02.02.2026

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Die Panoramaluftaufnahme zeigt das heutige Königsberg mit Nordbahnhof und Kirche, wobei für die Stadt auch heute noch die vielen kleinen Flussläufe charakteristisch sind, die vom einstigen Feuchtgebietsboden zeugen
Bild: IMAGO / DepositphotosDie Panoramaluftaufnahme zeigt das heutige Königsberg mit Nordbahnhof und Kirche, wobei für die Stadt auch heute noch die vielen kleinen Flussläufe charakteristisch sind, die vom einstigen Feuchtgebietsboden zeugen

Ursprung und Abstammung

Gestatten, wir sind die Königsberger Stadtteile

Warum sie heißen, wie sie heißen

Wolfgang Kaufmann
02.02.2026

Der Deutsche Orden errichtete im Jahre 1255 am Unterlauf des Pregel eine Ordensburg, die zu Ehren von König Ottokar II. Přemysl von Böhmen „Castrum de Conigsberg“ genannt wurde. Nomen est omen – denn diese bildete die Keimzelle für die Stadt Königsberg, die ihre endgültige Gestalt allerdings erst 1724 durch die Vereinigung der Altstadt mit dem Löbenicht und dem Kneiphof erhielt. Vor dem Hintergrund der wechselvollen Geschichte von Königsberg sowie der besonderen Lage in Flussnähe und auf sieben Hügeln am Fluss Pregel erhielten die einzelnen Stadtteile Namen mit einer sehr unterschiedlicher Wortherkunft.

Von den Ordensrittern und den in deren Gefolge eingetroffenen deutschen Siedlern rühren Bezeichnungen wie Altstadt, Burgfreiheit und Jerusalem her, wobei die Letztere an die Gründung des Ordens im Heiligen Land erinnern sollte. Darüber hinaus spielten die speziellen Gegebenheiten vor Ort eine wichtige Rolle. Der Roßgarten war ursprünglich eingezäuntes Weideland und der Steindamm diente ebenso wie der Weidendamm als trockene Verbindung zwischen den Vorstädten und dem Schloss – zum Teil bebaut mit Speichern. Auf die Lage im Überschwemmungsgebiet des Pregel wies wiederum der Name Nasser Garten hin. Zudem fanden die Anhöhen rund um die Ordensburg bei der Taufe der Ortsteile Berücksichtigung: So dürfte der Haberberg als eiszeitlich entstandene Moräne im Urstromtal des Pregel anfänglich einfach ein „Berg am Haff“ gewesen sein.

Und da die ersten Siedler im Raum Königsberg vielfach aus der Landwirtschaft kamen, schlug sich das dann auch in der Benennung der Stadtteile nieder: Die Bezeichnungen Hufen, Mittelhufen und Vorderhufen wurden ganz offensichtlich von dem in Süddeutschland verbreiteten Flächenmaß Hufe abgeleitet, das zugleich eine Wirtschaftseinheit beschrieb, deren Bearbeitung gerade noch durch eine einzelne Familie erfolgen konnte. Des Weiteren ergab sich aus der Existenz etlicher Mühlen südlich des Alten Pregels der Name Mühlenhof für den dortigen Stadtteil.

Mit im Spiel: Wassergöttin Rasyte
Diese deutschen Wortschöpfungen konkurrierten allerdings mit vielen anderen, bei denen Begriffe aus den baltischen Sprachen Prußisch und Kurisch Pate gestanden hatten. So nahmen die Stadteilnamen Kneiphof, Laak, Lauth, Löbenicht, Lomse, Ponarth und Rosenau ebenfalls auf die Lage Königsbergs am Fluss oder inmitten von Feuchtgebieten Bezug. Sie sind Ableitungen aus Termini wie „Knypabe“ (überschwemmt werden), „Lak“ (Sumpfgebiet), „Lutum“ (Schlamm), „Loba“ (Flusstal), „Lumpsin“ (morastiges Bruchland), „Panartan“ (fließen) und „Rasa“ (Feuchtigkeit), wobei hier aber auch die Wassergöttin Rasyte gemeint gewesen sein könnte. Gleichermaßen spiegelten sich die umliegenden Wälder in den Namen wider. Das spätere vornehme „Geheimratsviertel“ Tragheim war für die Prußen ursprünglich nur ein Dorf (Kaimas) auf einer Waldlichtung (Trakas).

Juditten an der Nordseite des Pregeltals wiederum entstand in einer Landschaft, welche die Prußen als „Juodas“, also „schwarz“ oder „finster“ charakterisierten. Ebenso stellten die Ureinwohner des Gebietes von Königsberg ihrerseits Beziehungen zur Landwirtschaft her: Lawsken beispielsweise basiert auf dem prußischen „Laukas“ für Feld oder Acker.

Und auch sonst enthalten die Namen der Königsberger Stadtteile etliche weitere Bezüge auf die materielle und geistige Welt der Prußen. Cosse beruht auf dem prußischen „Kusselis“ für kleine, verkrüppelte Bäume, Palwehof auf dem Begriff „Palwe“ für unbeackertes Weideland und in Maraunenhof steckt der prußische Personenname Marun. Devau wiederum, also die Bezeichnung für den Standort des späteren Königsberger Verkehrsflughafens, weist auf eine alte vorchristliche Kultstätte hin, denn „Deywis“ lässt sich am ehesten mit „Gottheit“ übersetzen. Bemerkenswert sind zudem auch die auf den ersten Blick urdeutsch klingenden Namen Kalthof und Sackheim. „Kalthof“ bezeichnet einen Platz, an dem Metall bearbeitet wurde, denn im Prußischen bedeutete „kalt“ schmieden oder schlagen, und „Kalte“ war die prußische Bezeichnung für Münze. „Sackheim“ hingegen setzt sich aus „Saks“ (Kiefernharz) und „Kaimas“ (Dorf) zusammen. Ebenso ist Neue Sorge prußischen Ursprungs, obwohl die Legende besagt, der Ordenshochmeister hätte über eine neue Sorge geklagt, als ihm die Gründung dieses Stadtteils gemeldet wurde. Tatsächlich ging es hier aber um einen Wachtposten der Prußen, denn „Wächter“ hießen bei diesen „Sargs“.

Mehrheitlich nicht deutsch
Außerdem wären da noch Contienen und Quednau. Erster Stadtteil, in dem später etliche Hafenanlagen und Schiffswerften entstanden, erhielt einen nehrungskurischen Namen, dessen Hintergrund aber unklar bleibt. Denn „kantinis“ lässt sich am ehesten mit „kantig“ oder „eckig“ übersetzen. Dagegen liegt der Bezeichnung Quednau das prußische Wort „Kweita“ (Blume) zugrunde. Insofern hatte die Mehrheit der Königsberger Stadtteile einen nichtdeutschen Namen, was von der Stärke des kulturellen Einflusses der baltischstämmigen Urbevölkerung Ostpreußens auch und gerade im Bereich der späteren Provinzhauptstadt am Pregel zeugt


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