27.02.2024

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Rügen

Wiederaufbau des Putbusser Schlosses

Eine Machbarkeitsstudie zeigt realisierbare Möglichkeiten auf

Thorsten Seegert
02.12.2023

Es gibt viele geschichtsträchtige Orte in Pommern, aber nur wenige sind historisch so aufgeladen wie Putbus und sein Schlossplatz. Die Wurzeln der ersten Siedlung liegen dort vielleicht 1.000 Jahre zurück und was dort errichtet wurde, ergänzte sich, entsprach dem Zeitgeist und war vor allem auch eins: Ein bedeutender Treffpunkt. Nicht nur Architekten, Künstler, Wissenschaftler oder Verschwörer, sondern auch Minister und Könige kamen hier zusammen, um Politik zu machen. Zu den prominenten Gästen zählten beispielsweise Theodor Fontane, Fritz Reuter, Ernst Moritz Arndt, Gerhard Hauptmann, Alexander von Humboldt, Caspar David Friedrich, Karl Friedrich Schinkel oder Otto von Bismarck.

Zerstörerischer Plan
Das Herz von Putbus war dabei über Jahrhunderte das Putbusser Schloss – dieses bildete gemeinsam mit dem Park und dem Ort einen Dreiklang. Doch dieser ist seit Jahrzehnten gestört, denn als der Arbeiter- und Bauernstaat DDR das Zepter in Putbus übernahm, hatte sich die Denkmalpflege in den Kopf gesetzt, das Schloss vom Historismus zu befreien. Zu diesem Zweck riss man den mittigen Festsaal heraus. So entstanden – wie man sich noch heute in Putbus erzählt – gleich drei Schlösser: Links ein Schloss, rechts ein Schloss und in der Mitte ein „Luftschloss“. Damit hatte man jedoch auch dem Gebäude den Todesstoß versetzt und riss dieses Bauwerk von nationaler Bedeutung letztlich ab. Und da es in der DDR immer bergauf gehen musste, deklarierte man auch den Abriss noch als „Aufbauwerk“. Die offene Wunde blieb und wollte auch trotz der Erhebung von Putbus zur Stadt nicht vernarben.

Noch heute fragen Touristen: Wo geht es zum Schloss? Und so kam es, wie es kommen musste: Irgendwann begann man im Ort Schilder aufzustellen – Titel: „Die Suche nach dem verschwundenen Schloss“.

Einige der Putbusser, Rüganer und Festländer wollten es dann aber doch genauer wissen und gründeten den Förderverein „Fürstliches Schloß zu Putbus e.V.“. Seit einigen Jahren wird das Schloss nun wieder sichtbarer. Nicht nur, dass sich im Sommer die Spuren des Kellermauerwerks in der Grasnarbe des Schlossplatzes abzeichnet. 2021 kamen nun auch Wissenschaftler der Universitäten Wien und Greifswald, um unter die Grasnarbe zu schauen. Und weil die Nachfolger der Denkmalpfleger, die den Verlust des Schlosses mitzuverantworten hatten, nicht die Genehmigung gaben, die Grasnarbe zu lüften, untersuchten sie den Schlossplatz mit einem Bodenradar.

Modernste Bodenuntersuchung
Sie zogen mit einem Gerät, das wie ein Rasenmäher aussah, über den Schlossplatz, und siehe da, da war es wieder! Das Kellergeschoss des bedeutendsten Profanbaus der Insel und Vorpommerns zeichnete sich klar und deutlich auf dem Bildschirm eines Computers ab. Ein Drohnenflug über dem Schloßplatz lieferte weitere Geländehöhen. Soweit so gut, dachte sich der Verein, nun müsse man aber auch den nächsten Schritt gehen und überlegen, wie man das Schloss nicht nur unter, sondern auch über dem Schlossplatz wieder sichtbar machen könnte. Und so kam es zur Ausschreibung einer „Machbarkeitsstudie zum Wiederaufbau von Schloss Putbus“. Beauftragt wurde dazu ein Büro, welches sich mit diesen Dingen auskennt: IproConsult. Die hatten seit 70 Jahren Erfahrung im Wiederaufbau historischer Bauten in Dresden gesammelt und zeichnen für den Wiederaufbau der Frauenkirche verantwortlich.

Pläne wurden vorgestellt
Nun kam es Ende November 2023 zur Vorstellung der Studie im Theater der Stadt Putbus, dem historischen Schauspielhaus. Vor fast ausverkauftem Haus erläuterten die Dresdner, wie man das Schloss von Putbus wieder aufbauen könne und schlugen sowohl ein privatwirtschaftliche Nutzung als Kongresshotel oder eine öffentlich-rechtliche Nutzung als Verwaltungssitz vor. Kombinieren ließe sich beide Vorschläge auch mit einer musealen Nutzung, die auch eine Einbindung des noch vorhandenen Kellergeschosses vorsieht, sowie durch eine gastronomische Einrichtung. Und: Sie schlugen als ersten Schritt für eine Perspektive des Schlossplatzes ein „Zeitfenster“ vor, das durch die Freilegung des Kellergeschosses vom Nordflügel entstehen könne. Auch eine visualisierte 3D-Ansicht des Schlosses lässt sich vor Ort problemlos mittels QR-Code durch das Mobiltelefon der Besucher erzielen. Diese durch Computer erzeugte Ansicht demonstrierten die Architekten und Kunstwissenschaftler schon einmal live vor dem interessierten Publikum.

Nach dem Erhalt der kompletten Machbarkeitsstudie will der Förderverein, der sich dem Wiederaufbau von Schloss Putbus verschrieben hat, die nächsten Schritte gemeinsam mit der Stadt planen. Keine ganz einfach Sache, denn es ist das erste Bauwerk von nationaler Bedeutung, das in Pommern wieder aufgebaut werden soll.

Info www.schloss-putbus.de


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Kommentare

Daniel Morawek am 13.12.23, 03:04 Uhr

Das ist wirklich wunderbar. Es wäre eine großartige Bereicherung für die Insel und die Region.

Chris Benthe am 04.12.23, 15:00 Uhr

Das wäre ein wunderbares Projekt, siehe Frankfurter Altstadt u. ähnliche. Mit'r schwant, dass eine neue Zeit heraufzieht, wo man sich endlich auf das Althergebrachte besinnt.

Karsten Schmitt am 03.12.23, 09:24 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, man könnte von jedem Urlauber ein geringen Betrag verlangen zu aufbau des Schlosses.
Ich kann mir denken das die Urlauber das gerne unterstützen würden. Man sollte es ihnen nur richtig darlegen.

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