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Polizisten in Seattle im Dezember 1918 im Einsatz gegen die Spanische Grippe
WikipediaPolizisten in Seattle im Dezember 1918 im Einsatz gegen die Spanische Grippe

Historische Epidemien

Wie man die Spanische Grippe eindämmen konnte

Erfahrungen zeigen: Wo das öffentliche Leben rechtzeitig zurückgefahren wurde, starben 50 Prozent weniger als andernorts

Peter Entinger
21.03.2020

Das Coronavirus hat die halbe Welt mittlerweile fest im Griff. Während die Wissenschaft fieberhaft nach einem Impfstoff forscht, werden Erinnerungen an die Spanische Grippe wach, die vor einem Jahrhundert Angst und Schrecken verbreitete. Dabei handelte es sich um eine Influenza-Pandemie, die zwischen 1918 und 1920 mindestens 25 Millionen Todesopfer forderte. Manche Quellen sprechen sogar von der doppelten Anzahl an Toten. 

Ein Blick in die Geschichtsbücher der USA zeigt, dass die Anzahl an Todesopfern dort um ungefähr 50 Prozent geringer war, wo das öffentliche Leben über einen Zeitraum von etwa vier Wochen konsequent zurückgefahren wurde. Die Krankheit hatte übrigens nicht, wie der Name vermuten lässt, ihren Ursprung in Spanien. Das Land verhinderte damals im Gegensatz zu den am Ersten Weltkrieg beteiligten Nationen die Berichterstattung nicht, sodass einheimische Zeitungen zuerst über die Epidemie informierten. 

Spanien war nicht Ursprungsort 

Die Spanische Grippe gilt heute in der Medizin als besonders aggressive Variante des Influenzavirus, dessen Krankheitsausbruch landläufig als „Grippe" bezeichnet wird. Das neuartige Coronavirus ähnelt diesem zwar. Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings: Während die „normale" Influenza stärker die oberen Atemwege befällt, greift Corona vor allem die Lunge in extremer Form an. „Das neue Virus ist wesentlich gefährlicher als die Grippe", erklärte der Virologe Alexander Kekulé von der Universität Halle gegenüber den „Tagesthemen", äußerte aber eine Hoffnung: „Die meisten Erkältungserreger verschwinden, sobald es wieder wärmer wird." 

So sei es möglich, „dass die Welle abschwappt, bevor sie in Deutschland richtig zuschlägt." Diese vorsichtig-optimistische Prognose erinnert an zwei Krankheitsausbrüche, die die Menschen in den vergangenen 20 Jahren beunruhigten. So ähnelt Corona dem SARS-Virus, das 2002 und 2003 eine Pandemie auslöste. Beide Infektionskrankheiten haben ihren Ursprung in China. 

Erstmals im November 2002 wurde in der chinesischen Provinz Guangdong das schwere akute Atemwegssyndrom (SARS) beobachtet. Hektisch begann die Suche nach einem Impfstoff, weil eine Ausbreitung in ganz Europa befürchtet wurde. Doch bereits im Sommer 2003 gingen die Zahlen spürbar zurück, seit Herbst 2004 ist das Virus nicht mehr diagnostiziert worden. Bis dahin hatte es rund 800 Menschenleben gefordert, die Zahl ist im Vergleich zum Corona-Virus also relativ gering. 

Vogelgrippe heute gut behandelbar 

Grundsätzlich geht man auch heute davon aus, dass beide Viren von einem Tier auf den Menschen übertragen wurden. Dies gilt auch für die Vogelgrippe (oder auch Geflügelpest), die erstmals 2005 in Europa diagnostiziert wurde und an deren Folgen weltweit bis heute etwa 450 Menschen starben. Die Krankheit gilt heute als gut behandelbar, ist allerdings nicht komplett verschwunden. In Deutschland ist bislang kein Fall belegbar. Größere Spuren hat dagegen der Erreger hinterlassen, der landläufig als Schweinegrippe bekannt wurde. Zwischen April 2009 und Mai 2010 wurden dem Robert-Koch-Institut in Deutschland rund 226 000 Fälle gemeldet, 250 Deutsche starben an der Schweinegrippe. Weltweit gab es mehr als 18 000 Todesfälle. Doch Corona scheint noch einmal eine ganz andere Dimension zu haben. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Berliner Charité, hält es für möglich, dass in Deutschland langfristig eine Viertelmillion Menschen sterben daran werden.



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