04.07.2022

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Pandemiebekämpfung

Wenn Gesundheit zur Obsession wird

Superplan oder Größenwahn? Der IT-Unternehmer und Mäzen Bill Gates beschreibt in seinem neuen Buch, wie er die ganze Welt lückenlos überwachen will, um sämtliche Atemwegserkrankungen auszurotten

Holger Fuß
29.05.2022

Die vergangenen Tage dürften für Verschwörungstheoretiker so manchen Leckerbissen geliefert haben. Kaum absolvierten die G7-Gesundheitsminister bei ihrem Fachtreffen in Berlin eine Trockenübung zu Pockenausbruch, schon machten in den Nachrichten Meldungen von ersten Erkrankungen durch Affenpocken in München, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Berlin die Runde. Nach wochenlang leidvoller Zwangspause durch den Ukrainekrieg konnte sich endlich wieder Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in seiner Kernkompetenz zu Wort melden und davor warnen, dass der Ausbruch von Affenpocken zwar eingegrenzt werden könne: „Das kann aber nur gelingen, wenn schnell gehandelt wird.“ Das Robert Koch-Institut soll bereits an Empfehlungen für geeignete Maßnahmen arbeiten.

Solche Synchronizitäten haben seit Beginn der Corona-Krise Anfang 2020 einschlägige Paranoiker zu beachtlichen Höhenflügen inspiriert. Der Verfolgungswahn entwickelte dabei eine mitunter komplexe Poetik, in deren Zentrum artistische Drahtzieher standen, die in verborgenen Laboratorien allerlei Viren und andere Kleinlebewesen zu tückischen Biowaffen komponierten, sie in die Welt entließen und anschließend die Menschen rund um den Globus zu ihrem eigenen Schutz ihrer bürgerlichen Freiheiten zu berauben – falls vorhanden.

Endziel dieser frevlerischen Maßnahmen, so die stets bestens informierten Komplott-Enthüller, sei die Weltherrschaft des Kapitals, des Systems oder des Teufels persönlich. Oder ganz einfach von Bill Gates. Seit der heute 66-jährige Unternehmer mit dem verwuschelten Knabengesicht die Softwareschmiede Microsoft gründete, mit seinem Betriebssystem Windows zum Weltmarktführer im Computeruniversum aufstieg und zeitweilig als reichster Mann der Welt galt, steht er beständig unter Konspirationsverdacht. Früher wurde gern gemutmaßt, seine PC-Software würde unsere persönlichen Daten ausspionieren, inzwischen wird ihm unterstellt, in die Impfstoffe gegen Covid-19 seien Nano-Roboter aus seiner Werkstatt gemixt, die aus geimpften Menschen willfährige Marionetten zu seinen Zwecken machen würden.

Krankheiten als „eine Art Obsession“

Seit William Henry Gates III gemeinsam mit seiner inzwischen geschiedenen Ehefrau Melinda 1999 die Gates Foundation ins Leben rief und mit 46,8 Milliarden US-Dollar zur größten wohltätigen Privatstiftung auf diesem Planeten ausstattete, ist der Software-Zar auch ein Global Player im Gesundheitsbereich. In der Weltgesundheitsorganisation (WHO) tritt er nach den USA als zweitgrößter Beitragszahler auf, 2018/19 waren das gut eine halbe Milliarde Dollar und fast zehn Prozent des Gesamtbudgets. Über die von ihm mitgegründete Impfstoff-Initiative CEPI wurden unter anderem die Impfstoffentwicklungen bei Novavax, Moderna und AstraZeneca unterstützt, erst im vergangenen Januar spendete Gates weitere 150 Millionen Dollar an CEPI. Insgesamt, so gibt Gates an, hat seine Stiftung inzwischen „über zwei Milliarden Dollar bereitgestellt, um Covid-19 zu bekämpfen“.

In seinem jüngst erschienenen Buch „Wie wir die nächste Pandemie verhindern“ (Piper) gibt Bill Gates verblüffend ungeniert Einblicke in seine Vorstellungen einer besseren, weil gesünderen Welt. Es ist ein Dokument des Kontrollzwangs und des Größenwahns. Schon in der Einführung bekennt er: „Ansteckende Krankheiten sind für mich eine Art Obsession.“ Bei der Lektüre der 336 Seiten können wir einem „Technikfreak“ (Gates über Gates) und Philanthropen, der in erster Linie Unternehmer ist, bei der Arbeit zuschauen. Denn auch für den medizinischen Bereich gelte: „Das weltweit größte Potenzial, um Forschungsergebnisse in kommerzielle Produkte umzusetzen, ist in der Privatwirtschaft zu finden.“ Und weiter: „Gewinnstreben ist nun mal das stärkste Motiv.“

So liest sich sein Buch streckenweise wie eine Marktanalyse künftiger milliardenschwerer Nachfrageoptionen. „Diese Pandemie“, die wir seit zwei Jahren erleben, sagt Gates, „hat uns eine Realwelt-Lektion erteilt, die kein Experiment jemals ermöglicht hätte“. Zum einen, „um herauszufinden, wie bestimmte Maßnahmen wirken“, also alle Nicht-Pharmakologischen Interventionen (NPI) wie Lockdown, Schutzmasken, Abstandhalten, Schulschließungen und Homeoffice. Zum anderen konnte mit inzwischen 11,7 Milliarden verabreichten Impfstoffdosen gegen Covid-19 weltweit der vermutlich größte Medikamententest aller Zeiten durchgeführt werden. Die ersten Impfstoffe wurden innerhalb von zwölf Monaten entwickelt, getestet und zugelassen, „ein Prozess, der normalerweise mindestens fünf Jahre in Anspruch nimmt“, so Gates. Dementsprechend zeigen sich Nebenwirkungen erst in der laufenden Praxiserprobung.

Vision einer gerechteren Welt ohne demokratische Entscheidungsprozesse

Unerwähnt lässt Gates indes, dass auch die Sozialpsychologen auf reichhaltiges empirisches Material blicken können, wie ganze Populationen durch beharrliches Panikschüren manipulierbar gemacht werden können. Graffiti-Sprayer brachten dies auf die knappe Formel: „Covid-1984“. Und tatsächlich offenbart der mächtigste Philanthrop der Welt eine abenteuerliche Selbstherrlichkeit, die sich durchs ganze Buch zieht. Zu Beginn verweist er auf „mein schon vor Jahren abgegebenes Versprechen, den größten Teil meines Vermögens auf eine Art und Weise an die Gesellschaft zurückzugeben, die die Welt gerechter macht“. Im Klartext: Gates investiert sein Geld in seine ganz persönliche Vision einer gerechteren Welt.

Demokratische Entscheidungsprozesse kommen in seinem Buch erst gar nicht vor. Stattdessen verkündet er: „Es ist zweifellos richtig, dass ich nie in ein öffentliches Amt gewählt wurde, und das strebe ich auch nicht an.“ Seine Weltsicht ist eine andere, eine technokratische: „Meine Weltsicht ist darauf fokussiert, Probleme durch das Erfinden neuer Dinge zu lösen.“ Dazu gehört für ihn in der Kommunikation auch nicht die Kraft der Vernunft und des Arguments: „Es ist bedauerlich, dass sich viele Menschen weigern, Entscheidungen zu treffen, die ihr eigenes und das Leben ihrer Familien sicherer machen würden.“ Er habe gelernt, so Gates, „dass man unsichere Menschen nicht überzeugen kann, indem man sie einfach mit Fakten überhäuft“. Stattdessen helfe es schon, „wenn Menschen sehen, dass Politiker und Prominente sich impfen lassen“. Oder wenn sie „die Wahrheit aus vertrauenswürdigen Quellen erfahren, zum Beispiel von ihnen bekannten religiösen Führern oder Mitarbeitern ihrer kommunalen Gesundheitsdienste“. Gates' Vertrautheit mit der Verführungstrickkisten von Reklame und Marketing ist hier unverkennbar.

Um in Zukunft Pandemien zu vermeiden, entwirft Gates einen Masterplan rund um eine globale Expertenkommission, die er GERM-Team nennt, das Global Epidemic Response and Mobilization Team, zuständig für globale Antworten und Mobilisierung bei Epidemien. Diese schnelle Eingreiftruppe soll am besten bei der WHO angesiedelt und „ein weltweites EOC“ (Emergency Operations Center, zu Deutsch: Notfalleinsatzzentrale) „mit Superkräften sein“. Ausgestattet mit entsprechenden Machtbefugnissen identifiziert GERM Epidemie-Ausbrüche und bekämpft sie vor Ort mit drastischen Maßnahmen, speichert alles in globalen Datenbanken und organisiert Impfstoffentwicklung und Impfkampagnen.

Auf ein weltweites „Überwachungs- und Reaktionssystem“ würde Gates' Plan hinauslaufen, der pro Jahr etwa eine Milliarde Dollar kosten würde, um Gehälter für rund 3000 Mitarbeiter „plus Ausrüstung, Reisen und andere Ausgaben“ zu bezahlen. „Das ist“, so Gates, „weniger als ein Tausendstel der jährlichen Verteidigungsausgaben der Welt“, schließlich koste die Corona-Krise der Welt mittlerweile Billionen von Dollar.

Orwellscher Beiklang

„Der Begriff Überwachung hat leider einen etwas beklemmenden orwellschen Beiklang“, bedauert Gates. In dem Überwachungsnetz, das der Philanthrop über die Welt spannen will, sitzt in jedem Land ein Pandemie-Beauftragter, „ausgestattet mit dem Mandat, einen Plan zur Eindämmung eines Ausbruchs zu erarbeiten und umzusetzen“, Regeln zu erlassen und „vollen Zugang zu den Daten und Modellierungen“ zu besitzen. „Auf der internationalen Ebene sollte das GERM-Team diese Funktionen übernehmen.“

Immer wieder blitzt in Gates' Ausführungen der IT-Unternehmer in ihm durch. „Wir stehen erst am Beginn der neuen Ära der Digitalisierung“, raunt er an einer Stelle. Woanders lässt er seiner Begeisterung freien Lauf: „Ich kann es kaum erwarten, die digitalen Durchbrüche zu beobachten, die sicherlich in den nächsten Jahren immer wieder erzielt werden.“ Deshalb können wir Gates' Masterplan auch als ein globales Förderprogramm für die Technologiebranchen verstehen.

Denn ohne Staatsgelder geht auch bei Gates nichts. Ohne Forschungsförderung der US-Regierung, bekennt er, hätte ein Unternehmen wie Microsoft niemals gegründet werden können. Allein die Verhinderung künftiger Pandemien dürfte nach Gates' Schätzungen Industrie- und Schwellenländer jedes Jahr „mindestens 30 Milliarden Dollar“ kosten. Gelder, die zum guten Teil bei IT- und Pharmaunternehmen landen werden, um, wie Gates sagt, „die Welt gerechter“ zu machen.

Die Welt in einem dauerhaften „Ausnahmezustand“

Nicht verwunderlich, dass Gates die eigentlichen Ursachen von Pandemien, nämlich die Zerstörung natürlicher Lebensräume durch Globalisierung, industrielle Landwirtschaft, Wirtschaftswachstum und Klimawandel, nicht näher erörtert, sondern lieber davon träumt, „etwas ganz Außergewöhnliches zu erreichen: ganze Familien von Atemwegspathogenen auszurotten“. Der von Infektionskrankheiten Besessene deliriert vom „Ende der Grippe“. Was medizinisch unmöglich sein dürfte. In der Welt von Bill Gates scheinen jedoch die Algorithmen die Musik zu machen, nicht das Leben selbst.

Doch Bill Gates steht nicht allein mit seinen Vorhaben. Auch Karl Lauterbach geht davon aus, dass wir uns auf einen dauerhaften „Ausnahmezustand“ einstellen müssten. Deshalb sei für sein Haus das wichtigste Projekt ein „globaler Pakt“ zur Vorbereitung auf künftige Pandemien, an dem er derzeit gemeinsam mit 30 Wissenschaftlern arbeite. Geplant ist, so berichtet die „Welt am Sonntag“, ein weltweiter „Pandemievertrag“, der unter dem Dach der WHO „zu einer neuen Gesundheitsarchitektur führen“ solle.

In dieser Woche bereits will die jährliche Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation auf Antrag der USA über „weitreichendere Kompetenzen als bisher“ entscheiden. Mitgliedstaaten sollen schneller und besser koordiniert Krankheitsausbrüche melden. Der Titel des „Welt am Sonntag“-Artikels lautet: „Supermacht WHO“. Der Einfluss von Bill Gates ist eben überall spürbar.



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Kommentare

Sonja Dengler am 01.06.22, 06:20 Uhr

Mir scheint es sonnenklar: Gates ist ein alter Mann, der sich vor dem Sterben fürchtet - und vor allem vor der Abrechnung, die er auf seinem Sterbebett erleben wird. Denn die Seele lässt sich nicht betrügen. Und um das so lange wie möglich hinauszuziehen, werden alle Menschen in Sippenhaft genommen, die ihm einen Schnupfen bringen könnten. Armer alter Mann.

Ralf Pöhling am 30.05.22, 14:48 Uhr

Es gibt einen Punkt, der beim Thema Pandemie immer ausgeblendet wird: Bioterrorismus.
Dass Gates' Fokus in der Außendarstellung auf dem Thema Gesundheit liegt, ist doch klar: Der Mann ist Privatier bzw. Privatbürger. Der Mann arbeitet weder für den Staat noch den Sicherheitsapparat. Er arbeitet zwar öfters mit dem Staat, da hört es dann aber schon auf.
Der Staat selbst hält sich bei bestimmten Themen aus gutem Grund zurück.
Ich gebe eins zu bedenken: Die menschliche DNA ist komplett entschlüsselt und lässt sich gezielt manipulieren. Viren mittels "Gain of Function" Forschung zu frisieren, ist mittlerweile gängige Praxis. Das öffnet die Tür für Biokampfstoffe, die selektiv und selbstständig auf globaler Ebene ganze Ethnien anhand eindeutiger DNA Merkmale in nullkommanichts komplett ausrotten können, während sie andere Ethnien verschonen.
Wer auf so etwas nicht vorbereitet ist, der verschwindet eventuell alsbald für immer von der Erde. Und zwar nicht als Einzelperson, sondern als ganzes Volk, während die Infrastruktur dabei komplett unangetastet bleibt. Eine effektivere Waffe ist nicht denkbar. Das Thema wird in seiner potentiellen Gefahr vollkommen unterschätzt.

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