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Seine Taktik bestand häufig in Überraschungsangriffen: „Zieten aus dem Busch“
Foto: paSeine Taktik bestand häufig in Überraschungsangriffen: „Zieten aus dem Busch“

Hans Joachim von Zieten

„Ahnherr aller Husaren“

Der legendäre Kavalleriegeneral Friedrichs des Großen wurde vor 325 Jahren in Wustrau geboren

Wolfgang Reith
14.05.2024

Er gilt als einer der bedeutendsten Feldherren seiner Zeit und neben Friedrich Wilhelm von Seydlitz als der wichtigste Reitergeneral der preußischen Armee. Seinem König Friedrich dem Großen sicherte er in dessen Kriegen zahlreiche Siege. Seine Taktik bestand dabei häufig in Überraschungsangriffen, in denen kleine Einheiten den Feind plötzlich aus Verstecken heraus attackierten. Das brachte ihm bald den Beinamen „Zieten aus dem Busch“ ein, ein Ausdruck, den auch Theodor Fontane in einem Gedicht zu Ehren des Generals benutzte.

Geboren wurde Hans Joachim von Zieten vor 325 Jahren, am 14. Mai 1699, in Wustrau im Ruppiner Land. Er war das dritte von insgesamt sieben Kindern des Landadligen Joachim Matthias von Zieten und dessen Ehefrau Ilsabe Catharina geborene von Jürgas auf Gantzer (Herrschaft Ruppin). Schon im Alter von neun Jahren interessierte sich der Junge für das in Neuruppin stationierte Militär, und 1715 trat er als Freikorporal in das dortige Regiment der Gelben Kürassiere ein. Sieben Jahre später erfolgte die Beförderung zum Fähnrich, doch schon 1724 wurde er aufgrund von Disziplinlosigkeiten aus der Armee entlassen.

Zieten zog sich auf sein Gut in Wustrau zurück, das er nach dem Tod des Vaters 1720 zusammen mit drei Schwestern geerbt hatte. Als 1725 das Dragonerregiment „von Wuthenow“ in Insterburg aufgestellt wurde, bewarb sich Zieten dafür und wurde tatsächlich als Oberleutnant angestellt. Doch schon ein Jahr darauf fiel er erneut durch Ungehorsam auf und wurde zu einer einjährigen Festungsstrafe verurteilt. Nach deren Verbüßung war es dann ein weiteres Mal, dass er wegen Disziplinlosigkeit aus dem Militärdienst entlassen wurde.

Reorganisator der Kavallerie
Aber Zieten gab nicht auf und bewarb sich 1730 um Eintritt in eine neu aufgestellte Ehreneskorte des Königs. Auf Empfehlung eines Generals, der Zieten kannte und dessen Königstreue schätzte, wurde er schließlich bei den Husaren in Potsdam angestellt und schon im folgenden Jahr zum Rittmeister befördert. 1735 erfolgte die Ernennung zum Chef einer eigenen Eskadron und im Jahr darauf die Beförderung zum Major.

Als solcher zog er in den Ersten Schlesischen Krieg, in dem er 1741 wegen einer besonderen Heldentat die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung, den Orden Pour le Mérite, verliehen bekam. Außerdem wurde er zum Oberstleutnant im Leibhusarenregiment befördert. Noch im selben Jahr erhielt er sein eigenes Husarenregiment Nr. 2 und dazu sogar die nächste Beförderung als Oberst.

In der Folge betätigte er sich als „Zuchtmeister“ der oft als disziplinlos geltenden Husarentruppe, wobei die Soldaten seine strenge, aber auch gerechte Führung würdigten. Eine Besonderheit spielte dabei, dass er die damals allgemein übliche Prügelstrafe grundsätzlich ablehnte. So wurde Zieten später als „Ahnherr aller Husaren“ gefeiert. Über die Husaren hinaus machte sich Zieten um die Reorganisation der Kavallerie insgesamt verdient, die unter Friedrich Wilhelm I. eine eher untergeordnete Rolle gespielt hatte.

1737 hatte Zieten Leopoldine Judith von Jürgaß geheiratet. Der Ehe entstammten der Sohn Friedrich Carl, der allerdings schon im Kindesalter starb, sowie die Tochter Johanna.

Vertrauter Friedrichs des Großen
Auch am Zweiten Schlesischen Krieg nahm Zieten teil. In ihm wurde er 1744 aufgrund mehrerer erfolgreicher Operationen zum Generalmajor befördert. Nach dem Ende des Krieges zog er sich auf sein Gut in Wustrau zurück, das er mit Hilfe von Geldern, die ihm der König zur Verfügung stellte, ausbauen ließ.

Bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 war Zieten zwar schon 57 Jahre alt, doch Friedrich der Große wurde persönlich bei seinem „väterlichen Freund“ in Wustrau vorstellig, um ihn zu bitten, erneut ein Kommando zu übernehmen. Zieten sagte zu, denn wenige Wochen zuvor war seine Ehefrau nach langer schwerer Krankheit gestorben, und so gab es für ihn keinen Grund mehr zu zögern, zumal das Gut verwaltet wurde. Mit der Beförderung zum Generalleutnant trat er wieder in die Armee ein und zeichnete sich in etlichen Schlachten aus. 1757 wurde ihm dafür der höchste Orden der Krone Preußens, der Schwarze Adlerorden, verliehen. 1760 erfolgte die Beförderung zum General der Kavallerie. Mehrfach führte Zieten während des Krieges den Oberbefehl über die gesamten preußischen Streitkräfte, wenn der Monarch gerade abwesend war, was wiederum die persönlichen Bande zwischen beiden stärkte.

Nach dem Krieg fungierte der General noch einige Jahre als Inspekteur der Kavallerie und widmete sich besonders der Ausbildung seines Husarenregiments. 1764 ging er mit der 39 Jahre jüngeren Hedwig Albertine von Platen, einer Nichte seiner verstorbenen ersten Frau, eine zweite Ehe ein, der drei Kinder entsprossen, wobei das jüngste schon acht Wochen nach der Geburt starb. Zieten lebte nun mit seiner Familie abwechselnd auf seinem Gut in Wustrau und einem 1763 erworbenen Haus in Berlin, Kochstraße 61, Ecke Friedrichstraße. Das Vertrauensverhältnis des legendären Generals zum König festigte sich im Laufe dieser Jahre immer mehr, sodass Letzterer „seinen alten Vater Zieten“, der 13 Jahre älter war als Friedrich der Große, oft besuchte. Am 27. Januar 1786 starb Zieten in seinem Haus in Berlin. Vier Tage später wurde er auf dem Erbbegräbnisplatz neben der Dorfkirche in Wustrau beigesetzt, in deren Innenraum sich sein Grabdenkmal befindet.

Ein erstes Denkmal für den populären Reiterführer ließ Friedrichs Bruder Prinz Heinrich von Preußen 1790 in Rheinsberg errichten. Außerdem ist ihm auf der Vorderseite des dortigen Obelisken eine Gedenktafel gewidmet. Friedrich Wilhelm II. ließ 1794 auf dem Wilhelmplatz in Berlin zwischen den Denkmälern für General Friedrich Wilhelm von Seydlitz und Generalfeldmarschall Jakob von Keith eine Zieten-Statue aufstellen. Ursprünglich ein marmornes Standbild, wurde es 1857 durch eines aus Bronze ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg eingelagert, stellte man das Denkmal 1987 zur 750-Jahr-Feier der Stadt im Lustgarten auf, ehe 2003 die Wiedererrichtung am historischen Ort erfolgte.

Eine Kopie der Statue steht seit dem 300. Geburtstag des Generals 1999 auf dem Gelände des Brandenburg-Preußen Museums in Wustrau. Am Haus Kochstraße Nr. 62 in Berlin erinnert eine Gedenktafel an Zieten, denn das Haus Nr. 61 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Außerdem tragen in vielen deutschen Städten Straßen seinen Namen, und schließlich sind in Beelitz und Göttingen Kasernen nach ihm benannt. Im einstigen Herrenhaus in Wustrau („Zietenschloss“) ist seit 1993 die Deutsche Richterakademie untergebracht.


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