19.02.2026

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Branche ist begeistert: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer will auch der Filmstadt Babelsberg auf die Beine helfen
Bilder: picture-alliance/ ZB | Nestor Bachmann; picture alliance/dpa | Carsten KoallBranche ist begeistert: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer will auch der Filmstadt Babelsberg auf die Beine helfen

Weimers „Booster“

Zurück an die Spitze Europas

Bundesregierung verdoppelt die Filmförderung – Für Babelsberg brechen goldene Zeiten an

Hermann Müller
19.02.2026

Wenn es um große Filmproduktionen geht, sind die Studios in Babelsberg oder der Münchner Bavaria in den vergangenen Jahren immer öfter leer ausgegangen: Der Agententhriller „Atomic Blonde“, der im Berlin des Jahres 1989 spielt, wurde nicht etwa an Originalschauplätzen in der deutschen Hauptstadt gedreht, sondern in Budapest. Die Neuverfilmung des Remarque-Klassikers „Im Westen nichts Neues“ haben die Macher in Tschechien produziert. Zur Begründung geben Filmproduzenten regelmäßig an, sie hätten aus Kostengründen „oft keine andere Wahl“, als dorthin zu gehen, wo es deutlich billiger sei als in Deutschland. Ungarn bietet für Filmproduktionen eine indirekte Steuererstattung von rund 30 Prozent der Produktionsausgaben. In Tschechien erstattet ein Staatsfonds für Kinematografie bis zu einem Fünftel der Kosten.

Kurz vor dem Start des diesjährigen Filmfestivals Berlinale hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nun für den Standort Deutschland ein neues Filmförderungskonzept präsentiert. Kern des „Filmboosters“ ist eine Verdoppelung des Bundesförderbudgets auf rund 250 Millionen Euro jährlich sowie eine dauerhaft erhöhte Förderquote von 30 Prozent für Kino- und Serienproduktionen. Zusammen mit weiteren Mitteln wird der Bund damit insgesamt rund 310 Millionen Euro für die Filmförderung bereitstellen.

Ampel hatte Reform versäumt
Zusätzlich sieht das Konzept des Kulturstaatsministers eine Investitionsverpflichtung für Streamingdienste und große Sender vor. Diese sollen künftig einen festen Prozentsatz ihres in Deutschland erzielten Umsatzes – rund acht Prozent – wieder in europäische, vor allem deutschsprachige Produktionen und Studios investieren. Ziel der Bundesregierung ist es dabei, dass wieder mehr große internationale Filmproduktionen und Serien in Deutschland gedreht werden und der Filmstandort Deutschland – auch ohne ein separates Steueranreizmodell – gegenüber Ungarn oder Tschechien wieder konkurrenzfähig wird.

Pläne für ein neues Filmförderkonzept hatte es schon in der Ampel-Koalition unter Weimers Vorgängerin, der Grünen-Politikerin Claudia Roth, gegeben. Am Ende blieb das Vorhaben aber unvollendet.

Der CDU-Wirtschaftsrat hatte der Ampel-Regierung daraufhin vorgeworfen, es in drei Jahren nicht geschafft zu haben, „ein belastbares Umsetzungs- und Finanzierungskonzept vorzulegen“ und die Existenz der deutschen Filmbranche aufs Spiel gesetzt zu haben. „Die Versprechen der Ampel-Regierung konnten nicht umgesetzt werden, und die Leidtragenden sind wieder einmal die Unternehmen“, so der CDU-Wirtschaftsrat im Herbst 2024 nach dem Scheitern von Rot-Grün-Gelb.

Nach den Rückgängen durch die Corona-Pandemie hatte auch noch ein monatelanger Streik von Drehbuchautoren und Schauspielern in den USA im Jahr 2023 Rückwirkungen auf das legendäre Filmstudio im Potsdamer Stadtteil Babelsberg. Fast die Hälfte der Mitarbeiter musste in Kurzarbeit gehen, weil Produktionen verschoben wurden und Aufträge wegbrachen. Erst 2024 konnte das Studio wieder eine bessere Auslastung melden. Laut Berichten aus dem Umfeld der Berlinale 2026 ist die Auftragslage inzwischen wieder gut und die Studios weitgehend ausgelastet. Insgesamt haben Produktionsfirmen im vergangenen Jahr 90 Filme im Land Brandenburg gedreht. Für eine Neuverfilmung des Internatsdramas „Mädchen in Uniform“ diente unter anderem das Kloster Chorin in Brandenburg als Drehort.

„Hängepartie“ ist vorbei
Trotz der jüngsten Besserung der Lage reagiert die Branche erleichtert, dass Kulturstaatsminister Weimer nun ein neues Förderkonzept vorgelegt hat. Christoph Schmitz-Dethlefsen, im Vorstand der Gewerkschaft Verdi für Medien zuständig, sagte: „Die Hängepartie seit der von der Ampel angekündigten Reform der Filmförderung hat der Filmbranche stark zugesetzt. Die Filmproduktion in Deutschland stagniert bereits. Dass insbesondere Streamingdienste wie Netflix, Amazon und Co. nun gesetzlich verpflichtet werden sollen, in deutsche Filme und Serien zu investieren, ist eine gute Nachricht.“

Jörg Bachmaier, Vorstandschef des Filmstudios Babelsberg, bezeichnete die Einigung von Regierung und Koalition sogar als „Booster“, der Deutschland wieder zu einem führenden Produktionsstandort Europas machen soll. Laut dem Studiochef gewinnt Babelsberg Planungssicherheit und kann gegen die Konkurrenz aus Ungarn oder Tschechien punkten, wo die Anreize günstiger sind.

Bachmaier erwartet eine „nachhaltige Belebung der Produktionsaktivitäten“ und eine langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen und Infrastruktur wie der „Virtual-Production-Stage“. Dabei handelt es sich um ein hochmodernes Filmstudio, in dem durch große LED-Wände eine digitale Umgebung, etwa eine ganze Landschaft, in Echtzeit direkt während der Dreharbeiten erzeugt und mit realen Schauspielern kombiniert wird.


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