14.08.2022

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Von der Realität eingeholt: Boris Johnson und Donald Trump
Foto: imago/ZUMA WireVon der Realität eingeholt: Boris Johnson und Donald Trump

Politik

Wenn frische Strahlkraft zum narzisstischen Elend wird

Mit Boris Johnsons Rücktritt endete nun auch in Großbritannien ein Aufstand gegen das politische Establishment. Über Glanz und Elend des Populismus

Klaus Kelle
15.07.2022

Boris Johnson war so etwas wie eine politische Wundertüte. Einer, der in keines der gängigen Raster zu passen schien. Ein Konservativer, der oft gar nicht konservativ wirkte in dem, was er tat und wie er es tat. Ein Volkstribun, der die Sprache der Menschen auf den Straßen sprechen konnte. Einer, dem man nachsagte, dass er davon träumte, Winston Churchill nachzufolgen. Der erste (west)europäische Regierungschef, der ohne zu zögern der von Russland angegriffenen Ukraine auch militärisch massiv zu helfen bereit war. Und der gleichzeitig seinem Volk strenge Corona-Regeln verpasste, um diese dann im privaten Leben selbst zu brechen. „Partygate“ und die unglaubwürdigen Verteidigungsversuche – er habe nicht erkannt, dass es sich bei den Treffen mit Drinks in der Hand um eine Party gehandelt habe – waren der Anfang vom Ende eines trotz allem faszinierenden Politikers.

Gleichzeitig ist Johnson der Typus politischer Anführer, in dem sich manifestiert, warum diese Leute in der Regel letztlich immer scheitern. Das Volk mag sie – für ihre Bereitschaft, sich in die Schlacht zu stürzen, für ihre Fähigkeit, scharfzüngig und unerschrocken, offenkundige Missstände im eigenen Land und das Versagen der herrschenden Eliten anzuprangern. Aber was, wenn genau diese Fähigkeiten sie dann an die Macht spülen? So wie Boris Johnson, so wie Donald Trump, Jair Bolsonaro oder auch Silvio Berlusconi?

Allein die Erfolgsgeschichten dieser Leute in der Politik sind faszinierend. Von Donald Trump erzählt man die glaubhafte Geschichte, dass er einmal beim alljährlichen „White House Correspondents Dinner“, wo er im Publikum saß, von Präsident Barack Obama am Rednerpult lächerlich gemacht wurde, weil Trump zuvor öffentlich Zweifel daran geäußert hatte, ob Obama überhaupt US-Staatsbürger sei. In diesem Moment, so die Legende, habe Trump beschlossen: Dir zeige ich's! Und er stieg ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur ein. Ein Zählkandidat, wie die meisten Beobachter dachten. Aber der Immobilien-Tycoon meinte es ernst.

Der schnelle Weg vom Aufbruch zum Scheitern

Schon Trumps Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner war eine Sensation. Als er dann im November 2016 tatsächlich zum mächtigsten Mann der Welt gewählt wurde, glich das einem politischen Erdbeben, wie man es selten erlebt. Alles wurde plötzlich in Frage gestellt. Alte Feindschaften wie die zu Nordkorea zum Beispiel oder auch alte Freundschaften wie die mit EU und NATO. Nichts war mehr unantastbar, niemand des links-grün-woken Establishments sollte mehr sicher sein, die Agenda für die Zukunft bestimmen zu können. Nicht einmal die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der er den Handschlag vor laufenden Kameras verweigerte. Herrlich unkonventionell, so empfanden viele die Anfangszeit seiner Präsidentschaft, wenngleich seine Respektlosigkeit gegenüber unserem Land natürlich inakzeptabel war.

Doch so frisch und unkonventionell, wie die Populisten beginnen, so scheitern sie oft auch. Vielleicht selbstberauscht vom Erfolg und der Ansicht, sich über Regeln hinwegsetzen zu können, sich eine eigene Wahrheit basteln zu können und zu glauben: Mir kann niemand. So war es bei Johnson, der harte Corona-Maßnahmen verfügte und sich dann selbst nicht daran hielt. So war es bei Trump, der nicht bereit war, seine Wahlniederlage 2020 zu akzeptieren, und der Amtsträger versuchte zu nötigen, Wahlergebnisse zu frisieren. 50 Gerichte in den USA haben sich mit Wahleinsprüchen des Trump-Teams beschäftigt. Ausnahmslos alle kamen zu dem Ergebnis, dass die Wahl korrekt verlaufen ist.

Der Glanz, den viele Populisten ausstrahlen, und der uns so zu begeistern vermag, er wird zum Elend, wenn deutlich wird, dass es oft Narzissten sind, Egomanen, die denken, dass die Regeln, die sie mitbeschlossen haben, nur für die anderen gelten. Und die dann von der Realität eingeholt werden, mit Schimpf und Schande vom Thron gejagt oder vor Gericht gezerrt werden.



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Kommentare

Homer Simpson am 15.07.22, 19:40 Uhr

Schöner Kommentar für die PAZ. Bestimmt werden manche Leute hier, ihrem Pawlowschen Reflex folgend, bald kundtun, Trump habe die Wahl 2020 in Wirklichkeit gewonnen (hat er nicht).

Chris Benthe am 15.07.22, 09:49 Uhr

Zitat: "50 Gerichte in den USA haben sich mit Wahleinsprüchen des Trump-Teams beschäftigt. Ausnahmslos alle kamen zu dem Ergebnis, dass die Wahl korrekt verlaufen ist." Das greift zu kurz. Die Wahlmanpulationen sind nicht zu übersehen gewesen. Es gehörte zur Politstrategie, auch juristisch nichts anbrennen zu lassen. Auch Richter wollen wiedergewählt werden. Trump wurde mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt, aber das Establishment war diesmal auf dem Quivive, um das Hillary-Desaster nicht zu wiederholen. Die eklatanten Schwächen des US-Wahlverfahrens wurden brutal ausgenutzt, all das ist hinreichend dokumentiert worden.
Aber mal abwarten. Es gibt viele Trumps in den USA, und geeignete, vorzeigbare Kandidaten stehen längst am Start. Trump war seiner Zeit weit voraus, weil er erkannte und wollte, dass die USA ihren unipolaren Weltrettungskurs auf Kosten z.B. der Europäer nicht mehr fortsetzen können. Putin hat das ebenfalls früh erkannt. Es wird so kommen, weil man die BRICS- Staaten schlicht nicht mehr ignorieren kann. Die entsprechenden Weichen sind längst gestellt (alternative Zahlungssysteme, Währungsfonds, Sicherheitsbündnisse) Die Weltherrschaft der USA nähert sich ihrem Ende, und das ist gut so.

Ulrich Bohl am 15.07.22, 09:38 Uhr

Dem Kommentar kann man zustimmen. Es ergibt sich daraus die Frage. Was sind dann die, die eine Politik be-
treiben die es s.g. Populisten erst ermöglichen an die
Macht zu kommen. Ihre Politik ist der Wegbereiter für
Populisten. Mein Resumee, wir brauchen Populisten um
bestehende Mängel so anzuprangern, dass auch der Letzte diese erkennt und schlechte Politik endlich als
solche benannt wird um Wechsel zu erreichen. Wechsel sind auch in Deutschland dringend erforderlich.

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