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Im Keramik-Museum zu Bunzlau: Jaro-slaw Sawicki präsentiert das Töpferhandwerk
Foto: WagnerIm Keramik-Museum zu Bunzlau: Jaro-slaw Sawicki präsentiert das Töpferhandwerk

Östlich von Oder und Neiße

Bunzlau entdeckt das „Bunzeltöpfern“ neu

Die Stadt hat für Jahrzehnte mit Töpfern gefremdelt – nun gibt es den Traum von einer Keramikgasse

Chris W. Wagner
23.08.2020

Vom 19. bis zum 23. August verwandelt sich der Ring im niederschlesischen Bunzlau [Boleslawiec] zum polenweit größten Keramikmarkt. Die Sprecherin der Stadt, Agnieszka Gergont, informierte darüber, dass die bereits 26. Auflage Corona-bedingt auf Massenveranstaltungen verzichten müsse. So fällt dieses Jahr der bunte Umzug durch die Stadt ebenso aus wie Konzerte verschiedener polnischer Stars. An mehreren Stellen in der Innenstadt werden jedoch Freilichtausstellungen präsentiert, Musik gespielt und Keramik-Flohmärkte organisiert.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatte die Bunzlauer Keramik eine große wirtschaftliche Bedeutung. Weltweit wurde diese Tonware für ihre besondere Feuerfestigkeit, aber auch für ihr unverwechselbares Dekor geschätzt. Früher fand man in fast jedem deutschen Haushalt Schmortöpfe, Kannen zum Warmhalten von Getränken auf der Herdplatte oder die braunen „Bunzeltöpfe" zum Kraut- und Gurkeneinsäuern.

Der Erfolg der Bunzlauer Keramik führte schnell zu Nachahmungen. Davor schützten sich die Töpfer in Bunzlau und Umgebung mit dem Markenstempel „Original Bunzlau". Mit der Vertreibung der Deutschen aus Niederschlesien nahm die Keramikproduktion ihr vorläufiges Ende, bis 1950.

Heute produzieren polnische Manufakturen in unterschiedlicher Größe in der Stadt wieder „Original Bunzlau" in hervorragender Qualität. „Charakteristisch für die Bunzlauer Keramik ist, dass diese Tonware nirgendwo anders hergestellt werden kann. Man kann zwar die Formen oder gar das Dekor nachmachen, aber unsere Produkte sind wie ein endemischer Baum (A.d.R. ausschließliches Vorkommen in einem begrenzten Gebiet), denn diesen weißbrennenden Ton findet man nur in unserer Stadt und im Kreis Bunzlau", so Gergont. „Um den vielen Besuchern über unser spezielles Produkt besser berichten zu können, habe ich gelernt, Bunzlauer Keramik herzustellen. Nun mache ich meine Schalen und Becher selber. Zuletzt habe ich für meinen Mann ein Sushi-Set gemacht", berichtet Gergont stolz.

Wer nach historischen Stücken und der Geschichte der Bunzlauer Keramik sucht, findet diese gleich in mehreren Museen der Stadt. Kornel Filipowicz, Leiter des Internationalen Keramik- und Kulturzentrums in Bunzlau, ist stolz auf das besondere Erbe der Stadt: „Wir nutzen dieses Erbe für uns und präsentieren es gerne. Wir sind für dieses Erbe verantwortlich. So haben wir das Vorkriegs-Keramikmuseum restauriert. Vor uns steht noch die Sanierung einer historischen Töpferei an der Brücke am Bober. Wir wollen auch den prächtigen Pückler-Palast renovieren – das einstige Jugendhaus und spätere Heim für behinderte Kinder wurde bereits dem Keramik-Museum übergeben."

Filipowicz zeigt den Besuchern gerne den gepflegten Bunzlauer Ring, auf dem zwar kein einziger Keramikladen zu finden ist, dafür aber viele bunte Symbole der „Keramik-Hauptstadt Polens", wie Bunzlau sich stolz bezeichnet. „Leider können wir keinen Einfluss auf die privaten Hausbesitzer am Ring nehmen, um dort Keramikgeschäfte einzurichten. Wir träumen zwar von einer Keramikgasse auf dem Ring, aber es ist Zukunftsmusik. Bisweilen laden Keramik-Bänke zum Verweilen ein, auch Informationstafeln aus typischer Bunzlauer Keramik informieren Besucher über Sehenswürdigkeiten. Keramik ist unser Leben!", so Filipowicz.

Seit über 20 Jahren setzt die Stadt auf ihr Alleinstellungsmerkmal und weltbekanntes Markenprodukt. Nun wissen auch die heutigen Bunzlauer, was in Bunzlauer Keramik steckt. „Bunzlauer Keramik hat sich im Bewusstsein der Bewohner eingeprägt. Schon allein, weil so viele Besucher kommen und diese besondere Keramik sehen und erwerben wollen. Dadurch erkannten auch die Hiesigen den Wert dieser Keramik. Jeder hatte zwar irgendeinen Bunzlauer Teller oder eine Tasse zu Hause stehen, auch kannte man die braunen Bunzloki (polnisch für Bunzeltöpfe), doch dieses Erbe wirklich zu schätzen, hat man erst kürzlich gelernt. Wir haben endlich erkannt, welch großartiges Erbe wir besitzen", freut sich Gergont und ist überzeugt, dass auch das
26. Bunzlauer Keramikfest ein Erfolg sein wird.



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