23.06.2024

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Kirchlich und weltlich

Das „Fürstenthum Cammin“

Vom pommerschen Bistum zum preußischen Landkreis

Thorsten Seegert
20.08.2023

Wer heute Cammin [Kamień Pomorski]besucht, kommt an dem stattlichen Dombau, der hoch über dem Camminer Bodden, westlich der Insel Wollin thront, nicht vorbei. Bedeutung erlangte der Flecken dank der Dänen. Diese hatten die Stadt Wollin zerstört, wodurch das 1140 gegründete pommersche Bistum 1176 in das besser befestigte Cammin verlegt wurde und somit Namensgeber und Bischofssitz werden sollte.

Interessant ist vielleicht, dass die Gründungsurkunde des Bistums von Papst Innocenz II. zwar Einkünfte, aber nicht Landbesitz bestätigte. Dennoch sollte eben jener Besitz an Flächen weitreichende Folgen haben: Zunächst auf kleine und verstreut liegende Besitzungen stützend, wurde 1240 schließlich das Land Stargard erworben. Dieses wurde bereits 8 Jahre später durch Bischof Konrad von Salzwedel gegen die westliche Hälfte des Landes Kolberg getauscht. Weitere Gebiete, wie die Herrschaft Naugard und Teile von Massow wurden zu Lehen gegeben oder verkauft. Auch das Land Lippehne in der Neumark sollte später an Brandenburg veräußert werden.

So verfügte man schließlich über die Mittel, um auch die fehlende Hälfte des Kolberger Landes vom pommerschen Herzog Wartislaw zu erwerben. Und so wurde das Kolberger Land mit den Hansestädten Kolberg und Köslin zum Kernland des Bistums Cammin, obgleich Cammin etwa 50 km von dessen Grenze entfernt lag.

Als nun 1295 Pommern geteilt wurde und die pommerschen Herzogshäuser Pommern-Wolgast und Pommern-Stettin entstanden, war das Bistum nicht von der Teilung betroffen. Streit kam dennoch auf, da der geistliche Besitz mitten im weltlichen Gebiet der „Wolgaster“ lag. Aus Angst, dass das Bistum reichsunmittelbar werden könnte, suchten die „Wolgaster“ Einfluss zu nehmen – auf die Besetzung des bischöflichen Stuhls, die Abhängigkeit des Stifts von den „Wolgastern“ und die Schutzherrschaft der Herzöge. Auch in den Teilungsverträgen von 1532 und 1541 behielten sich beide pommerschen Herzöge, Barnim XI. und Philipp, die Rechte über das Stift vor.

Auch zur Zeit der Reformation in Pommern machte das Herzoghaus seinen Einfluss geltend, so dass der Protestant und Kanzler Barnims, Bartholomäus Suawe, zum neuen Bischof wurde. Da sich jedoch die Stiftstände dagegen auflehnten, weil sie die Unabhängigkeit des Stifts gefährdet sahen und Unterstützung beim König und Reichskammergericht fanden, wurde Suawe durch den Protestanten Martin von Weyer abgelöst. Erst dieser neue Bischof wurde vom Papst bestätigt und vom König als Reichsfürst anerkannt. Nach dessen Tod im Jahre 1556 setzte das pommersche Herzoghaus dann einen Sohn Philipps und damit einen Vertreter ihres Hauses zum Bischof durch. Doch als das Herzoghaus im Jahre 1637 mit Bogislaw XIV. ausstarb, machte der brandenburgische Kurfürst seine Erbansprüche aus dem Vertrag von Grimnitz (1529) geltend. Mit Schweden, der Schutzmacht Pommerns, kam es allerdings erst im Westfälischen Frieden zu einer entsprechenden Einigung. Der letzte Bischof, der Herzog von Croy, wurde mit Geld und Land abgefunden, das Land des Stifts aus der kirchlichen Bindung gelöst und in eine weltliche Verwaltung eingebunden.

Dennoch war das Gebiet ein eigener Verwaltungsbezirk, erhielt zunächst die Bezeichnung „inkorporiertes Land“ und schließlich „Fürstenthum Cammin“. Als so im Zuge der Kreisreform 1724 geschaffener Landkreis mit der Kreisstadt Köslin existierte dieser Landkreis bis 1872. Dann wurde er in die Kreise Bublitz, Kolberg-Körlin und Köslin aufgeteilt. 

Info Jedes Jahr im Sommer ziehen Dom und Orgel bekannte Organisten und zahlreiche Zuhörer an. Noch bis zum 1. September 2023 findet bereits die 59. Auflage des Orgelfestivals am Camminer Haff statt. Die Konzerte beginnen immer Freitag um 19 Uhr.


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