03.01.2026

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Leitartikel

Bedingt regierungsfähig

René Nehring
19.11.2025

Wir wollen regieren!“ Mit diesen, zu verschiedenen Anlässen geäußerten Worten bringen die beiden AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla seit geraumer Zeit unmissverständlich das gewachsene Selbstvertrauen ihrer Partei zum Ausdruck.

Schaut man sich die aktuellen Umfragewerte der AfD an, in denen die Partei regelmäßig mit der Union um den ersten Platz ringt, erscheint die Ansage des Führungsduos durchaus plausibel. Doch wenn man die Frage stellt, welche Politik die Deutschen im Falle einer Regierungsbeteiligung der größten Oppositionspartei konkret erwarten dürfen, erscheint hingegen vieles mehr als unklar.

So ist die AfD beim wohl wichtigsten außenpolitischen Thema unserer Zeit – dem Ukrainekrieg und damit dem Verhältnis zu Russland – in ihrer Haltung völlig uneins. Während Weidel offen ihr Unverständnis über umstrittene Sotschi-Reisen von Abgeordneten ihrer Fraktion äußert, verteidigt Chrupalla diese ebenso offen und zeigt zudem eine völlige Distanzlosigkeit zur Kreml-Führung (etwa „Putin hat mir nichts getan“ bei „Markus Lanz“).

Auch in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, vor allem hinsichtlich des Verhältnisses zur NATO und zur Bundeswehr, gibt es innerparteilich massive Differenzen. So wird nicht nur die Forderung, die deutschen Streitkräfte wieder in einen verteidigungsfähigen Zustand zu versetzen, kontrovers diskutiert. In der Grundsatzfrage der Wehrpflicht sind die Lager sogar so weit auseinander, dass die Parteiführung derzeit jede Positionierung dazu komplett meidet.

Höchst unterschiedliche Ansichten gibt es auch über den wirtschaftspolitischen Kurs. Während das Lager um Weidel für klassische ordnungsliberale Ansichten steht und versucht, die Partei damit für Unternehmer und Manager attraktiv zu machen, proklamieren andere einflussreiche Kreise offen einen „sozial-patriotischen“ Kurs, was sicher nicht nur zufällig wie „nationalsozialistisch“ klingt.

Generell unklar ist noch immer die grundsätzliche strategische Ausrichtung der AfD. Sprich: Soll die Partei auf politische Wettbewerber zugehen und mit diesen Koalitionen anstreben? Oder soll sie hinter der Brandmauer in einer Fundamentalopposition verharren und von den Misserfolgen der anderen profitieren?

In diesen und weiteren Themen zeigt sich, dass die AfD vor allem als Dagegen-Partei gegründet und groß wurde: gegen die „Euro-Rettung“ der Regierung Merkel, gegen die unkontrollierte Massenzuwanderung, gegen den links-grün-woken Zeitgeist. Doch wenn sie tatsächlich eines Tages regieren will, wird die AfD sowohl ihren Wählern als auch potentiellen Partnern erklären müssen, wofür sie steht. Ansonsten ist sie vielleicht regierungswillig – aber noch lange nicht regierungsfähig.


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Kommentare

E. Berger am 24.11.25, 20:46 Uhr

Tino Chrupalla hat in seiner unvoreingenommenen Haltung gegenüber Russland meine volle Unterstützung (sage ich als Wessi). Wenn wir unsere desolate wirtschaftliche Situation überwinden wollen, geht das nur in Kooperation mit Russland. Andere EU-Staaten oder die USA werden uns mit Sicherheit nicht helfen.

Ralf Pöhling am 21.11.25, 00:28 Uhr

Die einen verlangen von uns die Westbindung, die anderen die Ostbindung, worauf unsere Spitzen dann natürlich irgendwie eingehen müssen und dann von der politischen Konkurrenz und der Journaille dafür zerpflückt werden, egal was sie dazu sagen. Und das ist wohl auch die Absicht dahinter.
Die Wahrheit liegt aber in der Mitte:
Die AfD versucht ein gutes Verhältnis zu den USA UND Russland zu erreichen. Das ist für ein neutrales und erst dadurch freies und souveränes Europa der Vaterländer absolut unabdingbar.
Hinzu kommt derzeit noch eins:
Der Konflikt Russland/Ukraine bzw. Russland/NATO ist ein laufender Konflikt. Das heißt, die komplette Wahrheit liegt derzeit unter Geheimhaltung, was man auch beim Thema Nordstream erkennen kann, wo auch dicht gehalten wird.
Wer sich derzeit entweder komplett auf die USA oder komplett auf Russland festlegt, der mischt sich de facto in den Konflikt ein und verbaut sich somit nicht nur den Weg in die Freiheit, sondern kann sich am Ende auch noch total blamieren.
Ich kann nur noch mal auf das AfD Parteiprogramm verweisen, das anscheinend keiner liest.
Da steht nämlich drin wo es hingehen soll.

sitra achra am 20.11.25, 16:24 Uhr

Wie ich hier an den Kommentaren ablesen kann, wird wieder einmal auf das falsche Pferd gesetzt. Die AfD ist auch so ein lahmer Gaul wie die anderen "staatstragenden" Parteien, Teil des Problems und nicht Garant einer etwaigen Lösung. Nur ein katastrophaler Zusammenbruch des westlichen Systems könnte frische Kräfte freisetzen, aber das würde mit Sicherheit Restdeutschland in den Abgrund stürzen. Schad um den Hund.

Horst Vajen am 20.11.25, 12:21 Uhr

Bei dem von der Regierung bis jetzt angerichteten Chaos und dem, was sie zuküftig anstrebt, sehe ich absolut keine andere Möglichkeit als AfD. Mag sein, dass sich die Führenden dieser Partei in der einen oder anderen Talkshow mal unterschiedlich äußern, so kann und werde ich ihnen aber noch keine Regierungsfähigkeit unterstellen.

Werner Philipzik am 20.11.25, 10:14 Uhr

Die PAZ (Herr Nehring) verkennt mit dem Artikel die alternativlose Notwendigkeit für eine Wahl der AfD bzw. das daraus folgende absolute Muss ihrer Regierungsübernahme.
Siehe hier:
Die AfD hat ein absolutes Alleinstellungsmerkmal, gleichsam das entscheidende ausschlaggebende Auswahlkriterium für ihre Wahl, nämlich die exklusive eindeutige und kompromisslose Ablehnung der desaströsen Energiewende, die der Hauptgrund für den in jeder Hinsicht ganz fürchterlichen Zustand ist, in dem wir uns befinden. Diese Ablehnung der sog. Energiewende, wie sie von allen Altparteien gleichsam im Gleichschritt betrieben wird, ist zwar nicht alles, aber alles ist nichts, wenn die als Klimaschutz verkaufte irr- und größenwahnsinnige sogenannte große Transformation fortgesetzt wird. Der volkswirtschaftliche Absturz wird dann unausweichlich. Die AfD nicht zu wählen bedeutet letztlich, dem Ast abzusägen, auf dem man sitzt. Eine 180°- Wende (also keine Bärboksche!) ist zwingend erforderlich, um das Unheil vielleicht doch noch abzuwenden das geht nur mit und von der AfD. Übrigens ist die sogenannte Energiewende genau das Gegenteil eines effektiven und sinnvollen „Klima“- und Naturschutzes, wobei der Begriff des „Klimaschutzes“ in dem proklamierten Sinne an Hirnrissigkeit in naturwissenschaftliche Hinsicht nicht zu überbieten ist. Die deutsche sog. Energiewendepolitik kann man zutreffend in sechs Wörter zusammenfassen: „Kosten gegen unendlich, Wirkung gegen null“! (Nicht von mir - von „Eike“ s.Suchmaschine). Ja, sogar dann, wenn die AfD tatsächlich rechtsextrem (was ist das überhaupt) wäre und es ihr nicht nur verleumderisch inszeniert und orchestriert ohne belastbare tatsächliche Argumente als ein minderwertiges Schmierentheaterstück unterstellt werden würde, auch dann ist sie alleine nur wählbar, weil sie die einzige Partei war und ist, die sich dem Niedergang entgegenstemmt. Leider wird das von zu wenigen Wählern erkannt, wobei die Mitteldeutschen deutlich weniger indoktrinierungsanfällig sind als die Westdeutschen. Sollte sich die objektive Wahrheit stärker durchsetzen, dann dürften die Altparteien allesamt Mühe haben, die 5-%-Hürde zu knacken. Auch das ist ein Grund für das Trommelfeuer auf die AfD, weil die Sorge bei den Altparteien zunimmt, daß diese Wahrheit immer deutlicher wird und ihnen „die Felle davonschwimmen könnten“. Die Lage ist so dramatisch schlimm, daß derzeit sogar Kants „Kategorischer Imperativ“ ihretwegen Geltung hat und hier bedeutet, die AfD wählen bzw. sie unterstützen zu müssen, um vor dem eigenen Gewissen und der Gemeinschaft gegenüber bestehen zu können. Vgl. dazu auch den Rat, den der US-Milliardär Musk vor einiger Zeit den Deutschen gegeben hat: „Only the AfD can save Germany“.
Daneben hat die AfD auch auf dem Gebiet der (gescheiterten (Re-))Migrationspolitik ebenfalls ein, wenn auch nicht so ausgeprägtes Alleinstellungsmerkmal, was aber trotzdem auch ein bedeutsames Kriterium dafür ist, warum nur sie gewählt werden kann und muss.
Übrigens wurde am 13. 11. 25 (wahrlich ein Unglückstag für ganz Deutschland) von der Mehrheit des Bundestages (zum wiederholten Male) der Antrag der AfD-Fraktion auf die ersatzlose Aufhebung der fürchterlich sogenannten Energiewende abgelehnt. Die betreffende BT-Sitzung zeigt sehr deutlich,daß alle Alt- oder Kartellparteien und damit natürlich insbesondere ihre Wähler für den wirtschaftlichen und demdamit verbundenen unausbleiblichen allgemeinen Niedergang verantwortlich sind. Eindeutig! Die Sitzung ist im Netz aufrufbar und durchaus eine sehr gute Grundlage dafür, wie man bei den nächsten Wahlen abstimmen muss, will man nicht mitverantwortlich an dem weiteren Niedergang Deutschlands sein.
Ich bin übrigens Abonnent der PAZ.

Uwe Hartmann am 20.11.25, 09:38 Uhr

Ich mache mir extrem wenig Sorgen um die Regierungsfähigkeit der AFD, bzw. deren Spitzenleute. Extrem viel Sorgen macht mir dagegen die Regierungsunfähigkeit, inzwischen gepaart mit einer unglaublichen Verlogenheit, wie es bei CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke zu finden ist. Was die erste Kanzlerpartei CDU und die zweite Kanzlerpartei, getrieben von den Grünen Totalitärsten in den letzten 25 Jahren aus diesem Land gemacht haben, muss ich hier nicht alles einzeln aufzählen. Fortschreitende Deindustrialisierung, eine tödliche Staatsschuldenorgie, eine desaströse Migrations- und Energiepolitik, Transfer nationaler Rechte an die nicht demokratisch gewählten Brüsseler Technokraten, Kriegshetze frei von professioneller Diplomatie u.v.m. - sie haben ein einziges Chaos zu immensen Lasten für uns Bürger angerichtet. Miserabler geht es nicht. Und da diskutiert der PAZ-Autor darüber, ob die AFD nur begrenzt regierungsfähig sei. Lächerlich! Eigentlich kann es nur besser werden, wenn ich mir das Spitzenpersonal der AFD ansehe. Was leider langsam gehen wird, so tief wie Alt-Regierenden die Karre in den grundlosen Sumpf gezogen haben.

Gregor Scharf am 19.11.25, 10:02 Uhr

AfD ist noch immer eine Wundertüte ohne richtiges Profil. Die hatten so viel Zeit und immense Steilvorlagen von der Konkurrenz und kriegen es nicht hin, Deutschland in den Mittelpunkt zu stellen, winken links nach Moskau, rechts nach Washington, leiern Phrasen herunter, die an auswendig gelernte Propaganda erinnern, wenn ich an Herrn Chrupalla denke und stehen sich selbst im Weg. Dabei ist die Doppelspitze von Beginn an hinderlich. Nur Deutschland und Europa zählen. Darauf liegt die Priorität. Wenn das wieder läuft und Muskeln aufbaut, lassen sich auch geopolitische Dinge regeln.

Jan Kerzel am 19.11.25, 08:01 Uhr

Man sollte die Sache nicht zu sehr verkopfen und ideologisch aufladen. Die Bürgerinnen und Bürger interessieren sich für überschaubare und diesseitige Fragen : Wie wird meine wirtschaftliche, finanzielle und soziale Lage in naher und weiterer Zukunft sein ? Wie steht es jetzt und zukünftig um meine Sicherheit und Freiheit ? Alle anderen Problematiken und Pseudoprobleme müssen ihnen erst propagandistisch nahegebracht und eingebläut werden. Allerdings gelingt dies nur mit mäßigem Erfolg. Das Russland-Feindbild ist zwar ein echter Klassiker, aber die Generation , die darauf sofort angesprungen ist, ist biologisch nur noch dünn vertreten. Auch das Systemangebot Russland und AfD im Doppelpack findet relativ wenig Anklang und ist mehr etwas für sowieso schon ganz Überzeugte. Rente, Geldentwertung, Staatsverschuldung , Deindustrialisierung etc. wären relevante Politikfelder. Der Ukrainekrieg, 2000km entfernt, hat da nur geringe Bedeutung, meist pflichtschuldigst verbunden mit einer moralischen Empörung. Das Christendesaster im Sudan und Nigeria, die Gaza-Tragödie etc. sind schon" out of area. " Dass bestimmte Konflikte innenpolitisch genutzt und instrumentalisiert werden, erkennen viele Bürgerinnen und Bürger. Auf den Esel könnt ihr euch mal draufsetzen, guten Ritt. Was aber nicht ins Konzept passt, wird bagatellisiert , marginalisiert oder ganz totgeschwiegen. Bei China haben sich unsere Chefideologen noch nicht eindeutig festgelegt. Hier sind also noch keine Bekenntnisse gefordert. Eine schwierige Sache, man hat Angst, der Schuss könnte voll nach hinten losgehen. Wenn unsere Politiker real auf dem heimischen Kraut-und-Rüben-Acker halbwegs erfolgreich tätig werden würden, dann wäre uns allen geholfen, und ihnen unter Umständen auch.

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