25.10.2020

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Der Wochenrückblick

Eine Schippe drauf

Warum Häme über die „taz“ ganz unangebracht ist, und wer wohl als nächstes nicht mehr zählt

Hans Heckel
04.07.2020

Hoppla, da haben wir uns aber vertan. In „Aufgeschnappt" vom 26. Juni haben wir das Fußballspiel mal eben nach Burnley verlegt, das in Wahrheit in Manchester stattfand. Und dann ist uns auch noch der akute Anlass entgangen, aus dem der Flieger die Losung „Weiße Leben zählen" über der Arena wehen ließ: Zuvor hatte ein 25-jähriger Libyer drei weiße Briten im Alter von 36 bis 49 Jahren am helllichten Tag in einem Park im südenglischen Reading ermordet, kurz nach einer „Black Lives Matter"-Demo in derselben Grünanlage. 

Dieser Zusammenhang wurde von Politik und Medien nicht so groß herausgestellt, weshalb auch wir ihn zunächst übersahen. Der Briten-Premier sprach lediglich von einer „sinnlosen Attacke", dankte den Einsatzkräften und sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. Wie man das eben so sagt, wenn Täter und Opfer dergestalt sortiert sind, dass die zeitgemäße politische Botschaft damit nicht untermauert werden kann. 

Zwei Autostunden entfernt, in der altehrwürdigen Universitätsstadt Cambridge, twitterte derweil Priyamvada Gopal, Professorin für postkoloniale Literatur: „White Lives don't matter" (Weiße Leben zählen nicht), und setzte als Reaktion auf empörte Kritik noch verschärfend nach: „Ich werde es noch einmal sagen. Weiße Leben zählen nicht ... Weißsein abschaffen." 

Während im Falle des Stadion-Banners die Polizei ermittelt, der Fußballklub von Burnley sich öffentlich schämt und der Flugplatz, wo die Maschine gestartet ist, beteuert, nichts von der Aktion gewusst zu haben, die man „beleidigend und verwerflich" finde, erfreut sich Frau Gopal der felsenfesten Unterstützung ihres Arbeitgebers, der verbreiten lässt: „Die Universität (Cambridge) verteidigt das Recht ihrer Akademiker, ihre eigenen rechtmäßigen Meinungen zu äußern, die andere umstritten finden mögen, und verurteilt Schmähungen und persönliche Angriffe, die vollkommen unangebracht sind und aufhören müssen, aufs Schärfste." 

Also die „Schmähungen und Angriffe" gegen Professorin Gopal natürlich, nicht die gegen Menschen weißer Hautfarbe. Die zählen ja nicht und gehören abgeschafft – was man höchstens umstritten finden „mag". Wie feinsinnig heutzutage zwischen „verwerflich" und „möglicherweise umstritten" unterschieden wird, können wir auch in Deutschland bewundern. Wenn die „taz" Polizeibeamte als „Müll" bezeichnet, ist das Meinungsfreiheit, die geschützt werden muss. Das musste, nachdem er erst gegen die „taz" klagen wollte und Merkel ihn zurückgepfiffen hat, sogar Horst Seehofer begreifen. 

Als nun aber herauskam, dass ein mutmaßlicher Polizeibeamter die randalierenden Angehörigen der Stuttgarter „Event- und Partyszene" auf einer Tonspur als „Kanaken" titulierte, war unsere Geduld umgehend am Ende. Da fährt der Rechtsstaat seine Krallen aus: Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Zumal der Mann noch mehr gesagt hat, Sachen wie „Spitze des Eisbergs" und – noch unverzeihlicher – „das, was ihr geholt habt". 

Mit „ihr" hat er wohl die hohe Politik, voran die Kanzlerin („Nun sind sie halt da") und die „Willkommens"-Aktivisten gemeint. Kritik an denen ist grundsätzlich Hass und Hetze, das hätte der Kerl wissen müssen. Sobald man ihn aufgespürt hat, wird es ihm gebührend an den Kragen gehen. 

Die „taz" ist wegen des Müll-Beitrages zur Zielscheibe von „Beleidigungen" und „Bedrohungen" geworden. Das ging soweit, dass die Macher des Blattes die Polizei eingeschaltet haben. Ja, die Polizei. In öffentlichen Debatten werden wir selbstverständlich ermahnt, dass Häme hier gänzlich unangebracht sei. Das versteht sich von selbst, und Häme liegt uns ja ohnehin fern. Mein Gefühl ist eher mit „tiefster Genugtuung" trefflich erfasst. Aber ob sich die Beamten, welche die „taz"-Chefredakteurin Barbara Junge zum Gespräch über den Schutz ihrer Müll-Autorin Hengameh Yaghoobifarah gebeten hat, ein Grinsen verkneifen können – wer weiß? Wenn die das schaffen, haben sie unseren Respekt noch mehr verdient als ohnehin. 

Junge jammert, dass Leute wie Yaghoobifarah „selbst mehrfach zum Ziel rassistischer Beleidigungen und Bedrohungen" würden. Wer das Bild der Autorin gesehen kann, wundert sich. Die Haut ist so blass, so weiß wie das jener Mädels, die man in meiner norddeutschen Jugendzeit als „Schneehühner" veräppelt hat. Und Schwarzhaarige hat es hier schon immer gegeben. Aber egal, man ist halt immer so diskriminiert, wie man sich fühlt. Seitdem das Gefühl, diskriminiert zu werden, zu einem handfesten Vorteil bei der Karriere geworden ist, legt man eben gern noch eine Schippe drauf. Und wenn die deutschen Bleichgesichter einfach nicht „rassistisch" reden wollen, dann pöbelt man sie eben solange wegen ihres Deutsch- und Weißseins an, bis ihnen eine trotzige Erwiderung herausrutscht – bumm, Falle zu: alles Rassisten! 

Da der Feldzug gegen den Rassismus immer grotesker und selbst rassistischer (gegen Weiße) wird, kommt es mehr denn je darauf an, jede entlarvende Widerrede zu ersticken. Da machen wir gute Fortschritte: Ein Konzern nach dem anderen storniert seine Werbung bei Facebook, weil das Portal nicht ausreichend dafür sorge, dass „Hasskommentare" und „Falschmeldungen" von seinen Seiten verschwinden. Unter den aufrecht vor dem Zeitgeist Knienden tummeln sich prominente Namen wie Coca-Cola, Starbucks, Unilever, Honda oder die Wanderkleidungsmarken North Face und Patagonia. 

Ein wenig hat die wachsende Beflissenheit natürlich mit dem langsam heißlaufenden US-Präsidentschaftswahlkampf zu tun. Eine besonders böse Masche des Erzbösewichts Trump und seiner finsteren Anhänger besteht ja darin, sich über die sozialen Medien direkt an die Wähler zu wenden, statt sich von den linksgrünen Sendern und Zeitungen artig totschweigen oder widerspruchlos anprangern zu lassen. Diese arge Hinterlist soll durchkreuzt, die Kanäle sollen zugestopft werden. 

Schließlich sollen Trump und seine ganze weiße Bagage nicht bloß besiegt, sie sollen „abgeschafft" werden, also für immer weggemacht. Fanatismus füttert sich selbst und wird dabei in seinen Zielen immer ehrgeiziger, bis irgendwann nur noch die Vernichtung des Feindes übrigbleibt. Danach fallen die Fanatiker zumeist über ihresgleichen her. 

Wenn weiße Leben heute schon nicht mehr zählen, könnten die schwarzen Leben als nächste drankommen. Die Gründerin und Chefin der „Tierrechtsorganisation" PETA, Ingrid Newkirk, ließ schon 1990 verlauten: „Die Menschheit ist wie ein Krebsgeschwür gewachsen. Sie ist der größte Pesthauch des Planeten." 

Was macht man mit Krebsgeschwüren? Man tötet sie. Newkirk spricht nicht bloß von der weißen Menschheit, sondern von der ganzen. Mal sehen, wann ihre Losung zur Parole der nächsten linken Bewegung wird. Ob linke Schwarze dann ebenso eifrig gegen sich selbst demonstrieren und randalieren werden, wie es linke Weiße heute schon tun?



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Kommentare

sitra achra am 06.07.20, 09:54 Uhr

Was hilft alle Erkenntnis, wenn die gesamte Gesellschaft den Bach hinuntergeht? Es grenzt an Folter, wenn man sehenden Auges dabei zuschauen muss, wie die Menschheit sich selbst abschafft.
Dabei spielt die Hautfarbe im Grunde keine Rolle. Parasiten gibt es unter jeder Couleur.
Gemeinsam ist ihnen thanatos, der Selbstzerstörungs- und Todestrieb.
Wenn die agonalen Kräfte dominieren, steht eine gewaltige Menschheitskatastrophe bevor. Art und Ausmaß dieser Apokalypse entziehen sich unserem Vorstellungsvermögen. Wer hätte schon die Katastrophen des 20. Jahrhunderts prognostiziert?
Wollen wir hoffen, dass wir noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen.
Aber wie soll man die aggressive Grundstimmung weltweit aufheben. Om mane padme hum?

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