03.12.2021

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Gesellschaftliches Auslaufmodell? Die klassische Familie mit leiblichen Eltern und eigenen Kindern
Foto: ShutterstockGesellschaftliches Auslaufmodell? Die klassische Familie mit leiblichen Eltern und eigenen Kindern

Abschied von der bürgerlichen Familie

Noch ist unklar, welche gesellschaftspolitischen Akzente die künftige Ampel-Koalition setzen wird. Jedoch sind sich sozial-demokratische, grüne und liberale Politiker einig darin, dass die klassische Vater-Mutter-Kind-Familie nicht mehr zeitgemäß ist

Birgit Kelle
07.11.2021

Das familienpolitische Programm der wahrscheinlichen Ampel-Regierung steht schon vor den Koalitionsgesprächen fest: Die bürgerliche Familienpolitik hat ausgedient. Längst fokussiert sich Familienpolitik auf die Interessen der bunten Ränder neuer identitärer und sexueller Lebensformen und vermeintlichen Opfergruppen, auch wenn rhetorisch gerne weiterhin die gesellschaftliche „Mitte“ beschworen wird. Die Mehrheit des kulturellen und statistischen Normalfalls aus Vater-Mutter-Kind ist jedoch aus dem Blickfeld geraten.

Kurz vor der Sommerpause 2021 und im anrollenden Bundestagswahlkampf genehmigte sich die letzte Große Koalition unter Federführung der SPD, jedoch unter breitwilligem Abnicken der CDU, noch eine neue „Bundesstiftung Gleichstellung“, die mit Millionenetats die Geschlechterpolitik der Regierung definieren und sogar den Gleichstellungsbericht erstellen soll. Und besser als mit der gerade erst verkündeten Besetzungsliste für die bislang vakanten beiden Posten der, Zitat: „Direktor*innen“, hätte man nicht zusammenfassen können, was uns unter den Bedingungen einer wahrscheinlichen Ampel-Koalition als Gesellschaft in den kommenden Jahren an Frauen- und Familienpolitik erwarten wird. Denn die Führung wurde gerade mit Lisi Maier und Dr. Arn Sauer symbolhaft zum einen an den institutionalisierten Quoten-Feminismus und zum anderen an einen Transaktivisten der ersten Stunde vergeben.

Zweifelhafte „Experten“

Maier, die mit „Elisabeth“ auch durchaus einen ernstzunehmenden Vornamen besitzt, kommt als Parteimitglied auf dem Ticket der SPD und war seit 2016 als stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrats aktiv, dem Sammelbecken steuerfinanzierter Gender-Mainstreaming-Damen. Arn Sauer wiederum ist Gründungmitglied des Bundesverbandes Trans* e.V. man rühmt ihn in der Szene als Referenten im Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsbereich, als Gender-Trainer und Engagierten bei TransInterQueer e.V. in Berlin.

Mit der gesamten Stiftung, die nichts anderes tun soll, als Kernaufgaben eines bereits aufgeblasenen Familienministeriums zu erledigen, hat man also einem inoffiziellen Expertentum durch einschlägige Lobbygruppen den Weg bereitet. Und die arbeiten jetzt ohne parlamentarische Kontrolle, aber mit sicheren Etats. Eine vorparlamentarische Gender-APO ist damit auf Jahre durchfinanziert, den Zugang zu dem Geldsegen regelt derzeit die SPD. Mit Arn Sauer haben auch die Grünen einen ehemaligen Stipendiaten ihrer Heinrich-Böll-Stiftung installiert.

Sollte immer noch jemand glauben, Gleichstellungspolitik der Zukunft habe irgendetwas mit der statistischen Normalfrau und ihrer durchschnittlichen Familie mit 1,4 Kindern zu tun, der möge seine Hoffnungen gleich begraben. Denn es sind nicht nur diese beispielhaft herausgegriffenen Personalien, die dagegen sprechen, sondern eine Entwicklung, die sich seit Jahren anbahnt. Vorangetrieben von Linken und Grünen, und konsequent und naiv ignoriert von CDU und CSU.

Ignoranz der bürgerlichen Parteien

„Das Familienministerium ist nicht wichtig.“ Der Satz war unfreiwillig die vielleicht kürzeste, aber wohl ehrlichste Begründung, warum die CDU ihren Status einer Volkspartei wahrscheinlich für immer verspielt hat. Sie hat ihn selbst fahrlässig verschenkt, indem sie ihren gesellschaftspolitischen Gestaltungsanspruch ohne Not aufgab. Der Satz fiel im Sommer vor der Bundestagswahl 2017 als Antwort eines Präsidiumsmitgliedes der CDU auf meine Frage, ob die Partei sich das Ressort Familie wieder zurückholen werde. Meine Frage nach einem Alleinstellungsmerkmal der CDU-Familienpolitik wurde nach sehr langem Nachdenken mit dem Satz: „Wir sind als einzige gegen die Homoehe“ beantwortet. Unabhängig davon, ob man das ernsthaft als familienpolitisches Konzept betrachten will, ist auch das zwischenzeitlich von der Geschichte überholt. Das Familienministerium war nicht wichtig, die harten Ressorts Innen, Finanzen, Wirtschaft relevant, der Rest Verhandlungs- und Abfallmasse für den kleineren Koalitionspartner.

Nicht nur der Altkanzler Gerhard Schröder, dem man bis an sein Lebensende das Bonmot vom Ressort „Frau und Gedöns“ feministisch nachtragen wird, unterschätzte in gewaltiger Fehleinschätzung die Gestaltungsmacht dieses Ministeriums. Die SPD-Frauen waren da viel klüger und bauten das Ressort vor allem mit dem Programm „Demokratie leben!“ zu einem finanziellen Umschlagplatz für unzählige vorparlamentarische Gruppen und Institutionen aus, die seither den „Kampf gegen Rechts“ strategisch geschickt mit dem Kampf für Genderpolitik inhaltlich verbunden haben. Die massiv von diesem Ministerium subventionierte Amadeu Antonio Stiftung mit ihrer „Fachstelle Gender, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“ zeigt dies exemplarisch.

Die politische Dekonstruktion der Familie ist längst in vollem Gange und hat einen langen Vorlauf. Nicht mehr durch Abstammung, sondern durch zivilrechtliche Verträge soll sich Familie in Zukunft definieren. Mehrere Parteien und Akteure treiben dies abseits der Tagesberichterstattung seit vielen Jahren mit Beharrlichkeit sowohl im Bundestag als auch im vorparlamentarischen Raum und nicht zuletzt durch gezielte Musterklagen vor Gericht unter den unterschiedlichsten Labeln voran.

Bereits 2015 ließ der damalige Justizminister Heiko Maas eine „Arbeitsgruppe Abstammungsrecht“ einsetzen. Ihr 130-Seiten-Abschlussbericht aus dem Jahr 2017 verwarf damals gar den Begriff der biologischen Abstammung als „missverständlich“ und empfahl stattdessen die „rechtliche Eltern-Kind-Zuordnung“ als Ersatzbegriff für natürliche Elternschaft. Man kann das mit Fug und Recht als Paradigmenwechsel der Menschheitsgeschichte bezeichnen, wenn Elternschaft fortan im Regelfall nicht mehr durch biologische Fakten, sondern durch wieder lösbare Verträge determiniert sein soll. Seither beziehen sich zahlreiche politische Akteure auf die Ergebnisse dieser demokratisch unautorisierten „Expertenempfehlungen“ für ein neues Abstammungsgesetz.

Familie für alle

Die im Anschluss an 2017 entwickelten Gesetzesinitiativen von Linken, Grünen, SPD und FDP lesen sich wie ein Entwurzelungs-Programm kommender Generationen: Mit-Mutterschaft für zwei Frauen ohne Nennung des Vaters, Vier-Elternschaft (wie es die FDP gerne hätte), Adoptionsrecht für Homosexuelle, Legalisierung von Eizellspende, Embryonenspende und zum Einstieg der vorerst „nicht-kommerziellen“ Leihmutterschaft, krankenkassenfinanzierte assistierte Samenspende für alleinstehende Frauen, neue selbstdefinierte Geschlechtseinträge von „non-binär“ bis „divers“ für Geburtsurkunden und Reisepässe, Kinderrechte in die Verfassung, Geschlechterwechsel ab 14 auch ohne Einverständnis der Eltern und nicht zuletzt als wesentlicher Baustein der Ersatz des aktuellen Transsexuellen-Gesetzes durch ein neues „Selbstbestimmungsgesetz“, bei dem ohne Arzt und Therapeut sich jeder selbst sein Geschlecht auf dem Standesamt „definiert“. Damit würde sich die Politik final von biologischen Faktoren zur Bestimmung von Geschlecht und Elternschaft verabschieden.

Maas argumentierte damals, man müsse das Gesetz „den gesellschaftlichen Realitäten anpassen“. Schon damals war zweifelhaft, ob die neuen Normen wirklich eine Anpassung, oder nicht eher eine Schaffung neuer Realität bedeuten. Der Satz von Maas wiederholt sich nun gerade wörtlich im Sondierungspapier als Begründung für eine Anpassung für „das Familienrecht, das Abstammungsrecht und das Transsexuellengesetz“. Aber auch für die Neuregelungen bei der Reproduktionsmedizin, die Einführung „neuer Verantwortungsgemeinschaften“ und einen undefinierten neuen „Pakt für Zusammenleben“, den man ermöglichen wolle. Von Familie spricht das Papier nahezu nichts, dafür von einem „Neustart der Familienförderung“ und auffällig davon, Kinder „elternunabhängig“ nicht nur mit Kinderrechten im Grundgesetz, sondern auch mit einer finanziellen Kindergrundversorgung, einem Wahlrecht ab 16, Ganztagsbetreuung von Kita bis Schule und elternunabhängigem BAföG („Lebenschancen-BAföG“) zu versorgen. Keine Frage, man hat sie abseits der Erziehungsberechtigten als Wählergruppe neu im Visier. Braucht es im „Vater Staat“ überhaupt noch biologische Eltern?

Abseits parlamentarischer Mehrheiten agieren zudem inzwischen Non-Profit-Organisationen wie etwa die „Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. (GGF)“ offen als Brandbeschleuniger einer neuen Strategie einschlägiger LGBTIQ-Gruppen: klagen statt wählen. Wozu über Jahre Mehrheiten in Parlamenten suchen, wenn eine einzige Entscheidung vor dem Bundesverfassungsgericht ein ganzes Land kippen kann? Das hat ja bereits mit der Homoehe und dem Geschlechtseintrag „divers“ mustergültig und gut vorbereitet funktioniert. Man klagt sich entsprechend mit Dutzenden an konstruierten Musterfällen durch die Instanzen und sucht dafür offensiv nach Klienten. Parteien wie etwa die Grünen flankieren die Fälle mit passenden Gesetzesinitiativen.

Regenbogen statt Schwarz-Rot-Gold

Im Themenblock Familie und Geschlechterpolitik stehen ausformulierte Gesetzesvorhaben in der Pipeline, es gibt hier allenfalls Nuancen in den Unterschieden bei Grünen, Linken, SPD und FDP. Im Sondierungspapier sagt man zusätzlich der wie auch immer definierten „Queer-Feindlichkeit“ den Kampf an, umzusetzen durch ein neues „Demokratiefördergesetz“. Man darf gespannt sein, welche Meinung dann noch als „demokratieförderlich“ oder dann doch als „Hassrede“ gilt. Zumal die Forderungen der LGBTI-Gruppen durch Ergänzung des Diskriminierungsverbotes des Grundgesetzes um den Faktor der „sexuellen Identität“ fortan vor Widerspruch bewahrt werden sollen.

Die Personal-Politik der Grünen wird der LGBT-Lobby und vor allem der Trans-Agenda weiteren Schwung verleihen, nicht nur in der Bundesstiftung Gleichstellung, sondern auch direkt im Parlament: Auf dem Ticket der Grünen sind nämlich mit Markus „Tessa“ Ganser und Nyke Slawik zwei „Transfrauen“ neu in den Bundestag eingezogen, die sich die Durchsetzung des besagten „Selbstbestimmungsgesetzes“ auf die Fahnen geschrieben haben. Es ist also wahrscheinlich, dass das Familien-Ressort wieder der SPD, noch wahrscheinlicher den Grünen in die Hände fallen wird, und dann wird in vielerlei Hinsicht ab sofort nicht mehr schwarz-rot-gold, sondern zunehmend regenbogenfarben die Fahne gehisst.

• Birgit Kelle ist Publizistin und schreibt unter anderem für „Die Welt“, „Focus“ und „The European“. Zuletzt erschien „Noch Normal? Das lässt sich gendern! Gender-Politik ist das Problem, nicht die Lösung“ (FinanzBuch Verlag 2020). www.birgit-kelle.de



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Kommentare

Patrick Hohmann am 15.11.21, 20:57 Uhr

Einfach mal abwarten wie die importierten Parallelgeselschaften mit diesen neuen Schöpfungen aus Phantasia umgehen werden.
Der Rest ist Kopfkino.

Jan Kerzel am 08.11.21, 02:42 Uhr

Die Transformation der Gesellschaft läuft auf allen Ebenen mit geradezu atemberaubender Geschwindigkeit. Der Wähler unterstützt dies durch seine Stimmabgabe bei den Wahlen, also will er es, zumindest tendenziell. Ein Zurück wird es nicht geben, das sind Illusionen. Wer als Einkommensbezieher eine traditionelle Ehe anstrebt , dem sei extreme Zurückhaltung anzuraten. Eine formelle Ehe ist selbst mit Ehevertrag eine riskante Angelegenheit und kann schnell zum sozialen und finanziellen Desaster werden. Der angesagte Feminismus wird die Männer in vielen Bereichen zum reinen Deko mutieren lassen. Man stellt sie hin, und man nimmt sie auch wieder weg. Die feminine Erziehung im Bildungssystem trägt erheblich zu den Zuständen bei. Hier wird gesät, was später reiche Früchte trägt. Da aber nichts bleibt wie es ist, kann sich durchaus auch Veränderung anbahnen. Denn die Gesellschaft wird sich in den nächsten 20 und 30 Jahren strukturell, ethnisch und religiös erheblich umgestalten.

Annegret Kümpel am 07.11.21, 19:18 Uhr

Offensichtlich sind viele junge Menschen nicht mehr an Familie mit Kindern interessiert und die, die sich das wünschen sind in der Minderheit, sie haben keine Lobby.
Diese Entwicklung zeigt sich allerdings schon über einige Jahrzehnte hinweg dar. Mit dem Geschreie um die Minderheiten und damit die Omnipräsenz dieser Gruppen wird das Bürgerliche ausgeblendet und die "normalen" Bürgerlichen wehren sich nicht oder nicht beherzt genug, um diese Tendenz aufzuhalten und in eine andere Richtung zu führen. Möglich wäre es.

sitra achra am 07.11.21, 16:03 Uhr

In Natur und folglich in den Naturwissenschaften gibt es nur zwei biologische Geschlechter: männlich und weiblich. Alles andere sind perverse Kopfgeburten von Psychopathen.
Ich glaube auch nicht, dass die Steigerung der vorhandenen Versiffung eine gerechtere Gesellschaft hervorbringen wird. Die emotionale Stabilität der Familien schlägt die Kohäsionskraft der in der ideologischen Retorte durch linke Sozialingenieure konstruierten Kunstgebilde bei weitem.
Die Folgen sind eine weitere Zerfaserung der Gesellschaft, deren Identitätslosigkeit zu einer enormen Verunsicherung des einzelnen Individuums führen wird.Dies scheint aber so gewollt zu sein. Die Transhumanisten jenseits des Atlantiks haben hervorragende Arbeit geleistet.

Gregor Scharf am 07.11.21, 09:26 Uhr

Die aufgezeigte Entwicklung macht deutlich, dass es Ansammlungen und Gruppen von Menschen gibt, denen es nach Jahrzehnten des Friedens und des Wohlstandes eindeutig zu wohl geht. Lange Weile scheint sich breit zu machen, so dass man Ausschweifungen jedweder Art sucht, diese obendrein in einen gesetzlichen Rahmen presst und somit allen Andersdenkenden Dogmen auferlegt. Das ist nichts Neues, eher ein alter Hut, soll dem Machterhalt dienen, hat sich noch nie dauerhaft halten können und wird auch hier in absehbarer Zukunft zu einer Blutspur der Verbrechen führen, wenn es zum Erhalt der Macht abermals zum Machtmissbrauch von oben herab kommt, denn jegliche Gesetze wider die Natur lassen sich nur mit Hilfe einer Gewaltherrschaft durchdrücken.
Bunt mögen die Regenbogenfahnen sein, doch dunkel wird durch sie das Licht der Sonne verdeckt, wenn der Zeitgeist ein Dämon ist. Nur die Ruhe, denn es gibt nichts Vergänglicheres als das Treiben der Menschheit auf diesem Planeten. Es wechseln Phasen des Glücks und des Wohlstandes mit solchen der völligen Verwirrung und Zerstörung. Möge jeder für sich selbst entscheiden, worin wir uns befinden und worauf wir zusteuern. Eines bleibt sicher. Für Abwechslung ist oder wird gesorgt.

Micha Hausmann am 07.11.21, 02:56 Uhr

Was für ein krankes dekadentes Land!
Wie sagte Präsident Putin dazu vor Jahren: Ihr Europäer sterbt aus! Das ist euer Problem! Statt dessen beschäftigt ihr euch mit solchem Mist.

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