21.10.2020

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Der satirische Wochenrückblick

Wenn zwei das Gleiche tun ...

Wie man „Rechtsradikale" entlarvt und für wen die Abstandsregeln eher nicht gelten

Hans Heckel
26.03.2020

Nun haben wir diesen Kerl endlich beim Wickel, Corona-Krise sei Dank! Jahrelang hatten die Gegner von Donald Trump auf das Amtsenthebungsverfahren gehofft, an dem dessen linke Widersacher voller Eifer und mit größter Ausdauer herumgewurschtelt hatten. Doch dann verpuffte die Attacke sang- und klanglos, der verhasste US-Präsident stand da wie aus dem Ei gepellt und Trumps Wiederwahl im kommenden November schien beinahe schon gelaufen.

Doch dann kam Corona. Ein Hoffnungsschimmer. Ab jetzt konnte das Ekel im Weißen Haus tun, was es wollte. Seine Gegner würden es schon ins Negative ziehen. Der erste Vorwurf ertönte sogleich: Trump handele viel zu spät und zu zögerlich.

Da kann man den Kritikern nur recht geben. Trump hätte sich Angela Merkel zum Vorbild nehmen sollen, die von den Anti-Trump-Medien einhellig gelobt wird. Warum? Während Trump spät und zögerlich handelte, tat Merkel wochenlang einfach gar nichts, was ihr niemand nachträgt. Als sie schließlich doch noch zum Mikrofon griff, fragte auch niemand, wo sie die ganze Zeit vorher eigentlich gewesen war. Merkel wurde umstandslos zur großen, weisen Krisen-Mutti emporgeschrieben und genießt ihre wieder wachsende Popularität.

Als Trump dagegen zu handeln begann, ließ er zur maßlosen Freude seiner Feinde die rechtsradikale Maske fallen. Er schloss nämlich die Grenzen, zunächst gegen China, dann sogar gegen uns. Zudem bezeichnete er China als Ursprungsort der Corona-Seuche. Damit hatte er sich als Rassist und Fremdenfeind selbst überführt, stellte auch die deutsche Presse fest. Zumal er die Schließungen – eine zusätzliche Schurkerei – ohne vorherige Absprache mit den Partnerländern verhängt hat.

Aber das ist eben typisch, nicht nur für den Ami. Die „Zeit" klärte uns am 15. März auf: Auch in Deutschland „versuchen Rechtsradikale, die Situation auszunutzen, und fordern zum Beispiel generelle Grenzschließungen". Ja, daran kann man sie erkennen, die Rechtsradikalen: Sie fordern Grenzschließungen. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, schließlich wurden wir alle schon unzählige Male zur Wachsamkeit gegen Rechts aufgefordert. Sollte also Ihr Nachbar, Kollege oder sonst wer in Ihrer Umgebung von „Grenzschließungen" faseln, haben Sie unbezweifelbar einen handfesten „Verdachtsfall" am Wickel und sollten umgehend Kontakt zum Verfassungsschutz aufnehmen.

Wie sich allerdings schnell herausstellen sollte, war das Zeitfenster für derlei Heldenstücke denkbar klein. Denn kaum hatte die „Zeit" dieses Anzeichen rechtsradikaler Gesinnung enthüllt, da schloss Deutschland, ebenfalls am 15. März, seine Grenzen zu Frankreich, Österreich und der Schweiz. Merke: Als Denunziant muss man heutzutage wieselflink zuschnappen, wenn man Beute machen will. Denn was am Morgen noch als Petzmaterial gegen „rechtsradikale" Nachbarn taugt, kann am Nachmittag schon Regierungspolitik sein.

Den Verpetzten nützt es indes gar nichts, dass sie am Ende Recht bekommen sollten. Es war halt immer schon riskant, die Wahrheit auszusprechen, bevor die Mächtigen sie auch zugegeben haben. Die ganz Alten unter uns mögen sich daran erinnern, dass es vor 75 Jahren durchaus lebensgefährlich werden konnte, wenn man leise Zweifel am „Endsieg" zum Besten gab, ehe die Nachricht durch war, dass der „Führer im heldenhaften Kampf um die Reichskanzlei gefallen" sei. Danach war das dann kein Problem mehr. Auch nicht für diejenigen, die einen eben noch liebend gern an den Galgen gebracht hätten für die Vorahnung der Niederlage.

So darf man seit dem Nachmittag des 15. März auch ganz ungezwungen über Grenzschließungen räsonieren. Aber wehe denen, die das Thema eine Viertelstunde zu früh angeschnitten hatten. Die bleiben auf der Liste der Rechtsaußen-Verdächtigen kleben.
Mit den Grenzschließungen ging es danach Schlag auf Schlag, kreuz und quer durch Europa. Am Ende machte die gesamte EU die Schotten mehr oder minder dicht, ebenfalls ohne Absprache mit den Nicht-EU-Staaten auf der Welt, also ganz nach Trumpschem Muster. Auch hier regte sich bei den Trump-Empörten so gut wie kein Mucks. Wenn zwei das Gleiche tun ...

Nun wollen wir uns nicht allzu große Sorgen machen. Die Grenzen sind ja nicht wirklich dicht. Pendler und andere Leute, die unbedingt rüber müssen, dürfen die Posten auch weiterhin passieren. Selbstverständlich bleiben die deutschen Grenzen für Asylsucher offen. Wer also Schwierigkeiten am Schlagbaum bekommt mit dem Reinkommen nach Deutschland, sollte „Asyl" sagen und schon geht es weiter. Allerdings, so heißt es, würden die Asylsucher auf Corona getestet. Das ist beruhigend zu hören, zumal wir ja alle Tage hören, dass Deutschland Testkapazitäten in jeder beliebigen Menge zur Verfügung hat, weshalb wir gern auch noch einen Teil der restlichen Weltbevölkerung mit Corona-Tests versorgen. Aber sie müssen – da der Testzugang ja über das Asylrecht läuft – schon persönlich bei uns vorbeischauen!

Hierzulande angekommen, sollen sie sich aber wie alle hier an die strengen Regeln halten, die sich unsere Regierenden ausgedacht haben zum Schutz gegen Ansteckung. Seit Sonntag dürfen wir ja nur noch maximal zu zweit draußen unterwegs sein, abgesehen von der engeren Familie und Mitbewohnern. Das scheint indes nicht zu allen, „die erst kürzlich zu uns gekommen sind", richtig durchgedrungen zu sein.

Am Hamburger Steindamm, einer Straße, die gefühlt zu 99 Prozent von den „Kürzlichen" dominiert wird, tummelten sich auch am Montag Gruppen von vier, fünf, sechs oder mehr Männern auf den Gehwegen. So nicht, meine Herren! Drei Polizeibeamte schritten energisch ein und lösten diese unerlaubten Ansammlungen auf, und die Gruppen zerstreuten sich schnell.
Wirklich? Ach was, Scherz! Die drei Uniformierten kümmerten sich um einen Autofahrer, der seinen Wagen unerlaubt auf der Fahrbahn abgestellt hatte. Die Männergruppen plauschten derweil ungestört weiter. Ob es da eine Weisung von oben in Sachen „kultursensible Anwendung der Abstandsregeln" gibt? Das wollen wir zumindest hoffen.

Apropos Uniformierte: Die scheinen gegen Corona vollkommen immun zu sein. Obschon sie, gezwungenermaßen, alltäglich in die Nähe aller möglichen Menschen kommen, sieht man Polizeibeamte überall ohne Masken und Handschuhe herumlaufen. Müsste der Staat denen nicht wenigstens ein Mindestmaß an Schutz angedeihen lassen, indem man ihnen diese Sachen zur Verfügung stellt? Offensichtlich nicht.

Das wird es gewesen sein, was die Kanzlerin in ihrer spektakulär wolkigen Rede an die Nation meinte, als sie sagte: „Ich glaube fest daran, dass wir diese Aufgabe bestehen, wenn wirklich alle Bürgerinnen und Bürger sie als IHRE Aufgabe verstehen." Auf Deutsch: „Schutz? Das ist EUER Bier."



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