21.04.2021

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Bleiben beschädigt: Markus Söder (links) und Armin Laschet
Foto: paBleiben beschädigt: Markus Söder (links) und Armin Laschet

Politik

Bei den Christdemokraten wird es ungemütlich

Während jüngste Umfragen die Union im Tief sehen, offenbart die Kandidatur eines alten Bekannten die Stimmung in weiten Teilen der Basis

Klaus Kelle
07.04.2021

In Zeiten der Kanzlerschaft Helmut Kohls bezeichneten Medien die CDU oft als „Kanzlerwahlverein". Im Grunde genommen war sie das auch. Die unbedingte Geschlossenheit, alles dem großen Ziel, regieren zu wollen, unterzuordnen, das war das große Plus, das all die vielen Wahlerfolge der Union über Jahrzehnte möglich machte. Genau diese Geschlossenheit liegt jetzt, wenige Monate vor der „Schicksalswahl" am 26. September, in Trümmern.

Schon vor Jahren, als die AfD nach und nach in alle Parlamente einzog, vermuteten Beobachter, die deutschen Christdemokraten auf dem Weg der SPD oder schlimmer noch: der italienischen Christdemokraten, die heute bei Wahlen mit der Zehn-Prozent-Marke kämpfen. Andere schauten auf die österreichische Schwesterpartei ÖVP, die sich ein neues Programm, eine neue Farbe und einen Sebastian Kurz gönnte, und damit in gut eineinhalb Jahren eine vollkommen heruntergewirtschaftete Partei von 19 auf 38 Prozent in der Wählergunst hievte.

Doch die deutschen Unionsparteien haben keinen Kurz. Armin Laschet und Markus Söder, die zu Beginn der Corona-Krise zu strahlenden Sternen am Polithimmel avancierten, erscheinen ausgebrannt und überziehen sich zunehmend mit Unfreundlichkeiten. Wer immer Kanzlerkandidat wird von den beiden, er wird beschädigt bleiben. Doch wie glaubhaft werden dann gemeinsame Kundgebungen der beiden sein? Vielleicht bleiben aber auch – Corona macht's möglich – Wahlkampfauftritte untersagt, sodass sich die Herren nicht ständig mit vergifteten Freundlichkeiten begegnen müssen.

Erstmals seit Jahren besteht für die Union wieder die Gefahr, dass eine Bundesregierung ohne ihre Beteiligung möglich ist. In jüngsten Umfragen fehlen Rot-Rot-Grün noch ganze zwei Prozent zur eigenen Mehrheit. Und schaut man sich das Führungspersonal von Grünen und Linken bei Talkshow-Auftritten an, ihre Unkenntnis gravierender Fakten, ihre oft nicht nachzuvollziehende Naivität, dann sollte man beginnen, sich ernsthaft um die Zukunft unserer Kinder zu sorgen.

Niedergang nicht zwingend

Dabei gäbe es auch heute noch die Möglichkeit, die alte Volkspartei der Mitte wieder hochzubringen, vielleicht nicht an die 40 Prozent, aber an die 35 Prozent sicher. Dann nämlich, wenn die Parteiführung im Konrad-Adenauer-Haus einen Schritt auf den nach wie vor existenten konservativen Flügel zumachen und Politiker wie Friedrich Merz, Sylvia Pantel und Hans-Georg Maaßen in eine gemeinsame Strategie einbinden würde.

Doch sie können – oder wollen – es einfach nicht, die Apparatschiks, die es sich in den erfolgreichen Merkel-Jahren gemütlich gemacht haben und politischen Kampf, gar um Inhalte, völlig verlernt haben. Stattdessen werden innerparteiliche Kritiker wie die von der WerteUnion ausgegrenzt. Als in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass der frühere Verfassungsschutz-Präsident Maaßen, jahrzehntelang ein untadeliger Staatsdiener, beabsichtigt, in Thüringen als CDU-Kandidat für den Bundestag zu kandidieren, bebte die Union für einen Moment. Ein Konservativer? Für die CDU in den Bundestag? An der Basis beste Stimmung, doch in den Parteihäusern schieres Entsetzen.

Parteigeneral Paul Ziemiak griff zum Hörer und rief den Landesvorsitzenden Christian Hirte an, um zu erfahren, wie „sowas passieren konnte". Den Vogel aber schoss Marco Wanderwitz, Ostbeauftragter der Bundesregierung, ab, als er in einer ersten Stellungnahme die Kandidatur Maaßens in Thüringen als „Irrsinn" bezeichnete. Aus seiner Sicht – so wörtlich – sei „Herr Maaßen im Stil und Inhalt nicht mehr kompatibel mit der Christlich Demokratischen Union".

Und da hat er absolut recht, der Herr Wanderwitz, dessen Partei von den vergangenen 20 Wahlgängen in Deutschland 19 Mal verloren hat. Als Maaßen CDU-Mitglied wurde, pflegte die ganze Partei den Stil, den Maaßen auch heute noch ausstrahlt. Damals lag die CDU in der Regel immer über 40 Prozent.

• Klaus Kelle ist Publizist und Gastautor bei „Bayernkurier", „Welt am Sonntag" und „Focus online". Er zählt zu den einflussreichsten konservativen Kommentatoren in Deutschland. Zuletzt erschien sein Buch „Bürgerlich, christlich sucht...".
www.kellecom.de



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Kommentare

Zaun Gast am 11.04.21, 18:10 Uhr

Die Kehrtwende steht an, die amtierende wird noch einmal antreten, versprochen.....

Tom Schroeder am 09.04.21, 21:40 Uhr

Mein Lieblingsthema: Deutsche Tiefenpsychologie - die CDU ist ein Monarchisten-Verein, dem demnächst seine Königin abhanden kommt und man kann sich dann nicht mehr in ihrem Abglanz sonnen. Meine lieben Landsleute sind zu einem erheblichen Teil ähnlich gestrickt und so schauen wir mal wer der neue Thronaspirant wird. Echte Demokratie sieht anders aus - warum bin ich nicht Schweizer?. Wenn das naive Annalena-Dummchen oder der Kinderbuchautor tatsächlich Kanzler*****in wird, so werden die deutschen Kabarettisten, außer vielleicht so einer vom Schlage Urban Priols, die eigenen Veranstaltungen einstellen und stattdessen auf die Tagesschau verweisen, also Realsatire, die nicht mehr zu toppen ist. Glaubt irgend jemand, dass eine GRR-Koalition länger als 2 Jahre durchhält? Ich stelle dann auf jeden Fall jede Erwerbstätigkeit ein und lebe vom Staat, so wie viele unserer Sozialstaatsgäste (letzterer Begriff wird sogar von der Rechtschreibkorrektur anerkannt!). Nach dieser Zeit könnte eine neue Partei rechtskonservativ-liberaler Prägung der Merkel-CDU den Rest geben - wir werden schon noch die Weimarer Verhältnisse erreichen, Merkel sei Dank!

Frank Hermann am 08.04.21, 11:02 Uhr

Wenn die CDU Maaßen nicht will, sollen sie ihn mit aller Kraft unterstützen, dann wird er allen anderen suspekt sein.Mir ist völlig schleierhaft, wie der Autor jemanden wie Merz überhaupt für wählbar hält. kann man die Regierungs - "Geschäfte" ja gleich Black Rock überlassen. Das wäre dann zumindest ehrlich

Andreas Prieß am 08.04.21, 09:35 Uhr

Warum in aller Welt wünschen sich so viele einen Friedrich Merz herbei. Er vertritt das Kapital und ist ein Lobbyist .Die CDU ist unter Merkel nur noch ein trauriger Abnickverein und kann weg. Wenn die Menschen denken, mit den Grünen wird alles Sonnenschein, dann dürfen sie die Suppe am Ende auslöffeln die sie sich selbst eingebrockt haben. Deutschland schafft sich ab,jeden Tag ein bisschen mehr.

Chester Hammelmann-Dick am 07.04.21, 22:39 Uhr

Mit einem grünen Kanzler droht uns ein noch größeres Desaster als mit einem "Merkel"-Unionskandidaten (auch wenn die Grenzen immer mehr verschmelzen).
Viele Wähler sind sich scheinbar überhaupt nicht bewusst, welchen Teufel sie da an die deutsche Regierungsspitze wählen. Baerbock, Habeck, "unfähige, linksgrüne Kinder" an die Macht. Ein nicht allzu alter Artikel von Ihnen hat das sehr auf den Punkt getroffen und eine Problematik offengelgt, welcher man sich gar nicht bewusst ist. Habeck, Baerbock auf der Weltbühne mit China, Russland, USA? Danke! Die grundsätzlich antideutsche Haltung, die die Grünen in besonderem Maße einnehmen: Die Partei soll uns dann auf der Weltbühne repräsentieren und unsere Interessen durchsetzen. Dann wirklich gute Nacht Deutschland!

Christian Benthe am 07.04.21, 16:01 Uhr

Lassen wir die unaufgeweckte Wählerschaft doch mal auf den Abgrund zulaufen, damit sie bei Rot-Rot-Grün unter grüner Kanzlerschaft jäh aufschreckt. Am Ende ist der Schock vielleicht heilsamer als eine Endlos-Vorstellung versteckter, schleichender Zumutungen. Auf ins fröhliche Chaos !

89 erlebt Schlömmer am 07.04.21, 09:34 Uhr

Wie lustig. Solch eine mögliche Auferstehung der Kohl Truppe wird die Dame mit FDK Hintergrund ganz sicher nicht zulassen. Zudem sind viel zu viele Merkel Klatsch-Hasen auf ihre hoch dotierten Posten angewiesen. Diese Merkel Truppe wird im grünen Sozialisten Topf mit untergerührt, Land & Leute leider auch.

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