05.02.2026

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Aktuelle Allianz-Studie belegt

Die Jugend wird wieder wertkonservativer

Plötzlich wollen junge Menschen nicht mehr als progressiv gelten

Hagen Ritter
05.02.2026

Gemeinsam mit dem Sinus-Institut hat die Allianz Foundation im Sommer 2025 eine repräsentative Jugend-Umfrage in Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und Spanien durchgeführt. Ein Teil der Ergebnisse der Studie hat in den Medien beinahe besorgte Reaktionen ausgelöst. Denn dabei war die Rede von einem vermeintlichen „Rechtsruck der Jugend“ oder auch von einer rückwärtsgewandten jungen Generation. Dem Phänomen des „Backlash“, einer rückwärtsgewandten Gegenreaktion, widmeten die Studienautoren ein ganzes Kapitel.

Traditionell wird der jungen Generation eine treibende Rolle beim gesellschaftlichen Wandel zugeschrieben. Die Studie zeigt nun allerdings, dass offenbar eine Gegenbewegung in Gang gekommen ist. Laut der Umfrage gibt es eine durchaus relevante Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 39 Jahren, die sich zu einer Rückkehr zu traditionellen Werten bekennt. Demnach gaben 28 Prozent der in Deutschland Befragten an, sie würden sich nach früheren gesellschaftlichen Verhältnissen sehnen. In Frankreich sprach sich sogar mehr als ein Drittel der jungen Menschen für eine Rückkehr zu alten – vor allem bewährten – gesellschaftlichen Strukturen aus. Konkret sprach sich diese Gruppe für traditionelle Geschlechterrollen, weniger Zuwanderung und weniger Diversität aus.

Laut der Umfrage sind diese Ansichten besonders in der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren verbreitet. Allianz-Studienleiter Simon Morris-Lange sagt zu dieser Altersgruppe: „Als Jugendliche haben sie die Finanzkrise erlebt, zum Schulabschluss die große Zuwanderungsbewegung, der Berufsstart fiel in die Corona-Zeit, anschließend kam dann auch noch der Ukraine-Krieg.“

Die finanzielle Lage ist laut der Umfrage kein entscheidender Treiber für diese Einstellungen. Als wirtschaftlich benachteiligt bezeichnen sich 58 Prozent derjenigen, die sich nach einem besseren Gestern und seinen Werten sehnen;
42 Prozent sahen sich wirtschaftlich nicht benachteiligt. Allerdings gaben 75 Prozent der Gruppe, die frühere Werte befürwortet, an, sich politisch benachteiligt zu fühlen. Lediglich ein Viertel verneinte dies.

Auch beim Wahlverhalten zeigt sich, dass die persönliche wirtschaftliche Lage weniger entscheidend ist, als dies mit dem Bild der „abgehängten“ Jugendlichen gelegentlich vermittelt wird. Ganz unabhängig von ihrer eigenen finanziellen Situation gaben 44 Prozent der Befürworter traditioneller Werte an, sie wollten AfD wählen. Unter denjenigen, die sich als finanziell benachteiligt sehen, war der Anteil von AfD-Wählern mit 28 Prozent im Vergleich zur Gesamtheit aller befragten jungen Erwachsenen (20 Prozent) nur leicht erhöht.

Weit weniger Besorgnis als diese Umfrageergebnisse hat in etablierten Medien der Rest der Studie ausgelöst. Nahezu alle jungen Menschen – konkret 97 Prozent – gaben an, mindestens eine Form gesellschaftlicher Beteiligung ausgeübt zu haben, am häufigsten durch Wählen, verändertes Konsumverhalten oder Spenden.

Über 65 Prozent der Befragten bejahten, künftig in einer Gesellschaft leben zu wollen, in der sich Wohlstand nicht allein über wirtschaftliches Wachstum definiert. Auch unter den Befragten mit wertkonservativen Einstellungen machte die Zahl derjenigen, die sich eine Gesellschaft jenseits von Wirtschaftswachstum als Kernziel wünschen, über die Hälfte aus. Die Mehrheit der befragten Jugendlichen nahm die eigene Generation als politisch gespalten wahr. Jeder Zehnte erklärte, er sei zum Erreichen politischer Ziele bereit, auch illegale Mittel einzusetzen.


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