22.07.2024

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Journalistinnen

Wie Frauen die Zeitungen eroberten

„FAZ“-Redakteur Rainer Hank hat den Werdegang von zwölf Kolleginnen unter die Lupe genommen

Dirk Klose
28.03.2024

Ältere Zeitungsleser werden an Rainer Hanks Buch Vergnügen haben, jüngere vielleicht staunen, welch fabelhafte Journalistinnen es in der frühen Bundesrepublik gab. Der Autor, langjähriger Wirtschaftsredakteur der „FAZ“, hat zwölf Frauen ausgesucht, die für ihn „Pionierinnen“ im Journalismus der Nachkriegszeit waren.

Nach 1945 gab es wenig Männer, was Frauen den Einstieg erleichterte. Ihre Herkunft war ganz unterschiedlich: Manche wie Helene Rahms, Margret Boveri oder Elisabeth Noelle-Neumann waren schon bei Goebbels' Prestigeblatt „Das Reich“ tätig; andere überlebten wegen ihrer jüdischen Abstammung mit knapper Not (Clara Menck) oder waren emigriert (Hilde Spiel, Inge Deutschkron). Marion Gräfin Dönhoff („sie wurde zur politisch-moralischen Instanz der Bundesrepublik“) hatte sich im fernen Ostpreußen dem Widerstand genähert und startete nach einer abenteuerlichen Flucht 1945 schon bald eine einzigartige Karriere bei der „Zeit“.

Hanks Schilderungen sind einfühlsame, nicht unkritische, aber von Sympathie getragene Portraits. Die couragierte Sybil Gräfin Schönfeldt, die buchstäblich vom Kochtopf aus große Themen zu Frauen und Familie beackerte; die handfeste Margret Boveri, die den Deutschen nach 1945 wieder den unbefangenen Blick auf die Welt öffnete und aus ihrer Skepsis gegenüber den USA nie ein Hehl gemacht hat; die ökonomisch versierten Fernsehfrauen Julia Dingwort-Nusseck (WDR) und Fides Krause-Brewer (ZDF), die unermüdlich für die Soziale Marktwirtschaft stritten; die später in den Bildungsbereich gewechselte Christa Meves, die sich mit manch kruden Thesen am Ende etwas ins Abseits manövriert hatte; die sensible Feuilletonistin Maria Frisé, die, als junge Frau aus Schlesien geflohen, später den jungen Autor bei der „FAZ“ unter ihre Fittiche genommen hatte, was in einem besonders warmherzigen Portrait deutlich wird. Zuletzt die streitbare Alice Schwarzer, in der Hank das Ende der Geschichte der Nachkriegsjournalistinnen und den Beginn eines sehr subjektiv gefärbten Journalismus sieht.

Den Frauen wurden damals meist scheinbar abseitige Themen wie Frauen, Kinder oder Mode zugewiesen. Rasch aber hatten sie deren Bedeutung erkannt und daraus große politische Themen gemacht. Die hier genannten Journalistinnen (und viele andere) waren, so Hank, „Treiberinnen des Fortschritts“. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau wurde trotz Artikel 3 Grundgesetz erst lange nach 1949 endgültig und nicht zuletzt dank ihrer unermüdlichen publizistischen Schützenhilfe erreicht. Das weiß man kaum noch, aber auch ein später Lorbeer kommt nie zu spät.

Rainer Hank: „Die Pionierinnen. Wie Journalistinnen nach 1945 unseren Blick auf die Welt veränderten“, Penguin Verlag, München 2023, gebunden, 368 Seiten, 28 Euro


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