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Kilometerlange Lkw-Schlangen: Vor dem Grenzübergang Eydtkau-Kibarten
Foto: imago images/ITAR-TASSKilometerlange Lkw-Schlangen: Vor dem Grenzübergang Eydtkau-Kibarten

Eydtkau-Kibarten

Will Litauen Königsberg abwürgen?

Seit Wochen bilden sich kilometerlange Lkw-Staus an den Grenzen - Fahrer verärgert

Manuela Rosenthal-Kappi
11.05.2022

Der Ukrainekrieg wirkt sich auch auf die Lage im Königsberger Gebiet aus. Da die Exklave von EU-Nachbarn umschlossen liegt und sich nicht selbst versorgen kann, ist sie auf Importe und somit auf den Transit von Waren und Lebensmitteln über das Gebiet der Europäischen Union angewiesen. Politiker wie der Gouverneur Anton Alichanow versuchen, den Ernst der Lage herunterzuspielen. Teilweise gelingt auch tatsächlich der Ersatz durch einheimische Produkte – in erster Linie landwirtschaftliche –, aber das meiste muss eingeführt werden. Gerade beim Transit kommt es seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs immer wieder zu Behinderungen. Bis zu 17 Kilometer lange Staus am Grenzübergang Eydtkau-Kibarten [Tscherenyschewskoje-Kybartai] melden Augenzeugen, die unendlich scheinende Lkw-Schlangen filmen und ins Netz stellen.

Obwohl Litauen sich verpflichtet hat, die Lieferwege ins Königsberger Gebiet offenzuhalten, kommt es seit Kriegsbeginn vermehrt zu Engpässen an den Grenzübergängen. Sowohl die Ein- als auch die Ausreise in die beziehungsweise aus der Exklave erfolgt nur schleppend. Am 4. Mai standen nach russischen Angaben 500 Lastwagen auf der litauischenSeite des Übergangs und warteten auf ihre Abfertigung, um ihre Fracht ins Königsberger Gebiet zu bringen. 193 Lkw sollen demnach in die Russische Föderation gefahren sein, und in umgekehrter Richtung passierten 192 Fahrzeuge den Zollkontrollpunkt.

Wenn das Warteterminal in Kirbaten zu voll ist, werden die Fahrzeuge in einer Warteschlange vor dem provisorischen Posten im 3,5 Kilometer vor Kibarten gelegenen Wirballen abgestellt und müssen darauf warten, von einem Sicherheitsbeamten zum Warteterminal vorgelassen zu werden.

Ein Grund für die Zunahme der Staus in Eydtkau-Kibarten ist die Sperrung der Königin-Luise-Brücke in Tilsit Ende April wegen Reparaturarbeiten sowie die Tatsache, dass der neue Grenzübergang Dubki, einer der modernsten seiner Art, der eine Riesenerleichterung im Transitverkehr bringen sollte, immer noch nicht in Betrieb genommen wurde, obwohl er auf russischer Seite laut offiziellen Angaben bereits seit 2020 fertiggestellt ist. Schäden durch Hochwasser auf der litauischen Seite hatten aufwendige Reparaturarbeiten notwendig gemacht.

Für die Lkw-Fahrer bedeutet dies nicht nur einen Umweg zum stark frequentierten Grenzübergang Eydtkau-Kibarten, sondern auch eine quälende Zeit des Wartens, in der jegliche Versorgung fehlt. Aktuell beträgt die Wartezeit bis zu 60 Stunden, eine Woche zuvor waren es noch 15 Stunden gewesen. Die Fahrer klagen über fehlende Toiletten ebenso wie über die Schwierigkeit, sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Bankkarten der Russen funktionieren in Litauen wegen der verschärften Sanktionen nicht mehr, und die meisten von ihnen verfügen nicht über genügend Euro.

In Eydtkau seien nur sechs Schalter an der Grenze geöffnet, obwohl doch durch die Grenzschließung in Tilsit genügend Personal vorhanden sein müsste, das einspringen könnte, um die Autos schneller abzufertigen, klagt ein Lkw-Fahrer. Außerdem könnte man dann die Pkw-Spuren für Lastwagen öffnen, da diese fast immer frei seien.

Zu Stockungen kommt es auch beim Fernverkehr an der weißrussisch-litauischen Grenze. Das weißrussische Grenzkomitee kritisiert, dass die litauische Seite die Vereinbarung nur zu einem Viertel bis zur Hälfte einhalte und die Abfertigung verzögere. Zudem arbeite der litauische Zoll am Wochenende nicht, was zu langen Warteschlangen führe.



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Kommentare

Jan Kerzel am 12.05.22, 17:00 Uhr

Der Oblast Kaliningrad ist mit Sicherheit kein Königsberger Gebiet. Königsberg wurde substantiell weitgehend zerstört, von Deutschen auf alle erdenklichen Arten gesäubert und an dieser Stelle wurde von und in der UDSSR 1946 Kaliningrad gegründet. Für sprachlich nostalgische Verrenkungen besteht wahrlich kein Grund. Heute gehört Kaliningrad zur Russischen Föderation und ist erster Linie eine militärische Festung und vorgeschobener westlicher russischer Stützpunkt mit erheblichen Bedrohungspotential. Hier bleibt wenig Raum für Fantasien und Illusionen.

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