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Textilien

Die fleißigen Schneider vom Niederrhein

Ein Erbe handwerklich geschickter Mennoniten – Das Deutsche Textilmuseum in Krefeld präsentiert „Bürgerlichen Kleiderluxus“

A. Rüdig
26.02.2024

Krefeld ist die Stadt von Samt und Seide. Und das kommt nicht von ungefähr. Im 17. Jahrhundert hatten Mennoniten, die als Glaubensflüchtlinge aus katholischen Nachbarregionen in das neutrale Krefeld kamen, die örtliche Seidenindustrie begründet. Firmen, die Krawatten herstellen, vor allem aber das Deutsche Textilmuseum, sind heute noch sichtbare Zeichen eines früheren, längst vergangenen Wohlstands.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Wirtschaftsgeschichte der Stadt am südlichen Rand des linken Niederrheins. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wollte Krefeld im internationalen Vergleich konkurrenzfähig bleiben. Also gründeten sich zu dieser Zeit Schulen zur Aus- und Fortbildung von Webern und Färbern. Dabei wurde auch eine Lehrsammlung angelegt.

Der erste Einschnitt kam dann im Jahre 1880. Textilindustrielle kauften die Privatsammlung des Bildhauers Jakob Krauth aus Mannheim. Die so entstandene „Königliche Gewebesammlung“ kann als Vorläuferin des heutigen Museums angesehen werden. Denn nach dem Tod Wilhelms III. von Oranien kam Krefeld schon 1702 zu Preußen, weshalb sich dort viele Namen und Denkmäler aus der Preußen- und späteren deutschen Kaiserzeit erhalten haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zentrale Forschungsstelle für die Re­staurierung historischer Gewebe eingerichtet, mit der das neue Bundesland Nordrhein-Westfalen seine gefährdeten kirchlichen Textilschätze retten wollte. Beide Einrichtungen vereinigten sich 1975 und firmieren seit 1981 unter dem heutigen Namen.

Glaubt man Wikipedia, dann gehört das Deutsche Textilmuseum „zu den international wichtigsten Sammlungen mit historisch kostbaren Textilien und Bekleidung“. Die Sammlung des Hauses umfasst über 30.000 Objekte. Seidengewebe aus der Antike bis zur Neuzeit, afrikanische, indonesische, chinesische, japanische, türkische und persische Textilien, Gewebe aus dem alten Peru ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. sowie Jugendstilstoffe seien als Beispiele genannt.

Aufgrund der Empfindlichkeit der Textilien gibt es keine Dauer-, sondern nur Sonderausstellungen. „Prestigesache – Bürgerlicher Kleiderluxus im 18. Jahrhundert“ ist die aktuelle Sonderausstellung betitelt, die noch bis zum 16. Juni zu sehen ist. Das Krefelder Museum präsentiert dabei über 100 seidene Objekte aus seiner eigenen Sammlung. Opulente Damenroben gehören genauso dazu wie Herrenanzüge und Westen, Accessoires sowie textile Raumausstattungen. Das Erdgeschoss zeigt Lesetafeln und großformatige Zeichnungen an den Wänden, Stoffmuster sowie einige wenige komplette Damenkleider in Vitrinen. Hier steht die Wissensvermittlung im Vordergrund. Im Obergeschoss stehen konkrete Exponate im Vordergrund, leider auch nur in Vitrinen und auf Gemälden. Diese Etage hat also eher Schaucharakter.

Dass die Exponate größtenteils in Vitrinen ausgestellt sind, mag aus konservatorischen Gründen sinnvoll sein. Als Besucher würde man sich aber auch ein paar taktile Reize wünschen. Es wäre interessant zu wissen, wie sich verschiedene Seidenstoffe anfühlen. Drei Hörstationen bieten viele Hintergrundinformationen zur Seidengeschichte Krefelds. Daneben werden Führungen angeboten. Wer aber weiterführende Informationen, wie etwa zur Herstellung von Seidenbekleidung oder deren Handels- und Vertriebswege, haben möchte, wird sich an anderer Stelle schlau machen müssen.

Andreasmarkt 8, 47809 Krefeld www.deutschestextilmuseum.de


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