USA für den Versuch von suizidgefährdeten Personen, sich durch eine gezielte Konfrontation von der Polizei erschießen zu lassen.

Tatsächlich birgt der Versuch der USA und der EU, Russland als größten Rohstoffproduzenten der Welt vom internationalen Handel auszuschließen, ein enormes Risiko für die gesamte Weltwirtschaft. Russland ist mit seinen Ausfuhren von Erdöl, Gas, Kohle und Uran einer der größten Energielieferanten, zudem wichtiger Produzent von Nahrungsmitteln und als Exporteur vieler Metalle enorm bedeutend. Mit gutem Grund tauchen zum Beispiel auf der US-Sanktionsliste keine russischen Mineralien auf.

Noch bevor die USA und die EU ihre Sanktionen auf den Weg gebracht haben, sind in vielen westlichen Ländern erneut Inflationssorgen umgegangen. Der Versuch, russische Rohstoffe von den internationalen Märkten zu verbannen, wird die Inflationstendenzen weiter steigen lassen. So kommentierte der deutsche Ökonom Daniel Stelter die hierzulande aufgekommenen Forderungen nach Ausweitung der Sanktionen auf die Energielieferungen: „Boykottieren wir russisches Öl und Gas, bekommen wir zweistellige Inflationsraten.“

Wirtschaftskrise mit Ansage

Zoltan Pozsar, Zinsstratege bei der Credit Suisse, sorgte vor Kurzem an der Wall Street für großes Aufsehen, indem er nicht weniger als den Zusammenbruch des bisherigen dollarbasierten Weltwährungssystems voraussagte. Der Ökonom, der früher für die US-Zentralbank und das US-Finanzministerium gearbeitet hat, sieht als Folge der westlichen Sanktionen, dass sich eine massive Rohstoffkrise samt Liquiditätsengpässen bei Marktteilnehmern samt inflationärem Finale zusammenbraut.

Die Entscheidung der Gruppe der Sieben (G7), die Währungsreserven der russischen Zentralbank zu beschlagnahmen, wertet Pozsar als extrem wichtigen Punkt. Russlands Devisenreserven, jahrelang gespeist aus Erlösen von Rohstoffexporten, wurden vor dem Ukraine-Krieg auf rund 630 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Beschlagnahme dieser Reserven ist nicht nur für Russland ein alarmierendes Signal. Im Prinzip muss jeder Staat künftig darauf gefasst sein, bei einem Konflikt mit den Vereinigten Staaten faktisch nicht mehr an seine Dollar-Guthaben heranzukommen.



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Kommentare

Top Tommes am 21.03.22, 15:38 Uhr

Erstaunlich, dass die Russen noch immer ihren Luftraum für EU und USA offen lassen, anscheinend weitestgehend auf Gegenmassnahmen zu den verhängten Sanktionen verzichten und sich an Verträge halten.

Waffenstudent Franz am 18.03.22, 12:24 Uhr

Jedes Deutsche Nachkriegskind wurde zwangsläufig Zeuge von der Vernichtung seines einstigen Selbstversorgerlandes. Anno 1965 erklärte der Oberstudienrat für Latein und Geschichte mir, einem Bauernkind, im Unterricht, daß es besser ist, wenn die BRD die gesamte Landwirtschaft verbiete. Die Deutsche Landwirtschaft produziere nämlich viel zu teuer.

Bis heute belächelt man die Russenbauern, die doch kein Geld für Devisen haben, und prahlte mit voller westlicher Kriegskasse. Putin schafft nun Ordnung: Russen essen ihre Lebensmittel aus eigener Landwirtschaft, und der Rest ißt seine Banknoten samt Geldscheine aus eigener Spekulationswirtschaft.

Die Lehrer der zwoten Klasse in der französischen Zone brachten uns anschaulich bei, wie wertvoll eine Scholle im Verhältnis zu schwerverdaulichem Geld ist.

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