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Viele Kormorane sind auf der Suche nach eisfreien Flächen, doch stattdessen breitet sich das Eis immer mehr aus
Eiswinter sind nichts für Fischfresser, für Kormorane etwa. Darum ziehen sie sich im Herbst Richtung Mittelmeer zurück und kehren erst im Frühling heim. Die vergangenen sehr milden Winter mögen aber viele dazu verleitet haben, auf die beschwerliche Reise zu verzichten. Doch machte den Hierbleibern dieses Mal die Witterung einen dicken Strich durch die Rechnung. Die pommerschen Flüsse, Seen und Bodden, wichtige Nahrungsgründe für Kormorane, bedeckten sich mit Eis, und damit fiel die Tür zur Speisekammer zu. Den „Seeraben“ blieb sodann nichts anderes übrig, als die Gewässer nach eisfreien Stellen abzusuchen.
Und tatsächlich fanden sich die im Stralsunder Hafen, wo sich sogleich einige hundert Vögel versammelten. Wie Passanten beobachteten, schlüpften sie kopfüber zum Fischfang in die meist nicht mal einen Quadratmeter kleinen Löcher. Ähnliche Bilder boten sich auf der Peene in Anklam, auf der Oder in Stettin und im Swinemünder Hafen. Fische, obwohl sie sich wegen des sauerstoffreicheren Wassers gern an Eisöffnungen einfinden, wissen aber um die Gefahr, gefressen zu werden und benehmen sich äußerst wachsam. Und so gehen Kormorane trotz ihrer Tauchkünste oft leer aus, was sie noch hungriger macht.
Möwen und Graureiher, ebenfalls Fischfresser, schauen ihnen bisweilen neidisch zu, ohne sich selbst ins eisige Wasser zu wagen. Sie sind keine Taucher, haben dafür aber den Vorteil, auf andere Nahrung auszuweichen. Reiher begeben sich zum Beispiel gern auf Felder und Wiesen zum Mäusefang. Kormorane indes sind einzig und allein auf Fischnahrung angewiesen. Eiswinter können also zu einem ernsten Problem werden für sie.
Überwinterer gab es allerdings auch in früheren Jahrzehnten an der vorpommerschen Küste schon, was aber keine natürliche Ursache hatte. So verbrachten in den 1970er und 1980er Jahren hunderte Vögel die Wintermonate in der Kühlwasserauslaufzone des 1990 stillgelegten Kernkraftwerks Lubmin am Greifswalder Bodden.
Bei Fortdauer des Frostwetters dürften die Kormorane noch in mildere Gebiete ausweichen. Naturfreunde befürchten aber, dass eine größere Zahl verhungern wird. Witterungseinflüsse hätten nämlich auch in der Vergangenheit den Gesamtbestand immer mal wieder reduziert. Das würde aus Sicht von Fischern und Anglern auch Not tun, denn der für Mecklenburg-Vorpommern offiziell angegebene Gesamtbestand von ungefähr 15.000 Brutpaaren, der Großteil davon an der vorpommerschen Küste, sei viel zu hoch. Dabei waren Kormorane wegen strikter Verfolgung Anfang der 1950er Jahre fast verschwunden. Dann aber setzte sehr rasch eine Zunahme ein, sodass wegen der Schäden in der Fischwirtschaft einige Hundert abgeschossen wurden.
Große Kolonien
Zu DDR-Zeiten entschieden die Behörden, die Gesamtbrutpaarzahl für die drei Nordbezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg auf tausend zu beschränken. Infolge des strengen Schutzes nach der Wiedervereinigung vervielfachte sich der Kormoranbestand wieder rasch.
Die größten Brutkolonien an der Küste befinden sich gegenwärtig am Jasmunder Bodden (Rügen), im ehemaligen Gutspark Niederhof bei Stralsund, bei Peenemünde und am Stettiner Haff südöstlich von Anklam.
Derzeit kommen zahlreiche Vögel aus dem Baltikum nach Mecklenburg-Vorpommern, auf der Suche nach offenem fischreichem Gewässer, sie verschärfen die Situation noch zusätzlich.