26.10.2020

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Als Sozialdemokraten die Vertriebenen noch würdigten: SPD-Chef und Außenminister Willy Brandt (r.) mit Kanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU, M.) sowie dem CDU-Bundestagsabgeordneten und Präsidenten der Pommerschen Abgeordnetenversammlung, Hans Edgar Jahn (l.
Foto: paAls Sozialdemokraten die Vertriebenen noch würdigten: SPD-Chef und Außenminister Willy Brandt (r.) mit Kanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU, M.) sowie dem CDU-Bundestagsabgeordneten und Präsidenten der Pommerschen Abgeordnetenversammlung, Hans Edgar Jahn (l.

Gedenken

„Dem Senat absolut gleichgültig“

Berlin und die Heimatvertriebenen: Anfrage macht eine erschreckende Kälte sichtbar

Norman Hanert
09.10.2020

Zum Teil mit Herzblut, zum Teil auch aus wahltaktischen Erwägungen, haben sich Politiker aller Couleurs in den vergangenen Jahrzehnten für die Belange der Heimatvertriebenen eingesetzt. Berlins derzeitiger rot-rot-grüner Senat hat dagegen offenbar nicht einmal die Absicht, sein Desinteresse zu verbergen. Dieser Eindruck drängt sich zumindest bei den Antworten auf, die von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales auf eine parlamentarische Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus geliefert wurden.

Mitte September hatte der Abgeordnete Martin Trefzer (AfD) dem Senat eine Reihe von Fragen zum Thema „Berlin und die Heimatvertriebenen" gestellt. Der studierte Historiker wollte unter anderem wissen, wie viele deutsche Heimatvertriebene nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin eine neue Heimat gefunden haben und aus welchen Gebieten sie gekommen sind. Die Senatsverwaltung lieferte als Antwort:

„Geschätzt kamen die Heimatvertriebenen zu 95 Prozent aus Polen, ansonsten vorwiegend aus Rumänien, Estland, Lettland oder Litauen. Weitere Zahlen liegen nicht vor. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) erhebt selbst keine statistischen Angaben und wertet auch keine Fremdstatistiken aus."

„Herkunftsland Polen"?

In der Antwort fehlt jeder Hinweis auf die Tatsache, das die Herkunftsgebiete zum Zeitpunkt von Flucht und Vertreibung ganz überwiegend deutsch, nicht polnisch waren. Auch die vertriebenen Sudetendeutschen fehlen völlig, ebenso die Spätaussiedler. Folgt man der Logik des Senats, müsste mit Blick auf die Vertriebenen aus dem nördlichen Ostpreußen zudem eigentlich auch die Sowjetunion oder Russland als Herkunftsland genannt werden.

Bemerkenswert sind ebenso die weiteren Auskünfte des Senats: Wie aus der Antwort der Landesregierung hervorgeht, ist im Rahmenlehrplan 1-10 für Berlin und Brandenburg und im Rahmenlehrplan für die gymnasiale Oberstufe „die Geschichte der deutschen Heimatvertriebenen nicht explizit vorgesehen". Aufgegriffen werden kann das Thema nach Senatsangaben „aber im Zusammenhang mit der Behandlung der verheerenden Folgen der nationalsozialistischen Ideologie für Deutschland und Europa" oder auch „im Kontext der Verständigung und Aussöhnung der Bundesrepublik Deutschland mit Polen und Tschechien vor und nach 1989".

Nach Angaben der Senatsverwaltung ist die Geschichte der Heimatvertriebenen auch „kein Schwerpunkt in der Arbeit der Berliner Landeszentrale für politische Bildung". Sie „spielt aber bei Publikationen und Veranstaltungen zu Fragen der Nachkriegszeit eine Rolle".

Ebenso aufschlussreich sind die Zahlen, die der rot-rot-grüne Senat zur finanziellen Unterstützung der Vereine der Heimatvertriebenen nennt. Im Rahmen der Förderung des Bundesvertriebenengesetzes erhält in diesem Jahr beispielsweise die Sudetendeutsche Gesellschaft e. V. eine Förderung von 2480 Euro. Dem Berliner Landesverband der Vertriebenen e. V. wurden aus dem Landeshaushalt für sein Projekt „Miteinander" immerhin 73.500 Euro bewilligt. Zum Vergleich: Eine „Initiative für postkoloniales Erinnern in der Stadt" sind Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linkspartei) und der Bundeskulturstiftung über einen Zeitraum von fünf Jahren eine Förderung von über drei Millionen Euro wert. Wie aus der parlamentarischen Anfrage hervorgeht, macht Berlin auch keinen Gebrauch von der Möglichkeit, die Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen als Pate zu unterstützen. Fünf Bundesländer und viele deutsche Kommunen nutzen diesen Weg, um ein Zeichen der Solidarität mit den Heimatvertriebenen zu setzen.

Die entsprechende Nachfrage beantwortete der Berliner Senat: „Zur genannten Stiftung und der Patenschaft liegen hier keinerlei Erkenntnisse vor. Weder das Land Berlin noch die Bezirke haben von der Möglichkeit, Pate zu werden, Gebrauch gemacht." Insgesamt bewertete der Abgeordnete Trefzer die gelieferten Antworten als „ein Armutszeugnis für den Senat und die gesamte, sich sonst so weltoffen gebende Stadtgesellschaft". Zur PAZ sagte der wissenschaftspolitische Sprecher seiner Fraktion: „Die Antworten des Senats machen keinen Hehl daraus, dass dem Senat die deutschen Heimatvertriebenen und deren Nachkommen absolut gleichgültig sind. Man weiß nichts über sie und man will nichts mit ihnen zu tun haben."

Den Anstoß, eine Anfrage zum Thema „Berlin und die Heimatvertriebenen" zu stellen, hatte Trefzer das Verhalten der Landesregierung am 5. August 2020, dem 70. Jahrestag der Unterzeichnung der Charta der deutschen Heimatvertriebenen, geliefert. Innenminister Horst Seehofer (CSU) hatte eine bundesweite Beflaggung der obersten Bundesbehörden angeordnet. Auch Länder wie Bayern, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern würdigten den Jubiläumstag mit Flaggenschmuck. Berlin und Brandenburg verzichteten auf eine Beflaggung.



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Kommentare

sitra achra am 09.10.20, 09:53 Uhr

Diese herzlose Kälte der in Berlin-Brandenburg herrschenden Neobolschewisten ist ein Gradmesser für den moralischen Verfall einer Gesellschaft.
Wer seine eigenen Opfer nicht ehrt, hat keinen Anspruch auf Schonung im Erlebnisfall.
Ich glaube, dass diese perverse Mischpoche sich im Grunde selbst zutiefst verachten muss. Ihre soziale Kälte und die historische Ignoranz trägt eher psychopathische Züge. Man nennt diese psychische Reaktion auch Münchhausensyndrom per proxy. Der Proxy, d.h. die Opfer ihrer Verachtung sind die Vertriebenen, systematisch Ermordeten aus den immer de jure noch deutschen Gebieten und deren Nachkommen.
Es wäre die Pflicht jedes anständigen Deutschen, das Lügengebäude dieser Minusmenschen anzuprangern und ihnen ihre widerliche Propaganda in den Rachen zu schieben.
Diese Larven verstecken nicht ohne Grund ihre skandalöse Bösartigkeit hinter ihrem lächerlichen Kampf gegen rechts, der jeder Grundlage entbehrt, und hinter systematischer Geschichtsverfälschung, indem sie scheinheilig die problematische, aber historisch betrachtet, sehr kurze Periode des Nationalsozialismus instrumentalisieren und sie zum Gradmesser der Verurteilung eines gesamten Volkes und seiner langen Geschichte machen.
So sichern sie auf billigste und verwerflichste Weise ihren scheinbaren Machtanspruch, wobei sie leider bei der naiven Bevölkerung und gerade bei jungen Menschen auf Resonanz stoßen. Da ihnen keiner das Maul stopft, halten diese bedauernswerten Geiseln dieser niederträchtigen Strategie diese Obszönitäten für bare Münze. Viele von ihnen werden erst in reiferen Jahren dieses erpresserischen Psychoterrors und der manipulativen Nötigung gewahr.
Die PAZ ist eins von den wenigen Medien, die zu diesem viralen Thema aufklärt.
Vielen Dank für diesen aufklärerischen Artikel, Herr Hanert!

Siegfried Hermann am 09.10.20, 09:30 Uhr

Was erwartet ihr denn von diesen deutschophoben und fanatischen bunten Umvolkungsgläubigen!?
(Link Zitate: W. Schäubl, J. Fischer) Da kann einen nur im freundlichsten Fall Gleichgültigkeit und im radikalen Fall Hass und Hetze entgegen schlagen.
btw
konkrete Zahlen = schätzen
In Mathe waren linke und Grünen schon immer Nieten.

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