13.01.2026

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Hat mit dem ehrbaren Friseurhandwerk nichts zu tun: Viele Barbershops gehören Araber-Clans und sind Tatort für Geldbetrug
Bild: picture alliance/NurPhoto&/Rami AlsayedHat mit dem ehrbaren Friseurhandwerk nichts zu tun: Viele Barbershops gehören Araber-Clans und sind Tatort für Geldbetrug

Trickreiche Betrügereien

Barbershops als Tatorte für kriminelle Gangster-Clans

Abzocke seriöser deutscher Friseurmeister und Geldwäsche sind hier und neuerdings auch bei manchen Autovermietungen an der Tagesordnung

Hermann Müller
13.01.2026

Welcher Unternehmer fühlt sich nicht geehrt, wenn für die über Jahrzehnte aufgebaute Firma plötzlich ein interessant klingendes Kaufangebot gemacht wird? Genau dies hat die Berliner Friseurmeisterin Karin H. (Name der Redaktion bekannt) im Sommer 2025 erlebt. Aus heiterem Himmel hatte sich ein Rechtsanwalt gemeldet, der im Auftrag eines Klienten zu einem Gespräch bat. Es liege ein sehr attraktives Kaufangebot für den Friseurladen in Berlin-Mitte und die Filiale in Lichtenberg vor, so der Anwalt. Beim vereinbarten Termin folgten für die Friseurmeisterin gleich zwei Überraschungen: Der Kaufinteressent entpuppte sich als völlig Branchenfremder, der zudem einen Eindruck hervorrief, der gemeinhin mit dem Begriff „Clanchef“ beschrieben wird. Als Begleitung traten zwei jüngere arabische Männer auf – nicht auszumachen, ob Leibwächter oder Verwandte.

Auch das Kaufangebot war für die Friseurmeisterin eine Überraschung. Ihr wurde zwar eine ansehnliche Summe für ihre zwei Salons geboten, es gab jedoch einen Haken. Die Friseurmeisterin sollte nach dem Verkauf die Läden weiterhin als Angestellte leiten. Der 53-jährigen Berlinerin wurde schnell klar, welches Risiko das Angebot darstellt: „Mit meinem Meisterbrief hätte ich für jedes krumme Ding geradestehen müssen, das der neue Eigentümer als Chef der Läden veranstaltet.“ Und die Befürchtungen der Friseurmeisterin, dass sie als formelle Geschäftsführerin der Friseurläden haften müsste oder ins Visier der Ermittlungen geraten würde, wenn es um Hygieneverstöße, Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung oder Geldwäsche ginge, sind berechtigt.

Deutschlandweit beobachten Ermittler seit Jahren, wie kriminelle Großclans neben Shisha-Bars, Cafés, Wettbüros und Spielhallen immer öfter auch sogenannte Barbershops betreiben. Die Bezeichnung „Barbershop“ ist dabei kein Zufall. Sobald eine Schere am Kopfhaar angesetzt wird, ist laut Handwerksordnung die Grenze zum Friseur überschritten und ein Meisterbrief zur Geschäftsführung erforderlich. Barbershops arbeiten aber oft ohne Meistertitel rechtlich in der Grauzone zwischen Friseur und reiner Kosmetik.

Die Handwerksordnung schreibt für Kopfhaarschnitte einen Friseurmeisterbrief vor. Bei Kontrollen von Barbershops stellen Ordnungsämter aber immer wieder fest, dass Haarschnitte angeboten werden – ohne Meisterbrief, und das ist illegal. Zoll und Finanzämter leiten nach Kontrollen oft Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung oder Geldwäsche ein.

Als weit verbreitetes Phänomen beobachten die Handwerkskammern eine „Strohmann-Problematik“. Dabei lässt sich ein Friseurmeister in die Handwerksrolle für mehrere Barbershops eintragen, ist aber physisch nie im Laden. Die Kammer Berlin fordert daher eine Präsenzpflicht der Meister. Etablierte Friseursalons klagen zudem über Wettbewerbsverzerrung, da Barbershops oft Preise anbieten, die bei korrekter Bezahlung von Mindestlohn, Steuern und Meistersatz kaum haltbar sind.

Branche im Behördenvisier
In Hamburg, Köln oder Frankfurt gehören Barbershops mittlerweile zum Stadtbild. Zentrum des Booms ist allerdings Berlin. Laut Handwerkskammer hat sich die Zahl der eingetragenen Friseurbetriebe – dazu zählen auch Barbershops – in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Besonders in Bezirken wie Neukölln, Mitte und Tempelhof-Schöneberg ist die Dichte extrem hoch. Allein in Berlin-Neukölln finden sich in wenigen Straßenzügen oft Dutzende solcher Shops. Laut dem Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks ist die Zahl der Betriebe von 72.000 im Jahr 2000 auf über 80.000 in 2023/2024 gestiegen. Getragen wird dieser Zuwachs fast ausschließlich durch Ein-Personen-Betriebe oder kleine Läden im Barbershop-Stil.

Berlins Landeskriminalamt hat im Zuge eines europaweiten Projekts inzwischen mit kriminellen Autovermietungen eine weitere Branche ins Visier genommen, die sich offenbar zum Tummelplatz für das Clanmilieu entwickelt hat. Hintergrund ist die Beobachtung, dass es immer wieder bestimmte Autovermietungen sind, die im Zusammenhang mit Fluchtwagen, Drogentaxis und illegalen Autorennen auffallen.

Internationale Zusammenarbeit
Auch junge Clansprösslinge, die offiziell nur Sozialleistungen beziehen, leihen sich regelmäßig von bestimmten Vermietern PS-starke Luxuswagen aus. Berlins Polizei geht allein in der Hauptstadt von 60 Autovermietern mit Verbindungen zu Clans aus, die sich auf Kriminelle als Kundschaft oder auf Geldwäsche spezialisiert haben.

Bei dem Pilotprojekt gegen kriminelle Autovermieter arbeitet das Berliner LKA mit Europol und Ermittlern in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen, Italien und den Niederlanden sowie der Versicherungswirtschaft zusammen.


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