13.01.2026

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Umbruch

Die Radikalen stehen am Pranger der Geschichte

Historisch bloßgestellt blickt Deutschlands Linke auf die Revolution im Iran. Und wer die linke Gefahr in Deutschland ignoriert hat, guckt nach Berlin

Hans Heckel
13.01.2026

Die Weltgeschichte ist erbarmungslos darin, jede noch so machtvoll verbreitete Lebenslüge irgendwann auffliegen zu lassen. Das linke Milieu in Deutschland erlebt dies gerade in mehrfacher Hinsicht. Dass ausgerechnet der Iran hier eine zentrale Rolle spielt, ist von beißender Ironie.

Das Land ist mit der jüngeren Geschichte der deutschen Linken nämlich geradezu schicksalhaft verbunden. Mit den Demonstrationen gegen den Schah-Besuch in Berlin 1967 nahm jene 68er-Bewegung ihren Anfang, die später die gesamte Republik umkrempeln sollte und deren Epigonen zwischenzeitlich die Meinungsmacht im Land nahezu vollständig an sich gerissen hatten.

Nun geht das iranische Volk in nie dagewesener Eintracht und ungeheurem Mut gegen jene Mullahs auf die Barrikaden, welche dem Schah 1979 unter dem Jubel der internationalen, auch der deutschen, Linken die Macht entrissen haben. Wie tief sich das linke Lager in Deutschland der Theokratie von Teheran verbunden fühlte, offenbarte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, als er den Mullahs 2019 feierlich als deutsches Staatsoberhaupt zu 40 Jahren „islamischer Revolution“ gratuliert hat. Unvergessen sind auch die Bilder der Grünen-Politikerin Claudia Roth, wie sie lächelnd und mit Kopftuch neben den Teheraner Potentaten posierte, derweil iranische Frauen, die das Tuch verweigerten, dafür im Kerker leiden mussten.

Linksparteichef Jan van Aken ist sich nicht zu schade, den mutigen Menschen im Iran selbst in diesen Tagen noch ideologische Ermahnungen um die Ohren zu hauen. Von Berlin aus dekretiert er: „Die Menschen im Iran müssen endlich ihr Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen können. Sie brauchen eine Demokratie, gegen die Ayatollahs, und auch gegen die Könige.“ Mit den „Königen“ meint er den Schah-Sohn Reza Pahlevi, der zur Galionsfigur der persischen Revolution aufgestiegen ist. „Pahlevi!“-Rufe schallen überall durch die Städte des Landes, wie die spärlichen Berichte, des es noch aus dem abgeriegelten Land schaffen, verbreiten. Das passt dem Chef-Genossen nicht, weshalb er die Iraner hier ideologisch an die Kandare zu nehmen versucht.

Der Iran der Mullahs ist das Epizentrum der globalen Radikalisierung des Islam. Große Teile der europäischen Linken haben sich mit den radikal-islamischen Bewegungen längst gemein gemacht und bilden eine Front, die man in Frankreich als „Islamogauchisme“ bezeichnet („gauche“ bedeutet links). Gemäßigt islamische, demokratisch-freiheitliche Kräfte, wie sie die Berliner Imamin Seyran Ateș oder der unermüdliche Aufklärer Ahmad Mansour repräsentieren, sind zum Feindbild der Einheitsfront von radikaler Linker und radikalen Moslems geworden und werden von beiden verbissen bekämpft.

Was die links-islamistische Front zusammenschweißt, ist der Hass auf den Westen, auf die Freiheit. Die anti-israelischen „Queers for Palestine“-Demos Seite an Seite mit Hamas-Anhängern, in deren Machtbereich Homosexualität mit dem Tod bestraft wird, markierten den Gipfel der Verirrung – und schließen den Kreis zum Iran, ohne dessen Unterstützung Terrorgruppen wie die Hamas nicht existenzfähig wären.

Die Ignoranz aus dem Kampf gegen den Westen hat auch auf den „Kampf gegen Rechts“ übergegriffen. In der atemlosen Wut auf alles Nicht-Linke wurden nicht nur „rechts“ und „rechtsextrem“ in eins gesetzt bis hin zu Parolen wie „Merz ist mitgemeint“. Gleichzeitig töteten die „Gegen Rechts“-Kämpfer planvoll jede Sensibilität für Gefahren für die Demokratie aus allen übrigen Richtungen ab. Dies gilt nicht allein für den radikalen politischen Islam, sondern auch für die extreme Linke.

Steinmeiers legendäre Fehltritte
Beispielhaft steht hier abermals der Bundespräsident. 2018 empfahl Steinmeier die linksradikale Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, weil sie sich „gegen Rechts“ engagiere. Dass sie in der Vergangenheit auch Gewaltphantasien gegen Polizisten verbreitet hat, spielte keine Rolle. Die damalige SPD-Chef Saskia Esken bekannte sich 2020 gar selbst als „Antifa“, und davon inspiriert tat es ihr der SPD-Vorstand für die gesamte Partei gleich mit.

Als die damalige CDU-Familienministerin Kristina Schröder 2011 verlangte, dass „NGOs“, die Steuergelder bekommen wollen, zuvor eine Erklärung abgeben sollten, dass sie und ihre Kooperationspartner wenigstens auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, hagelte es wütende Kritik von links. In dieser Grundstimmung konnte sich über die Jahre ein riesiger NGO-Komplex heranbilden, in dessen Gefilden nicht nur linke, sondern auch linksextreme Strömungen prächtig und üppig staatlich gefördert heranwachsen konnten.

In geduldeten Objekten wie der „Rigaer 94“ in Berlin konnten so Schnittstellen und Kooperationsforen entstehen, in denen die Frage nach der Verfassungstreue geradezu lächerlich wirken muss. Dass in diesem Morast eines Tages auch terroristische Gruppen gedeihen können, war vorhersehbar. Die völlige Hilflosigkeit, mit welcher der Staat auf die Anschläge der „Vulkangruppen“ auf die kritische Infrastruktur reagiert, sind die Frucht einer selbst gewählten Blindheit.

Nun prasseln die Folgen dieser doppelten Ignoranz – der extremen Linken wie dem radikalen Islam gegenüber – mit voller Wucht in die deutsche Debatte. Am Beispiel des Iran tritt zudem noch die ganze Verlogenheit einer Politik zutage, die hierzulande hinter jedem Pronomen „Frauenfeindlichkeit“ zu wittern vorgibt, derweil sie dem brutal frauenverachtenden Mullah-Regime herzlich zum Geburtstag gratuliert hat.

1979 nahm im Iran eine Bewegung ihren Siegeszug auf, die bis in die letzten Winkel unserer Städte ihre giftige Saht ausbringen konnte. Sie traf auf die hässliche Kumpanei einer radikalen Linken. Nun stehen beide am Pranger der Geschichte. Recht so.


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