08.07.2020

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Zentralbank der Russischen Föderation: die „Bank Rossii“
Foto: Nikolaij MaksimowitschZentralbank der Russischen Föderation: die „Bank Rossii“

Russlands Reserven

„Wir stoßen den Dollar nicht ab, der Dollar stößt uns ab“

Statt auf die US-amerikanische Währung setzen Wladimir Putin und seine Zentralbank lieber auf Euro, Yuan und Yen sowie vor allem auf Gold

Wolfgang Kaufmann
08.06.2020

In einem Interview mit der Tageszeitung „Times of India" sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow Mitte Januar, sein Land halte „es für eine objektive Reaktion auf die Unvorhersehbarkeit der US-Wirtschaftspolitik ..., sich nicht an den Dollar zu binden." Diesen Kurs der Entdollarisierung steuert Moskau bereits seit 2017 als Reaktion auf die Sanktionen Washingtons gegen die Russische Föderation. Präsident Wladimir Putin brachte das im November 2018 auf die griffige Formel: „Wir stoßen den Dollar nicht ab, der Dollar stößt uns ab." In den zurückliegenden drei Jahren veräußerte die russische Zentralbank fast all ihre Reserven in US-Dollar. Während diese anfangs noch bei 105 Milliarden lagen, was Russland zu einem Hauptinhaber von US-Schuldverschreibungen machte, sank der Wert bis Ende März 2020 auf magere 3,8 Milliarden. Das sind gerade noch vier Prozent des Ausgangswertes.

Nur noch 3,8 Milliarden US-Dollar

Parallel zur systematischen Liquidierung ihrer Dollar-Anlagen legte sich die Russische Föderation ein Finanzpolster in anderen Währungen zu. So kaufte sie beispielsweise Euro-Anleihen und chinesische Yuan-Schuldverschreibungen im Gegenwert von insgesamt 88 Milliarden US-Dollar sowie auch japanische Staatspapiere in Yen für etwa 21 Milliarden. Infolgedessen besitzt Moskau nun bereits ein Viertel der weltweit kursierenden Schuldtitel, die auf Yuan lauten. Insgesamt haben die Devisenreserven des Öl- und Gasexporteurs Russland jetzt eine Höhe von 440 Milliarden US-Dollar erreicht, wobei der Löwenanteil inzwischen aber eben in alternativen Währungen angelegt ist.

Doch damit nicht genug der Kampfansage an das US-Geld. Neben der Umschichtung seiner Anlagen zulasten des Dollars schloss Russland im Juni und Oktober 2019 bilaterale Abkommen mit China und der Türkei, die vorsehen, dass der Zahlungsverkehr zwischen den drei Ländern künftig verstärkt in deren jeweiligen Währungen statt in US-Dollar abgewickelt wird.

2299 Tonnen reales Gold

Und dann sind da noch die Goldkäufe der Bank Rossii, also der Zentralbank der Russischen Föderation, die zur Bildung beachtlicher Bestände des Edelmetalls führten. Der Erwerb ruht zwar seit April, doch haben die Bestände mittlerweile Rekordniveau. Derzeit lagern in den russischen Tresoren über 74 Millionen Feinunzen beziehungsweise 2299 Tonnen reales Gold. Das ist das Vierfache der Menge von 2010. Hierdurch steht Russland nun an fünfter Stelle der Gold besitzenden Staaten der Welt nach den USA, Deutschland, Italien und Frankreich. 2015 erwarb das Land 208 Tonnen Gold, 2016 rund 201 Tonnen, 2017 223 Tonnen, 2018 sogar 274 Tonnen und 2019 nochmals 158 Tonnen. Dazu kamen weitere 25 Tonnen zwischen Anfang Januar und Ende März 2020. Zu dieser Strategie titelte das „Handelsblatt" vor einiger Zeit: „Die Welt druckt Geld, Putin kauft Gold."

Das rare Edelmetall stammt vorwiegend aus russischen Bergwerksbetrieben, die allein 2019 um die 311 Tonnen produziert haben, wie der United States Geological Survey (USGS), eine wissenschaftliche Behörde im Geschäftsbereich des US-Innenministeriums, schätzte. Damit steht die Russische Föderation faktisch an dritter Stelle der Gold fördernden Länder auf der Welt nach China mit 420 Tonnen und Australien mit 330 Tonnen), noch vor den USA, die mit 200 Tonnen Platz 4 belegen. Der Einkauf im eigenen Land bringt den Vorteil mit sich, dass die Barren nicht gegen Zahlungen in Devisen erworben werden müssen. In den letzten fünf Jahren wurde hierfür eine Rubel-Summe aufgewendet, die 40 Milliarden US-Dollar entsprach.

Platz 3 bei der Förderung von Gold

Der Wert der russischen Goldreserven beträgt aktuell umgerechnet 126 Milliarden US-Dollar und liegt damit so hoch wie nie zuvor, was neben der Ankaufspolitik der Bank Rossii auch auf den Goldpreis-Anstieg der letzten Monate zurückzuführen ist. Gold macht somit nun bereits 22 Prozent der gesamten Rücklagen Russlands in Edelmetallen und Devisen aus – ein ungewöhnlich hoher Anteil.

Und es steht zu erwarten, dass der Kreml weiter in der Rolle des hochengagierten Käufers von physisch vorhandenem Gold verharrt, wenn die Produktion nach den pandemiebedingten Einschränkungen wieder in üblicher Weise verlaufen kann. Denn noch ist die Verwundbarkeit Russlands durch die US-amerikanische Strategie, den US-Dollar gezielt als Waffe gegen politische und wirtschaftliche Kontrahenten einzusetzen, nicht völlig gebannt. Deshalb besteht auch keine Gefahr, dass Moskau seine Goldreserven kurz- oder mittelfristig veräußert, wodurch der Goldpreis steil abstürzen würde.



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Kommentare

H. Schinkel am 13.06.20, 13:32 Uhr

Tja, ist das nicht eine seltsame Parallele der Geschichte? Auch ein Adolf Hitler wollte aus dem vorherrschenden Geldsystem aussteigen. Was passiert ist wissen wir alle.

Siegfried Hermann am 07.06.20, 22:48 Uhr

Die Russen schichten gerade in Gold schon wesentlich länger um. Nur ist das "vorher" nicht so aufgefallen.... in den Propaganda-Mainstream. Die Chinesen behalten praktisch die gesamte Goldproduktion im Land.
Und wir doofen Deutschen "vertrauen" das hart erarbeite Gold unserer Eltern und "Nazi-Omas" US-Bankstern an.
Von den 3500 (!!) Tonnen werden wir auch nicht mal ein Gramm wiedersehen. Soweit zur Folklore, Deutschland hätte "viel Gold"...
Die Russen werden einen Teufel tun, in mühevoller "Kleinarbeit" Gold gegen bunte wertlose Schnipsel einzutauschen. Euro gegen Wetswaren Ja!
Die jetzigen Reserven dienen nur dazu den Außenhandel mit dem Westen abzuwickeln.
Putin hat im Gegensatz zu Kohl/Schröder/Merkel alles zum Wohle seines Volkes alle richtig gemacht.

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