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„Emmelinde“ brachte mancherorts die Stromversorgung zum Erliegen: Zerstörtes Solarpanel nach dem Sturmtief im Mai
Foto: pa„Emmelinde“ brachte mancherorts die Stromversorgung zum Erliegen: Zerstörtes Solarpanel nach dem Sturmtief im Mai

Energiesicherheit

Wenn plötzlich nichts mehr geht

Persönlicher Erfahrungsbericht über einen Ausfall der Stromversorgung im idyllischen Spreewald: Ende Mai ließ Tief „Emmelinde“ alle Lichter ausgehen

Hermann Müller
14.06.2022

Die Hoffnung auf „Wochenend und Sonnenschein“ hatte der Wetterbericht bereits zur Wochenmitte mit der Ankündigung des Tiefs „Emmelinde“ zerstört. Freitag, den 20. Mai, legte dann der Deutsche Wetterdienst mit einer Warnung vor Starkregen, Hagel, orkanartigen Böen und möglicherweise sogar Tornados nach. Trotz der trüben Aussichten blieb es beim Entschluss: Das Wochenende wird nicht im verregneten Berlin verbracht, es geht in den unteren Spreewald, zu Häuschen und Garten.

Dort, in idyllischer Abgeschiedenheit, stellten sich Freitagnacht tatsächlich Dauerregen und starker Wind ein. Zumindest im Spreewald entpuppte sich „Emmelinde“ aber im Vergleich zu den Orkanböen des Tiefs „Zeynep“, das vergangenen Februar über Deutschland hinwegfegte, als verhältnismäßig harmlos. Der Freude über den neugepflanzten Pflaumenbaum und das Gewächshaus, welche die Unwetternacht unbeschadet überstanden hatten, folgte Sonnabendfrüh dann wie aus dem Nichts eine böse Überraschung: Die Wasserpumpe für den Brunnen springt nicht mehr an.

Keine Panik, erst mal nach dem Sicherungskasten sehen! Im Haus dann die nächste Schrecksekunde: Auch das Licht geht nicht mehr, obwohl alle Sicherungen in Ordnungen waren.

Nicht mal eine Tasse Kaffee

Damit ist klar, ich erlebe hier gerade den dritten Stromausfall innerhalb von drei Jahren. Trotz der vorangegangenen Erfahrungen braucht es auch dieses Mal seine Zeit, bis die vollen Auswirkungen des Ausfalls bewusst werden. Das verschlafene „Erst mal eine Tasse Kaffee“ ist kaum als Gedanke da, schon folgt die Ernüchterung: Die Kaffeemaschine ist im Moment genauso strom- und funktionslos wie Induktionskochplatte, Wasserkocher, Durchlauferhitzer und Kühlschrank.

Auch Router und die LTE-Antenne für die mobile Internetverbindung kann ich ohne Strom vergessen. Die Akkus von Laptop und Mobiltelefon sind gut geladen, ein Blick auf das Handy sorgt allerdings für die nächste Überraschung. Neben dem kleinen Säulendiagramm, das über die Signalstärke informiert, erscheint kein kleines „x“, das Zeichen für einen komplett fehlenden Netzempfang. Das Balkendiagramm auf meinem Mobiltelefon verspricht stattdessen wenigstens eine Mini-Signalstärke. Der praktische Versuch, über das Smartphone ins Internet zu kommen, stellt sich dann jedoch als zweckloses Unterfangen heraus.

Die Situation erinnert an die Begleitumstände des langen Stromausfalls im Berliner Südosten im Jahr 2019 (siehe unten). Der Ausfall des Mobilfunks war seinerzeit eine der Folgen des Stromausfalls, von dem selbst ausgewiesene Experten zunächst überrascht waren. Bei der späteren Auswertung des über 30-stündigen Ausfalls wurde den Experten dann deutlich, wie wichtig für die betroffenen Menschen Informationen über ihre Lage sind.

In meinem Fall ist die nächste Kleinstadt einen Kilometer und selbst der nächste Nachbar mehrere hundert Meter entfernt. Internet und Mobiltelefon funktionieren nicht; so tappe ich im Ungewissen: Handelt es sich um einen regionalen Stromausfall, hat der Sturm mal wieder eine der Überlandleitungen beschädigt, oder sind nun europaweit die Lichter ausgegangen? Ist das einer der angedrohten Sabotageaktionen sogenannter Klimaschützer auf ein Kohlekraftwerk oder sogar der große Blackout, der mittlerweile selbst für ARD und ZDF ein Thema ist?

Bereits die bisherigen Stromausfälle waren für mich Anlass, mir für solche Notfälle ein batteriegetriebenes Radio anzuschaffen. Die erste Bewährungsprobe des Geräts zeigt, wie richtig sein Kauf war. Schnell waren die Batterien eingesetzt und das Programm des rbb-Inforadio gefunden. Da es keine Meldungen über einen größeren Stromausfall in Brandenburg gab, lag auf der Hand, dass ich von einem lokalen Ausfall betroffen war, der vermutlich schnell behoben ist. Tatsächlich setzte die Stromversorgung dann auch nach gut zwei Stunden wieder ein.

Jede Menge Wasser, aber kein Brot

Als Mahnung und neuerlicher Denkanstoß war das Ausgehen der Lichter, die Schrecksekunde des „Nichts geht mehr“, dennoch wichtig. Wegen meiner regelmäßigen Beschäftigung mit dem Blackout-Thema als Journalist und den eigenen Erfahrungen wähnte ich mich besser vorbereitet als Otto Normalverbraucher. Als dann tatsächlich kein Strom mehr floss, musste ich allerdings feststellen, es sind zwar reichlich Lebensmittelkonserven im Haus, aber kein Brotersatz wie Knäckebrot oder Zwieback. Als deutlich über den offiziellen Empfehlungen stellte sich meine Vorsorge mit Trinkwasser heraus. Im Vorratsraum zählte ich dreißig Pakete mit Mineralwasser, insgesamt 270 Liter zum Trinken und Kochen.

Ein Blick auf die Internetseite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe lässt meine Vorräte als die eines Wasserverschwenders oder notorischen Schwarzmalers erscheinen. Das Amt empfiehlt, Essen und Trinken für zehn Tage zu bevorraten. Pro Person geht die Behörde dabei von lediglich zwei Litern Flüssigkeit am Tag aus. Nach diesem Maßstab reicht mein Trinkwasservorrat für Monate.

Zur ganz persönlichen Krisenvorsorge gehört bereits seit einigen Jahren ein Campingkocher, der sich bei einem Ausfall der Stromversorgung mit Spiritus betreiben lässt. Mit Blick auf die Energiewende und die Sanktionspolitik der Bundesregierung ist für den Rückzugsort im Süden Brandenburgs inzwischen als ultimative Autarkieerklärung auch ein klassischer Holzküchenherd mit Kochplatte und Backröhre dazugekommen, der sich natürlich auch als Heizung nutzen lässt.

Ganz oben auf der Anschaffungsliste steht nun ein Solarpanel samt Spannungswandler, mit dem sich Akkus für Taschenlampen und Radio aufladen lassen. Die mittlerweile dritte Stromausfall-Erfahrung in Brandenburgs birgt bei genauerer Betrachtung letztendlich auch eine komische Seite. Es ist der märkische Ministerpräsident Dietmar Woidke, der kaum eine Gelegenheit auslässt, sein jeweiliges Publikum landesväterlich zu beruhigen: „Brandenburg war, ist und bleibt Energieland“.

Tatsächlich steht in Jänschwalde, nur wenige Dutzend Kilometer vom Spreewald entfernt, eines der größten Kraftwerke Deutschlands. Mit zum Bild vom Energieland Brandenburg gehören inzwischen aber auch Hundertschaften von Windrädern, die mittlerweile großflächig Landschaften entstellen. Trotz dieser Entwicklung liefern die Anlagen nur je nach der Wetterlage Strom. Eine Art von Zufallsstrom also. Dabei fallen die Anlagen nicht nur bei Windstille als Energielieferant aus.

Das Standardprozedere der Betreiber sieht auch vor, die Windräder bei zu starkem Wind abzuschalten, um Schäden an den Anlagen zu vermeiden.



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Kommentare

Bernd Wegter am 17.06.22, 10:07 Uhr

@Benthe das hört sich an als ob wir 1918 bzw. 1945 haben.
Leider ist es traurig aber wahr, dass wir uns Gedanken machen müssen über ein Leben wie vor 80 Jahren. Dabei haben wir das 21. Jahrhundert. Die Möglichkeit für Jüngere Menschen besteht immer noch darin auszuwandern, und wenn ich könnte würde ich es machen.

Chris Benthe am 14.06.22, 09:58 Uhr

Wichtiger Beitrag. Die meisten Bürger sind noch immer ahnungslos und würden unvorbereitet in die zu erwartende Blackout-Falle tappen. Wie der Autor schon schrieb, sind ausreichend Wasservorräte das Wichtigste. Kocher und Brennstoff zwar auch, aber man sollte bedenken, dass im Falle eines langen Stromausfalls jeder Brennstoff einmal zur Neige geht, ebenso wie die Konserven. Zusätzlich ist es sinnvoll, energiereiche, haltbare Trockennahrung vorzuhalten, die man mit Wasser leicht anrühren kann. So spart man Energie und Konserven. Mein Tipp: hochwertige Mehrkornflocken schroten (geht im Standmixer ausgezeichnet), mit Milchpulver und Rohrzucker (nach Bedarf) mischen. Lässt sich wunderbar mit Wasser anrühren und man erhält eine vollwertige, schmackhafte Nahrung. Zur Abrundung empfiehlt sich, einen Teelöffel Erdnussmus o.ä. dazuzugeben. Die entsprechenden Glaskonserven sind lange haltbar. Diese Überlebensnahrung kann auch sehr gut mitgeführt werden, falls bei einem längerfristigen Blackout eine Fluchtsituation eintreten sollte. Wichtig ist auch ein mobiler Kurzwellenempfänger, um Nachrichten aus dem Ausland empfangen zu können. Zusätzlich Handsprechfunkggeräte für die verdeckte Nahkommunikation. Man sollte sich überlegen, was man im Krisenfall benötigt und rechtzeitig beschaffen. Öffentliche Infos dazu gibt es reichlich.

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