27.02.2024

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Reichssender Königsberg

Wie der Rundfunk nach Ostpreußen kam

In den 1920er Jahren wurde die Ostmarkenrundfunk AG gegründet – Ihre große Zeit erlebte sie in den 1930ern

Wolfgang Kaufmann
22.11.2023

Am 1. September 1922 begann der Drahtlose Wirtschafts-Rundspruchdienst auf Initiative des Auswärtigen Amtes mit der Ausstrahlung erster regelmäßiger Radiosendungen für Deutschland. Anschließend ermunterten der Diplomat Ernst Ludwig Voss und der Staatssekretär für das Telegrafen-, Fernsprech- und Funkwesen im Reichspostministerium Hans Bredow private Investoren dazu, regionale Gesellschaften für den sogenannten „Unterhaltungsrundfunk“ ins Leben zu rufen. Daraus resultierte die Gründung der Ostmarken Rundfunk AG (ORAG) in Königsberg. Diese geht vor allem auf die Bemühungen des ortsansässigen Elektrohandelskaufmanns Walter Zabel zurück und erfolgte am 2. Januar 1924 in einer Baracke der Deutschen Ostmesse am ehemaligen Festungsgraben. Dabei fungierte die Reichspost als größter Aktionär.

Der reguläre Sendebetrieb startete am 14. Juni 1924. Die Ausstrahlung des Programms, das anfänglich nur aus zwei Nachrichtensendungen um 10 und 14 Uhr sowie dem Zeitzeichen und den Börsenmitteilungen bestand, erfolgte zunächst mit 0,5 Kilowatt Leistungsstärke über einen 45 Meter hohen Sendemast auf den Pregelwiesen vor dem Sackheimer Tor.

Im Mai 1925 schloss sich die ORAG mit acht weiteren regionalen Rundfunkgesellschaften in Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main, Münster, Stuttgart, München, Leipzig und Breslau zur Reichs-Rundfunk-Gesellschaft mbH (RRG) zusammen. Jede dieser Gesellschaften trat 51 Prozent ihrer Unternehmensanteile und drei Aufsichtsratsstellen an das Reichspostministerium, das Reichsinnenministerium und die dem Auswärtigen Amt nahestehende Gesellschaft für drahtlose Belehrung und Unterhaltung mbH ab. Dafür erhielten die Mitglieder der RRG 60 Prozent des Rundfunkgebührenaufkommens derjenigen Oberpostdirektionsbereiche, für die sie Programme ausstrahlten. Der monatliche Beitrag betrug damals zwei Mark pro Teilnehmer.

Um eine größere Reichweite zu erlangen, nahm die ORAG am 22. Dezember 1926 den Mittelwellensender Königsberg-Amalienau an der Alten Pillauer Landstraße mit 1,5 Kilowatt Leistung in Betrieb. Der verfügte zunächst nur über eine zweifache T-Antenne an 30 Meter hohen Holzmasten, welche im März 1927 durch eine Dreifachantenne ersetzt wurde. Diese hing an zwei 80 Meter hohen Türmen aus Fichtenholz, die 100 Meter auseinander standen.

Verkauf an die Stadt Königsberg
Weil die ORAG trotz der Ausstrahlung von bezahlter Werbung keinen Gewinn machte, verkaufte die Königsberger Messegesellschaft ihre Anteile 1929 an die Stadt. Damit avancierte die ostpreußische Provinzhauptstadt zur ersten deutschen Kommune, die am Betrieb eines Rundfunksenders beteiligt war.

Nach der Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der ORAG entstand 1932/33 am Hansaring gegenüber dem Land- und Amtsgericht das „Neue Funkhaus“ nach Plänen des bekannten Architekten Hanns Hopp. Das Gebäude hatte insgesamt sieben Senderäume und überstand die Wirren des Zweiten Weltkrieges sowie der darauffolgenden Zeit.

Von der gewachsenen Bedeutung der ORAG zeugte die Gründung eines eigenen Orchesters mit 59 Mitgliedern, das nicht zuletzt durch Werke zeitgenössischer Komponisten mit ostpreußischem Bezug wie die „Kurische Suite“ oder die „Bernsteinkantate“ auf sich aufmerksam machte.

Zum 1. Januar 1933 wurde die ORAG in eine GmbH umgewandelt und geriet kurz darauf infolge der nationalsozialistischen Machtergreifung unter die Kontrolle des Propagandaministers Joseph Goebbels. Der ernannte Eugen Hadamovsky zum „Reichssendeleiter“, welcher dann die Gleichschaltung des deutschen Rundfunks betrieb. In diesem Zusammenhang kam es auch insofern zu einer Vereinheitlichung, als die regionalen Sender künftig allesamt als „Reichssender“ firmierten, weswegen die ORAG nun den Namen „Reichssender Königsberg“ führte.

Dieser erhielt zum 15. Januar 1935
eine Halbwellen-Eindraht-Antenne, die in einem 100 Meter hohen Holzturm hing, wobei die Sendeleistung zwei Kilowatt betrug. Damit erfolgte die Ausstrahlung des Rundfunkprogramms „Königsberg II“, während das Programm „Königsberg I“ ab 1930 vom Großsender Heilsberg verbreitet wurde, dessen Sendeleistung ab 1935 bei beachtlichen
100 Kilowatt lag.

Zusätzlich zu seinem üblichen Programm produzierte der Reichssender Königsberg ab 1940 noch Inhalte für das sogenannte „Radio Königsberg“. Hierbei handelte es sich um zwanzigminütige Beiträge in schwedischer Sprache, die bei etwa einem Zehntel der Bevölkerung des Königreiches Schweden auf Interesse stießen.

Zum letzten Male war der Reichssender Königsberg am 7. April 1945 über die Antenne in Amalienau zu hören. Dann erfolgte deren Zerstörung in der Schlacht um die ostpreußische Hauptstadt. Bereits einige Wochen zuvor, am 31. Januar 1945, hatte die Wehrmacht bei ihrem Rückzug die Anlage in Heilsberg gesprengt. Zu den Mitarbeitern des Reichssenders Königsberg, welche die Flucht nach Westen antreten mussten, gehörte auch Ruth Geede, die dann später als Mitarbeiterin des „Ostpreußenblatts“ beziehungsweise der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ zur allseits geschätzten „Mutter der Ostpreußischen Familie“ avancierte.


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