17.04.2024

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Heinrichswalde

Die lange Anreise einer Kirchenorgel

Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche erhält die Orgel eines inzwischen geschlossenen Hamburger Gotteshauses

Jörg Naß
25.02.2024

Nicht weit von Tilsit [Sowetsk] befindet sich der Ort Heinrichswalde [Slawsk]. Direkt am Ortseingang fällt ein Hinweisschild in den Blick, auf dem das Wort „Kirche“ in lateinischer und kyrillischer Schrift sowie die Jahreszahl 1869 mit einem Entfernungshinweis geschrieben stehen.

Es handelt sich um die evangelische Pfarrkirche, die heute als Sehenswürdigkeit gilt. Sie wurde 1869 im neogotischen Stil erbaut. Ab der Zeit der politischen Wende gehörte sie wieder der evangelisch-lutherischen Kirche. Im Jahr 2011 wurde sie an die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK) übergeben.

2013 wurde das Kirchengebäude dann an die Stadt verpachtet. Nach der Renovierung soll sie als Kulturkirche dienen. Vor ein paar Jahren wurde bereits eine Turmuhr montiert, im Januar dieses Jahres wurde eine Pfeifenorgel aus einer Kirchengemeinde in Hamburg-Sasel nach Heinrichswalde gebracht. Viele Kirchen werden derzeit in der Bundesrepublik umgenutzt oder abgerissen, dazu gehört auch die Lukaskirche in Sasel. Die Orgel dieser Kirche (Baujahr 1969) wurde für den symbolischen Preis von zehn Euro verkauft, mit dem Wunsch, sie möge wieder in einer Kirche aufgebaut werden.Es bot sich an, die Orgel nach Heinrichswalde zu bringen, da dort nach einer Pfeifenorgel für die Kirche gesucht wurde.
Das Originalinstrument des Orgelbauers Rohn aus Wormditt von 1870 war in der Sowjetzeit zerstört worden. Nach dem mehrwöchigen Abbau in Sasel wurden im Januar die Orgelteile mit einer Spedition ins Königsberger Gebiet transportiert. Zuerst ging es von Hamburg nach Heiligenbeil [Mamonowo] zur innerostpreußischen Grenze, doch dort durfte die Orgel nicht ausgeführt werden. Am litauisch-russischen Grenzübergang Kibarten [Kybartai] war die Ausfuhr aus der Europäischen Union in die Russische Föderation möglich. Die Orgelteile werden im Gemeindesaal der kleinen evangelischen Gemeinde gelagert, bis die Kirche soweit renoviert ist, dass an die Aufstellung der Orgel gedacht werden kann.
Das Projekt wurde von Anfang an finanziell und organisatorisch von der Kreisgemeinschaft Elchniederung unterstützt, auch die Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen hat zur Finanzierung beigetragen.


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