25.01.2026

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Bleibt für viele Fachkräfte geschlossen: Die deutsche Botschaft in Teheran erteilt nur widerwillig Visa für Iraner
Bild: IMAGO/Anadolu AgencyBleibt für viele Fachkräfte geschlossen: Die deutsche Botschaft in Teheran erteilt nur widerwillig Visa für Iraner

Zwischenruf

Zweifelhafte Visa-Politik

Dr. Dr. Stefan Piasecki
25.01.2026

Deutschland klagt über Fachkräftemangel – und blockiert zugleich genau jene Menschen, die ihn lindern könnten. Im vergangenen Jahr erteilte die deutsche Botschaft in Teheran monatelang keine Visa mehr. Dann wurde quasi tröpfchenweise wieder damit begonnen, wie im September 2025 auch der scheidende deutsche Botschafter Markus Potzel in seiner auf Persisch verbreiteten Grußbotschaft in den sozialen Medien ankündigte: Man werde zukünftig keine großen Zahlen von Visa mehr vergeben.

Betroffen sind Krankenschwestern mit festen Arbeitsverträgen, Nachwuchswissenschaftlerinnen mit Einladungsschreiben zu internationalen Konferenzen, Ingenieure und IT-ler mit anerkannten Abschlüssen. Hochqualifizierte, motivierte Frauen und Männer aus dem Iran, die bereit sind, in Deutschland zu arbeiten, Steuern zu zahlen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen – und die an der Untätigkeit deutscher Behörden scheiterten. Jene, die zuvor teils jahrelang auf hohem Niveau Deutsch gelernt und sich auf die berufliche Zukunft vorbereitet hatten, stehen in der gegenwärtigen Situation bürgerkriegsähnlicher Unruhen vor dem Nichts.

Diese Untätigkeit ist kein Verwaltungsdetail, sondern ein politisches Signal. Seit dem militärischen Schlagabtausch zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025 blieb die deutsche Botschaft faktisch geschlossen. Anträge wurden nicht bearbeitet, Anfragen mit geradezu frech zu nennenden Textbausteinen abgewehrt, Alternativen nicht aufgezeigt. Diplomaten sprachen intern von absichtlicher „provokativer Untätigkeit“. Provokativ – aber gegenüber wem?

Die doppelte Sprache der Politik
Offiziell wirbt Deutschland weltweit um Fachkräfte. In Sonntagsreden heißt es, man brauche Pflegepersonal, Wissenschaftlerinnen, Ingenieure. In der Praxis jedoch werden ausgerechnet jene ausgebremst, die bereits Arbeitszusagen haben, teils Wohnungen angemietet und ihre sicheren Jobs im Iran gekündigt hatten.

Die Folgen sind absehbar. Dem deutschen Arbeitsmarkt entgehen dringend benötigte Arbeitskräfte. Krankenhäuser bleiben unterbesetzt, Forschungsprojekte verlieren Talente, Betriebe warten vergeblich. Gleichzeitig profitiert selbstverständlich der iranische Staat. Jede verhinderte Ausreise hält qualifizierte Menschen im Land – in einer Phase massiver Wirtschaftskrise, hoher Inflation und wachsender politischer Unsicherheit. Wenn das Absicht ist, dann betreibt Deutschland eine stille Stützung einer Regierung, die es offiziell kritisiert.

Ein fragwürdiges Ziel
Was ist also das Ziel dieser Außenpolitik? Will Deutschland verhindern, dass Fachkräfte den Iran verlassen? Dann wäre Ehrlichkeit geboten – und eine Strategie, die auf Dialog und Einflussnahme setzt, statt auf Blockade. Die Außenpolitik unter
Baerbock war nicht dialogorientiert. Die Schließung dreier iranischer Konsulate sollte vermutlich die Regierung in Teheran ärgern – tatsächlich erhöhte sie den Aufwand für etwa 400.000 Iraner in Deutschland deutlich, ihre Angelegenheiten nun zentral in Berlin zu regeln. Und zu diesem Zweck lange Wartezeiten oder Anreisen in Kauf zu nehmen. Wer Reformen will, muss Beziehungen gestalten. Wer qualifizierte Zuwanderung möchte, muss Perspektiven schaffen, nicht Türen schließen. Die derzeitige Praxis tut weder das eine noch das andere.

Besonders widersprüchlich ist dies vor dem Hintergrund, dass andere Migrantengruppen – oft ohne Ausbildung oder belastbare Identitäten – Zugang zu Deutschland finden, während hochqualifizierte Iranerinnen trotz vollständiger Unterlagen abgewiesen oder vertröstet werden. Diese Ungleichbehandlung wird vor Ort in einem Land und einer Gesellschaft wahrgenommen, die deutschfreundlich und interessiert ist wie kaum eine andere. Sie beschädigt das Ansehen Deutschlands, nicht nur im Iran, sondern in der gesamten islamischen Welt.

Dabei mangelt es nicht an Möglichkeiten. Selbst bei einer geschlossenen oder vermindert aktiven Botschaft könnten Visa über andere Auslandsvertretungen bearbeitet werden – etwa in Ländern, in die Iraner visafrei reisen dürfen. Viele Betroffene wären bereit, die zusätzlichen Kosten zu tragen, um ihren Antrag in Istanbul oder Tiflis zu stellen. Die Botschaft in Teheran müsste dies im Einzelfall per E-Mail genehmigen.

Doch selbst diese pragmatischen Lösungen werden nicht zugelassen. Das legt einen unbequemen Schluss nahe: Es fehlt nicht an Fähigkeit, sondern am Willen. Ein Wille, der nicht einer Regierung gegenüber spürbar wird, die man angeblich treffen will, sondern Menschen, die sich von und in Deutschland Besseres erhofft hatten.

Eine politische Hiobsbotschaft
Ob Unvermögen oder Unwillen – beides ist fatal. Ökonomisch, weil Deutschland sich selbst schadet. Ethisch, weil Menschen trotz erheblicher individueller Vorleistungen in existenzieller Unsicherheit zurückgelassen werden. Geopolitisch, weil eine inkonsistente und desinteressierte Außenpolitik weder Druck ausübt noch Vertrauen schafft. Wer Fachkräftemangel beklagt und zugleich qualifizierte Menschen ausbremst, entlarvt die eigene Rhetorik. Wer sie darüber hinaus in Umständen auszuharren zwingt, die man offiziell ablehnt, muss sich außenpolitisch hinterfragen lassen.

Bundesaußenminister Johann Wadephul konstatiert, dass die iranische Regierung keine Legitimität im Volk habe und fordert neue Sanktionen. Wen werden die treffen? Die Elite in den Luxuswohnungen im Norden Teherans, die ihr Geld längst in der Schweiz sammelt und ihre Kinder in den USA oder Großbritannien oder Deutschland zur Uni schickt? Nein, Sanktionen treffen die Mittelschicht und vernichten die Armen. Das ist Außenpolitik ohne Kenntnis und Interesse, ohne Dynamik und Kreativität.

Deutschland muss sich entscheiden: Will es ein offenes, glaubwürdiges Einwanderungsland für Fachkräfte sein und demokratische Zustände glaubwürdig anmahnen und unterstützen – oder eine Macht, die mit stiller Untätigkeit Politik betreibt, qualifizierte Einwanderung verhindert und Demokratisierung hintertreibt? Im Moment ist die Antwort schmerzhaft klar.


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