26.11.2022

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British Broadcasting Corporation

Ein Leuchtturm des öffentlichen Rundfunks

Die BBC wird hundert Jahre alt und viel gefeiert. Sie hat das Land – trotz einzelner Skandale – über die Zeit positiv geprägt

Claudia Hansen
15.10.2022

Ihre Mission ist „im öffentlichen Interesse zu handeln, dem Publikum zu dienen mit unparteiischen, qualitativ hochwertigen und charakteristischen Sendungen und Services, die informieren, bilden und unterhalten“. So lautet der Auftrag der British Broadcasting Corporation (BBC) in der Royal Charter, einer Art Satzung, vergleichbar dem deutschen Rundfunkstaatsvertrag. Angesichts des Elends des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der sich eine eklatante links-ideologische Schlagseite und nachlassende Qualität leistet, blickt vielleicht mancher mit gewissem Neid und Sehnsucht hinüber zur BBC, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Vorbild für den neugegründeten Rundfunk in der britischen Besatzungszone dienen sollte. Noch heute gilt die BBC als Leuchtturm journalistischer Qualität mit weltweiter Ausstrahlung.

Nächste Woche wird die BBC 100 Jahre alt. Gegründet am 18. Oktober 1922 als „British Broadcasting Company“, fing sie einen Monat später mit den ersten Radiosendungen an. „Hello, hello. This is 2LO, the London station of the British Broadcasting Company calling! 2LO calling“, begrüßte Sprecher Arthur Burrows die damaligen Hörer, geschätzt zehntausend waren es. Das Programm bestand aus einem kurzen Nachrichten- und Wetterbericht. Später kamen Musik, Unterhaltungssendungen wie „Woman's Corner“, Hörspiele und Fußballübertragungen hinzu.

Royal Charter der BBC

In den ersten fünf Jahren war die BBC eine private Gesellschaft, getragen von Radiogeräteherstellern. Erst 1927 übernahm der Staat sie, die Royal Charter garantierte aber weiter die redaktionelle Unabhängigkeit. Der legendäre erste BBC-Generaldirektor John Reith hatte auf dieser Unabhängigkeit auch bestanden, als der Generalstreik 1926 das Land lahmlegte und Winston Churchill Premierminister Stanley Baldwin drängte, der Staat müsse die Kontrolle über die Nachrichten übernehmen. 1932 baute die BBC ihr modern-monumentales Broadcasting House, das neue Sendergebäude in London nahe dem Oxford Circus und der Regent Street, das noch heute dort steht. Ab 1936 begann die BBC mit regelmäßiger Fernsehübertragung. 1938 kam BBC Arabic, der erste Radiosender in ausländischer Sprache hinzu, kurz darauf auch ein Deutscher Dienst.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Rundfunk zu einem wichtigen Instrument der britischen Kriegsanstrengungen. Am 3. September 1939 übertrug die BBC die Radioansprachen von König George VI. und Premier Neville Chamberlain zur Kriegserklärung an Deutschland, 1940 sprach General Charles de Gaulle über den BBC-Sender zur französischen Résistance. Die BBC trug auch entscheidend zur Verbreitung von Churchills „V for Victory“-Zeichen bei. 1943 schickte das BBC-Radio sogar zwei Reporter mit in einem „Lancaster“-Bomber, die einen Luftangriff auf Berlin – in bemerkenswert ruhigem Ton – kommentierten. Der Kriegspremier selbst sprach immer wieder im Rundfunk.

Auch in Deutschland hörten unzählige Menschen im Krieg auf „umgerüsteten“ Volksempfängern das deutsche BBC-Programm, allerdings unter großer Gefahr, denn dem Feindsender zu lauschen war illegal. Wer erwischt wurde, konnte im Zuchthaus landen oder sogar zum Tode verurteilt werden. Nicht wenige Emigranten arbeiteten für den BBC-Dienst, Thomas Mann etwa zeichnete Vorträge und Reden für sie auf.

Nach dem Krieg wurden in der britischen und US-amerikanischen Besatzungszone nach dem Vorbild der BBC der öffentlich-rechtliche Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR), der Vorläufer des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und des Norddeutschen Rundfunks (NDR), gegründet. Auch hier das Ziel, einen öffentlich finanzierten, aber nicht staatlich kontrollierten Rundfunk zu etablieren. Ob der Anspruch – Staatsferne, Neutralität und Objektivität – wirklich im täglichen Programm erreicht wird, darf bezweifelt werden.

Auch der britische Rundfunk bekam in der Nachkriegszeit nach Ansicht vieler Beobachter eine zunehmende linke politische Schlagseite. In der BBC arbeiteten zahlreiche Journalisten, die aus ihrer Nähe zur Labour-Partei kaum einen Hehl machten, viele waren erklärte Sozialisten. Besonders sichtbar war das in den 1970er und 1980er Jahren. Margaret Thatcher musste ihre Wahlsiege gegen einen offensichtlich feindlichen Rundfunk erringen. Ein konservativer Abgeordneter nannte die BBC damals wegen ihrer dunkelroten Zellen sogar „die Bolschewistische Broadcasting Corporation“. Umgekehrt klagten dann und klagen noch heute manche Linke, dass die BBC-Spitze von Tory-Regierungen mit konservativen Vorsitzenden und Generaldirektoren besetzt werde.

Vorbild des NWDR, WDR und NDR

Bis heute gefällt sich der Sender in der Pose, den Mächtigen den Spiegel vorzuhalten. Vor dem Rundfunkhaus in London steht eine Statue des einstigen BBC-Mitarbeiters George Orwell, in die Steinfassade ist sein Ausspruch eingemeißelt: „Falls Freiheit überhaupt irgendetwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.“ Der BBC-Rundfunkriese, der mit einem Budget von mehr als vier Milliarden Pfund – über viereinhalb Milliarden Euro – und mehr als 20.000 Mitarbeitern bis heute im audiovisuellen Bereich in Britannien dominiert, ist immer wieder scharf in die Kritik geraten.

Vor allem Konservative werfen der BBC einen gewissen „Bias“ (Schlagseite) vor. In den Jahren der Brexit-Debatten bezeichneten die Brexit-Freunde die BBC als „Brexit Bashing Corporation“ – die Brexit-Gegner allerdings klagten, dass Brexit-Trommler wie Nigel Farage in Talkrunden und zu Interviews eingeladen seien. Unter Linken ist es zur Gewohnheit geworden, Angriffe auf die BBC zu bejammern. Die amtierende Tory-Regierung hat in den vergangenen drei Jahren mehrfach Vorstöße gemacht, die „Licence Fee“, eine Art Rundfunkgebühr, abzuschaffen, doch kam sie damit nicht weiter. Allerdings muss die BBC sparen und Stellen streichen.

Zu den größten Skandalen und Affären zählte, dass die BBC über Jahrzehnte den DJ und „Entertainer“ Jimmy Savile beschäftigte, aber über dessen sexuellen Missbrauch von Dutzenden, wenn nicht gar Hunderten Kindern hinwegsah und Hinweise unterdrückte. Erst nach seinem Tod 2011 wurde der massenweise pädophile Missbrauch untersucht und bedauert.

Ein zweiter großer Skandal, der die BBC-Reputation nachhaltig beschädigte, war das „Panorama“-Interview des Journalisten Martin Bashir mit Prinzessin Diana, in dem Bashir die damalige Noch-Ehefrau von Prinz Charles unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zum offenherzigen Reden brachte. Diana sprach damals vor geschätzt 200 Millionen Zuschauern weltweit über Charles' Ehebruch mit Worten wie: „Es gab drei in unserer Ehe, es war also ein bisschen überfüllt.“ Die BBC entschuldigte sich im Jahr 2020 reumütig, als sie den Betrug ihres Mitarbeiters, der Diana gefälschte Unterlagen gezeigt hatte, erstmals voll zugab.

All dies – die Geschichte mit Höhen und Tiefen – wird nun beim Jubiläum der BBC begutachtet. Die BBC lässt in einigen Sendungen in eigener Sache ihre Historie Revue passieren. Insgesamt feiert sich der britische öffentliche Rundfunk in einem Maße, das auch die Wertschätzung der Bevölkerung widerspiegelt.



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