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Stephen Walker: „Ins All. Die faszinierende Geschichte vom ersten Flug in den Weltraum“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2022, gebunden, 574 Seiten, 26 Euro
Stephen Walker: „Ins All. Die faszinierende Geschichte vom ersten Flug in den Weltraum“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2022, gebunden, 574 Seiten, 26 Euro

Astronomie

Wettlauf ins Weltall

Der britische Publizist Stephen Walker erzählt in einem spannenden Buch die Geschichte der sowjetischen und US-amerikanischen Raumfahrt

Dirk Klose
20.09.2022

Die Faszination der Raumfahrt ist heute verblasst. Aber vor 60 Jahren, als mit den Sowjets Jurij Gagarin und German Titow und den Amerikanern Alan Shepard und John Glenn die ersten Menschen in den Weltraum flogen, war das Gefühl allgemein, dass die Menschheit an einer neuen Schwelle ihrer Entwicklung steht.

Der britische Publizist und Dokumentarfilmer Stephen Walker hat in einem spannenden Buch die Anfänge der Raumfahrt nacherzählt und dabei den Schwerpunkt auf den ersten Flug von Gagarin gelegt. Ab 1957 begann der Wettlauf ins All zwischen der UdSSR und den USA. 1957 wurden die ersten Tiere ins All katapultiert. Ab Anfang 1961 standen ausgewählte Luftwaffenoffiziere bereit.

Walkers Buch liest sich wie ein hochspannender Thriller. Der Leser wird hineingezogen in das Geschehen auf Cape Canaveral und im kasachischen Turatam, dem heutigen „Weltraumbahnhof“ Baikonur. Er erlebt die Astronauten beziehungsweise Kosmonauten, die schier unmenschliche Härtetests bestehen mussten, und Politiker und Techniker auf beiden Seiten: in den USA Wernher von Braun, „drüben“ den vom System streng geheim gehaltenen Ingenieur Sergej Koroljow. In der Zeit des stalinschen Terrors war er Gulag-Häftling. Nur mit knapper Not überlebte er, war aber zeitlebens so gezeichnet, dass er schon 1966 an den Spätfolgen der Haft starb.

Bis zur Hälfte des Buches berichtet der Autor von den Anstrengungen beider Mächte, dann aber konzentriert er sich auf den ersten Weltraumflug eines Menschen: auf Gagarins Erdumrundung am 11. April 1961. Auch hier gelingt dem Autor eine meisterhafte Erzählung: Er schildert den warmherzigen Gagarin, seinen Ersatzmann German Titow, der im August 1961 gleich 17-Mal die Erde umrundete, charakterisiert neben dem schwermütigen Koroljow viele Ärzte, Ingenieure und Techniker. Unmittelbar vor dem Start, als Nervosität und Aufregung nicht mehr zu kontrollieren waren, wurden selbst hartgesottene Generäle weich und weinten nach geglücktem Flug wie Kinder. Küsse und Umarmungen nahmen kein Ende.

Der Leser erlebt Gagarins 106 Minuten dauernden Flug fast minutiös mit. Die Amerikaner weckte dieser Erfolg endgültig auf. Kennedy verkündigte das ehrgeizige Apollo-Programm, was acht Jahre später zu Neil Armstrongs erster Mondlandung am 21. Juli 1969 führte.

Walkers Buch zeigt, was menschlicher Wille, Leistungsvermögen und technische Meisterschaft vermögen.



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