17.05.2021

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Blieb nicht lange offen: Die Hamburger Kunsthalle und ihre De-Chirico-Ausstellung waren im März nur eine Woche geöffnet
Foto: imago images/Hanno BodeBlieb nicht lange offen: Die Hamburger Kunsthalle und ihre De-Chirico-Ausstellung waren im März nur eine Woche geöffnet

Nothilfen

Alle Reserven verbraucht

Gehört der Schutz von Kultur ins Grundgesetz? Die aktuelle Notlage vieler Museen und Künstler könnte dafür sprechen

Dagmar Jestrzemski
11.04.2021

Aktuell kann niemand einschätzen, wie sich die Situation der Museen und anderen Kulturinstitutionen Corona-bedingt im Laufe des Jahres weiter entwickeln wird. Der Museumsverband Baden-Württemberg rechnet bis mindestens 2022 mit einem eingeschränkten Betrieb der Museen in dem Bundesland. Die Prognose kann auf alle großen und kleinen Häuser in Deutschland übertragen werden, vorausgesetzt, dass nichts Unvorhergesehenes geschieht. Millionen Menschen vermissen das Museum schmerzlich als Kulturstätte und als sozialen Ort.

Für mittelfristige Planungen können noch keine realistischen Prognosen gemacht werden. Absehbar ist aber bereits, dass auch nach der endgültigen Wiedereröffnung keine normalen Verhältnisse einkehren werden. So wird es noch eine Zeit lang bei Vorsichtsmaßnahmen wie begrenzten Besucherzahlen bleiben, sodass die finanziellen Verluste, die sich während der monatelangen Schließungen angehäuft haben, zunächst noch weiter steigen dürften. Von den Einnahme- und Verdienstausfällen betroffen sind alle Museen, insbesondere aber große und vereinsgeführte Häuser.

Finanzielles Polster ist aufgebraucht

In Deutschland werden die wichtigsten der insgesamt 6800 Museen ganz oder überwiegend staatlich oder kommunal finanziert. Damit sind die Budgets für Betriebskosten und Gehälter gesichert. Seit dem ersten Lockdown können nicht oder nicht überwiegend von der öffentlichen Hand finanzierte Museen und Gedenkstätten bei Bund und Ländern sowie Verbänden und privaten Stiftungen COVID-19-Soforthilfen beantragen. Diese sind aber überwiegend zweckgebunden ausgeschrieben. Für die vielen ehrenamtlich geführten Heimatmuseen wurde auf Bundesebene ein Förderprogramm aufgelegt.

Laut dem Deutschen Museumsbund haben die meisten Museen inzwischen keinerlei finanzielles Polster mehr. Mit betroffen sind auch zahllose Kleinunternehmer, die mit den Museen zusammenarbeiten, wie beispielsweise freiberuflich tätige Grafiker und Kuratoren.

Zwar gelten Museen nicht als systemrelevant, sie werden aber dennoch gesellschaftlich dringend gebraucht. Anfang März einigten sich Bund und Länder trotz erneut steigender Infektionszahlen auf Öffnungsschritte mit einer Notbremse. In Hamburg öffneten daraufhin fast alle großen Museen am 13. März wieder ihre Pforten für Besucher, die vorab einen Termin für ein bestimmtes Zeitfenster gebucht hatten. Als die Corona-Inzidenz dann eine Woche später auf über 100 stieg, war schon wieder alles vorbei. Den Ausstellungshäusern waren durch den hohen Aufwand für die Öffnungen zusätzliche Verluste entstanden.

Verlust von 1,5 Millionen Euro

Einige Museen wie die Hamburger Kunsthalle mussten für einen Teil ihrer festangestellten Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen. Bestenfalls werden sich die Verluste des renommierten Ausstellungshauses in diesem Jahr auf 1,5 Millionen Euro belaufen, wie Kunsthallendirektor Alexander Klar gegenüber dem Deutschlandfunk erklärte. Die Kunsthalle gehört zur Stiftung Historische Museen Hamburg und wird zu drei Vierteln von der Stadt Hamburg finanziert. Absehbar werden die Rückzahlungsverpflichtungen zukünftig vor allem diverse schon länger geplante Vorhaben wie Renovierungen ausbremsen. Ein Lichtblick ist immerhin das überaus beliebte Online-Angebot der Kunsthalle auf Instagram. Sogar Teilnehmer aus Mexico City, Sydney und allen Zeitzonen schalten sich zu.

Auch in Berlin durften die Museen und Kulturveranstalter am 15. März im Rahmen eines viel beachteten Pilotprojekts wieder ihren Betrieb aufnehmen. Die Besucher der Veranstaltungsreihe müssen vorab ein personalisiertes Ticket erwerben und einen SARS-CoV-2-Antigen-Test machen, der in einem der Testzentren vorgenommen wird. Nach dem Ende des Projekts sollen die Erfahrungen aller Teilnehmer ausgewertet werden. Wegen der sprunghaft ansteigenden Sieben-Tage-Inzidenz steht jedoch das Lockern als Modellversuch bereits wieder auf der Kippe.

Auch das Kunstmuseum Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in Mecklenburg-Pommern hat Kurzarbeit für mehrere Mitarbeiter beantragt. Das Museum präsentiert Werke der Künstlerkolonie Ahrenshoop und nachfolgender Kunststile. Es gilt als Leuchtturmprojekt der Region und finanziert sich aus erwirtschafteten Eigenmitteln, ergänzt um Förderbeiträge der Freunde und Stifter. Als die Entscheidung über eine erneute Öffnung anstand, entschlossen sich die Museumsleiterinnen Katrin Arietta und Marion Schael, das Haus aufgrund des erforderlichen Aufwands nicht aufzumachen.

Illusorische Forderungen

Durch die Gewährung von Nothilfen für die Kultur kommt es auch bei den dafür zuständigen Stellen zu finanziellen Engpässen und zu Verschuldung. Es werden daher bereits Appelle an Bund und Länder gerichtet, zukünftig keinesfalls Abstriche bei der Kulturförderung zu machen. Doch das wird sich kaum vermeiden lassen. Daher muss bezweifelt werden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um die Forderung „Kultur ins Grundgesetz" zu erheben. Unter dieser Überschrift firmiert seit dem 14. Dezember eine Online-Petition von Kulturschaffenden. Die Initiatoren verlangen, „die Bildungs- und Kulturpolitik zu verknüpfen und die Museen zu Orten zu machen, wo ein generationenübergreifender Bildungsdiskurs stattfindet". Dabei wird übersehen, dass all dieses längst in den Museen stattfindet und ständig optimiert wird.

Weitere Forderungen richten sich auf den „Schutz von Kunst und Kultur im Grundgesetz" und den „Schutz aller in ihr Tätigen mit sicheren Arbeitsplätzen". So verständlich die Wünsche zahlloser, in Corona-Zeiten um ihre Existenz ringender Kulturschaffender sind, so offenkundig illusorisch sind solche Vorstellungen und Ansprüche.



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Kommentare

Ralf Pöhling am 13.04.21, 12:54 Uhr

Zitat:"Zwar gelten Museen nicht als systemrelevant, sie werden aber dennoch gesellschaftlich dringend gebraucht." Dass Museen nicht systemrelevant sein sollen, muss vehement widersprochen werden. Museen sind u.A. die kulturellen Speicherorte einer Gesellschaft. Sie erfüllen eine ähnliche Funktion wie auch Bibliotheken. Nur eben nicht in schriftlicher, sondern bildlicher Form. Während Bücher das Wissen und die Stimmungslage einer Gesellschaft konservieren, konservieren Bilder und auch Skulpturen ihr aussehen und ihre künstlerischen und damit ihre handwerklichen Fähigkeiten zu jeder in der Ausstellung dargebotenen Epoche. Bei Gemälden wird es offensichtlich: Gemälde sind historisch sehr häufig die Fotos einer Epoche, in der Fotoapparate noch nicht existierten. Ein zeitgenössisches Ölgemälde spiegelt zwar auch die persönliche die Stimmung des Künstlers , aber auch das Stimmungsbild der damaligen Gesellschaft in Gänze und ebenso ihr Erscheinungsbild. Über die ganzheitliche Interpretation eines Gemäldes lässt sich viel aus einem Gemälde herleiten. Das gleiche gilt für Skulpturen oder auch sakrale Kunst des Mittelalters im Abgleich mit aus dem gleichen Zeitraum stammenden Gemälden. Eine Gesellschaft ohne historischen Rückblick auf ihre Wurzeln und ihre Entwicklung über die Zeit, ist eine Gesellschaft, die immer wieder von vorne anfängt und deshalb die selben Fehler andauernd wiederholt. Wer die Museen einer Gesellschaft zerfallen lässt, bricht mit seiner eigenen Historie und zerstört damit letztlich seine eigene Zukunft.

Siegfried Hermann am 11.04.21, 09:41 Uhr

Mörkel hat´s VORSÄTZLICH und OHNE jede Not versaut, also sollen gefälligst auch diese Herrschaften zur Kasse gebeten werden!!
Streichung sämtlicher Diäten und Pensionsansprüche für JEDEN Merkelgläubigen bis runter auf Kommunalebene! EU sowieso!
Basta!
Die kostenintensive Unterhaltung von Museum, Theater etc. bezahlt doch sowieso der Steuerzahler, oder!? --Beschäftigungsloses-- Personal Kurzarbeitergeld und Jobcenter. Hausmeister etc. werden weiter bezahlt wie vor.
Bei den freien "Kunstschaffenden"
nennt ich mal ein Beispiel eines Herrn Raabe, seit JAHREN ERFOLGLOSER links-bunt-dogmatischer Kleinkunst-Propaganda-Sänger. Da kam die Grünen-Bundesmischpoke daher und wollten 2000 Euro/Monat "Coronabeihilfe herbei-er-jammern!
HALLO! Gehts noch???
hartz4: 400 Euro all incl plus Wohnungskosten für ein Wohnklo bis max. 425 Euro und BASTA!
Und jeden Monat bitte schön Bewerbungsschreiben für Fabrikjob´s vorlegen!!
Wie jeder andere Durchschnitts-Deutsch auch.
BASTA!
Über die politische Mörkel-Agenda, den Deutschen Kulturbetrieb den Todesstoß zu versetzen brauchen wir doch nicht mehr zu diskutieren, gelle!?

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