19.09.2020

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden

Vogelschutzinsel im Stettiner Haff – 186 Vogelarten nachgewiesen

Zitronenstelze auf dem Riether Werder

Brigitte Stramm
01.08.2020

Der Riether Werder ist eine Insel im Neuwarper See, einer Bucht des Stettiner Haffs. Sie ist die einzige Haffinsel auf deutschem Gebiet.

Die erste urkundliche Nennung der Insel stammt aus dem Jahre 1252, als Herzog Barnim I. von Pommern dem Kloster Eldena neben anderem Besitz auch diese Insel schenkte, für die der slawische Name Wozstro angegeben ist. Der heutige Name der Insel ist von dem am Südufer des Sees gelegenen Dorf Rieth abgeleitet.

Die Insel gehört zur Gemeinde Luckow in Mecklenburg-Vorpommern im äußersten Nordosten Deutschlands. Sie hat als Vogelinsel überregionale Bedeutung. Sie ist 0,79 km² groß und liegt etwa 1 km vom Süd- und Westufer des Neuwarper Sees entfernt. Unmittelbar an der Ostspitze der Insel verläuft die Seegrenze zur Republik Polen. Bis 1945 befand sich die Insel im Privatbesitz. Dann erfolgte die Enteignung und Verteilung des Geländes an drei Neubauern. Es wurde Ackerbau betrieben, aber auch das Rindvieh verbrachte hier die Sommer.

Schon immer galt ein Teil der Insel als Vogelschutzinsel, so gab es in den 1960-ern eine Lachmöwenkolonie mit ca. 1000 Nestern. Im September 1990 wurde das Eiland unter Schutz gestellt und wird von dem Förderverein Naturschutzarbeit Uecker-Randow-Region seit 1995 betreut. Betreten darf man das Riether Werder nur mit Genehmigung.

Seltene Vogelarten, wie beispielsweise die Fluss-Seeschwalbe oder die Bekassine sind hier anzutreffen. Seeadler, Wiesenweihen, Rohrweihen, Rotmilane, Schwarzmilane, Turmfalken, Baumfalken, Wespenbussarde und Mäusebussarde sind hier ebenfalls heimisch.

In diesem Jahr gibt es eine kleine Sensation zu vermelden, es brütet dort eine Zitronenstelze, die hier eigentlich gar nicht vorkommt, sie hatte den Weg auf das kleine Eiland in Vorpommern gefunden! In Deutschland gelang bisher lediglich ein Brutnachweis im Jahr 2013.

Vogelwart Frank Joisten hat das Vögelchen entdeckt und konnte auch Fotos machen. Die Umgebung die das Vogelpärchen immer wieder anflog wurde abgesichert, damit nicht Kühe alles zertreten. Man hat absichtlich das Nest noch nicht gesucht, um nicht die Aufmerksamkeit von Krähen zu erregen. Der Traum der Mitglieder des Fördervereins ist ein Foto von den in Vorpommern flügge gewordenen Zitronenstelzen, dafür stehen die Chancen ziemlich gut.

Das Verbreitungsgebiet der Zitronenstelzen reicht von Osteuropa, Nordwest- und Mittelsibirien südwärts durch Zentralasien bis zum Himalaya. Beobachtungen und einzelne Brutversuche lassen vermuten, dass die Zitronenstelze, die ihren Namen ihrem zitronengelben Kopf zu verdanken hat, sich in den nächsten Jahren aus Sibirien vielleicht Richtung Westen ausbreiten könnte. Kaum zu glauben, es wäre eine Sensation!



Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!