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Steinerner Ritter: Der Roland wacht über Lotte Lehmanns Geburtsstadt Perleberg
Foto: imago stock&peopleSteinerner Ritter: Der Roland wacht über Lotte Lehmanns Geburtsstadt Perleberg

Gesang

Die Prignitz im Opernfieber

Mit der „Lotte Lehmann Woche“ erinnert Perleberg an die berühmte Opernsängerin, die dort geboren ist

Silvia Friedrich
26.07.2022

Es hätte ihr mit Sicherheit sehr gefallen. Die Opernsängerin Lotte Lehmann lebte für die Musik, und ihre alte Heimat Perleberg in Brandenburg in einem musikalischen Rausch zu erleben, wäre sicher die Erfüllung eines Traumes gewesen. 1998 hat man ihr künstlerisches Erbe weitergeführt, indem die Stadt Perleberg eine Gesangswoche für jedermann ins Leben rief: die „Lotte Lehmann Woche“.

Nach großem Erfolg dieser Einrichtung, erwuchs daraus 2009 die „Lotte Lehmann Akademie“, eine Sommerakademie für junge hochbegabte Opernprofis, die hier durch fundierte Ausbilder einen ganz besonderen Schliff für ihre weitere Karriere bekommen sollen. Seit 2012 mit eigenem Akademiegebäude Am Großen Markt 12 angesiedelt, tummeln sich hier nun nicht mehr nur Gesangstalente aus der Region, sondern mittlerweile sogar aus den USA und Asien. Viele von ihnen haben mittlerweile Engagements an den großen Bühnen im In- und Ausland gefunden.

Im Rahmen der „Lotte Lehmann Woche“ finden auch Sommerkurse für jedermann statt, also für Laien, die den Wunsch verspüren, einmal vor Publikum aufzutreten. Bis in den August hinein finden zudem in und um Perleberg zahlreiche Opern- und Liederabende statt.

Charlotte Lehmann wurde am 27. Februar 1888 in Perleberg geboren und besuchte hier auch die Schule. Als sie 1902 mit ihren Eltern und ihrem Bruder nach Berlin umzog, trat sie in die Königliche akademische Hochschule für Musik ein. Dank eines Stipendiums konnte sie hier ihre Gesangsausbildung beginnen.

Bereits 1909/10 durfte sie sich über ein Engagement am Hamburger Stadttheater freuen und blieb dort bis 1916. Kein geringerer als der Komponist Richard Strauss wurde während eines Gastspiels in der Hansestadt auf sie aufmerksam und ermutigte sie, nach Wien zu kommen, wo sie ab 1914 auftrat und 1916 sogar ein Engagement erhielt. Auch die Salzburger Festspiele bereicherte sie durch ihre Kunst. In den 1920er Jahren gab sie viele Gastspiele, unter anderem in Prag, London, Chicago und weiteren Wirkungsstätten, sogar Südamerika und Australien waren dabei.

Häufig ist zu lesen, dass Lehmann eine Begegnung mit Größen des Nationalsozialismus wie Hermann Göring hatte, der ihr eine große Karriere versprach, wenn sie sich gewissen Forderungen beugte. So sollte sie sich von ihrem Ehemann Otto Krause, der jüdischer Abstammung war, trennen und nur noch innerhalb Deutschlands singen. Lehmann hat diesen Bedingungen nicht Folge geleistet. Die Künstlerin trat nach 1933 nicht mehr in Deutschland auf und verließ mit ihrem Mann im Jahr 1938 Österreich in Richtung USA, wo ihr Mann bereits ein Jahr später verstarb. Hier arbeitete sie an der Metropolitan Opera in New York und wurde 1945 US-amerikanische Staatsbürgerin.

Noch in dem Jahr zog sie sich zurück, gab noch Liederabende und war bis zu ihrem Ableben als Gesangslehrerin tätig. Die Sängerin war Mitbegründerin der „Music Academy of the West“ in Santa Barbara, in der große Künstlerinnen, wie Grace Bumbry ausgebildet wurden. Lehmann verstarb am 26. August 1976 im kalifornischen Santa Barbara. Ihre letzte Ruhe fand sie jedoch auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Lehmann war eine herausragende Künstlerpersönlichkeit, eine Sopranistin mit breitem Repertoire und einer italienischen Stimme, wie sie nur selten zu vernehmen ist. Das Stadtmuseum ihrer Geburtsstadt beherbergt inzwischen einen Teil des Nachlasses der weltberühmten Sängerin, darunter Dokumente und Archivalien zur Karriere. Alles das ist nach Anmeldung zu besichtigen.

Die Kurse für die Gesangswoche und die Akademie finden jährlich im Juli und August statt. Beliebt sind auch die an verschiedenen Orten in der Prignitz stattfindenden Konzerte der Teilnehmer. Im Rahmen der Jubiläumswoche zum 25-jährigen Bestehen der Gesangswoche wird das Museum der Stadt auch Gastgeber für ein Hofkonzert sein. Am selben Tag, dem
29. Juli, gibt es ein Lotte-Lehmann-Jubiläumsfest in Perleberg.

• Karten und Informationen bei der Stadtinformation Perleberg Telefon: (03876) 781522, Internet: www.lottelehmann-perleberg.de



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