14.02.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden

Auf traurigem Rekordniveau

Antidepressiva-Absatz in Russland steigt enorm

Manuela Rosenthal-Kappi
14.02.2026

Stress, Angstzustände, depressive Symptome und psychische Belastungen haben seit dem Beginn des Ukrainekriegs in Russland deutlich zugenommen. Was zunächst als kurzfristige Militäroperation angelegt war, hat sich zu einem jahrelangen Krieg entwickelt mit verheerenden Folgen sowohl für die angegriffenen Ukrainer als auch für Russen. Plötzlich wurden sie zum Volk des Aggressors, die gewohnten Reisen ins westliche Ausland fielen weg. Dabei betrachtet die Mehrheit der Russen den Krieg als falsch, darf dies aber nicht äußern.

Viele Russen haben Verwandte in der Ukraine und leiden mit ihnen, wie die Familie Timofejew, deren Angehörige im Donbass leben. Während die Mutter zu Kriegsbeginn zu ihren Cousinen nach Moskau zog, blieb ihre Tochter, eine Ärztin, in der Ukraine, um zu helfen. Wenig später verlor sie bei einem Raketenangriff ihren kleinen Sohn. Beide russische Cousinen hatten in der Folge Depressionen und nahmen Psychopharmaka. Beispiele wie diese gibt es endlos.

Laut Statistik hat sich seit dem Beginn des Ukrainekriegs der Absatz von Antidepressiva vervierfacht. 2025 verkauften russische Apotheken 22,3 Millionen davon im Wert von umgerechnet 230 Millionen Euro. Schon in den sieben Jahren zuvor verzeichneten sie einen steigenden Absatz an Mitteln gegen die Angst. 2019 lag der Umsatz mit Antidepressiva bei rund 52 Millionen Euro.

Es gibt soziale, medizinische und politische Faktoren, die diesen enormen Anstieg erklären. Neben der Militäroperation sorgte Putins Ankündigung einer Teilmobilmachung zu einem Anstieg der Verkäufe um 38 Prozent in nur einem Monat. Kriegsszenarien führen bei der Zivilbevölkerung zu Unsicherheit, Verlust- und Zukunftsängsten. Die angespannte Wirtschaftslage tut ihr Übriges dazu.

In der Gesellschaft hat sich das Verhalten gegenüber psychischen Erkrankungen verändert. Waren psychisch Kranke zu Beginn des Jahrzehnts noch sozial stigmatisiert, ist das Bewusstsein für solche Erkrankungen gestiegen, und somit hat sich auch die Einstellung zu Psychopharmaka geändert. Ärzte verschreiben vermehrt moderne Antidepressiva statt der bisherigen Beruhigungsmittel, da sie als wirksamer gelten. Daneben trugen Hamsterkäufe zu Kriegsbeginn aus Angst vor Versorgungsengpässen zu den hohen Verkaufszahlen bei.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS