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Die närrische Zeit hat wieder ihre heiße Phase erreicht – Auch abseits der Karnevalshochburgen herrscht eine große Faschingsvielfalt
In den Medien wird – was die närrische Jahreszeit (also Fasching, Fastnacht, Karneval) betrifft – vor allem aus den rheinischen Hochburgen Mainz, Köln und Düsseldorf berichtet. Doch auch andere Regionen weisen vielfältige und meist auch traditionsreiche Bräuche auf. Begeben wir uns also auf eine Faschingsreise durch die Oberpfalz, einen der sieben Regierungsbezirke Bayerns.
Bleiben wir kurz noch bei den Medien. Aus dem Fernsehen, von der jährlich ausgestrahlten „Fastnacht in Franken“, ist die in der Nordoberpfalz beheimatete „Altneihauser Feierwehrkapell'n“ bekannt. Deren Kommandant Norbert Neugirg frotzelt dabei immer wieder gerne gegen die Franken – und natürlich auch zu allerlei politischen und gesellschaftlichen Themen.
Starten wir in der Bezirkshauptstadt Regensburg. Der aus Mainz stammende Arzt Carl Wolfgang Gerster (1813–1892) war hier maßgeblich für die Gründung der Karnevalsgesellschaft „Narraconia“ (heute „Narragonia“) verantwortlich. Am
24. Februar 1848 wurde die Vereinigung nach längerer Vorlaufzeit zugelassen. Sie ist die älteste derartige Vereinigung in Bayern und – mit Unterbrechungen – bis heute aktiv. Sie diente darüber hinaus – zeitversetzt – als Blaupause für viele weitere Vereine gleichen Namens im näheren und weiteren Umkreis Regensburgs.
Die ältesten Dokumente für das Feiern der Fastnacht stammen aus dem 13. Jahrhundert. Klosterrechnungen verraten, dass dort üppig getafelt wurde, ehe dann in der Fastenzeit Bruder Schmalhans Küchenmeister war. Aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist für mehrere Städte das Pflugziehen überliefert, das heute in einigen Orten der Nordoberpfalz als Ausackern der Fastnacht ausgeübt wird. Doch auch das Ausgraben einer Strohpuppe oder Ausrufen wird in verschiedenen Formen praktiziert. Ein Unikat bilden seit 1923 die Kirmweiber in Hemau. Als alte Frauen verkleidete Männer ziehen am Sonntag nach Dreikönig durch die Wirtshäuser und kündigen den Beginn des Faschings an.
Vielerorts sind auch traditionelle Fastnachtsfiguren unterwegs. Dabei handelt es sich im Westen der Oberpfalz um Formen der besonders im benachbarten Mittelfranken vielfach verbreiteten Flecklashexen. In der Oberpfalz sind es die Schecken in Töging, die um den Sebastianstag ihr Unwesen treiben. Eine Adaption davon gibt es sogar mit dem „Hoderscheck“ in Gleiritsch.
„Manna, tauscht's d'Weiber um“
Von den Fosnatnigln in Sulzbürg gibt es eine ähnliche Figur in Mitterteich. Die Flecklmanner in Lupburg sind zum Faschingsende aktiv und finden sich als Motiv der Faschingsorden für die Aktiven des Lupburger Maschkerer-Vereins. Darüber hinaus gibt es Bären (in Freystadt) und Hexen (in Amberg und Dietldorf). Gemein ist all diesen Figuren, dass sie von Kindern geneckt werden, mit Lärm von Haus zu Haus ziehen oder von einem Treiber mittels Ziehharmonika oder Teufelsgeige zum Tanzen gebracht werden.
Musik gehört auch zu den zahlreichen Bräuchen im Kontext des Ausspielens und Aussingens. Hier sind die Formen überaus vielfältig. Bleiben wir in der westlichen Oberpfalz. Im bereits genannten Städtchen Hemau bilden heute die Waschweiber die einzige verbliebene Gruppe, die – meist am vorletzten Sonntag im Fasching – so manche Vorkommnisse aus dem zurückliegenden Jahr aufs Korn nimmt. Dieses Jahr steht das 50-jährige Jubiläum an, in dem fünf Frauen die Truppe bilden. Früher gab es neben teils eher kurzlebigen Ensembles hier auch die „Moritat“. Lebendig ist diese Form mit den „Moritatisten“ in der benachbarten Altmühlstadt Dietfurt, von der später nochmals die Rede sein wird.
Eine eher in Oberbayern beheimatete Form gibt es in Breitenbrunn mit dem Haberfeldtreiben am Faschingsdienstag. Im zweijährigen Turnus werden – auch dieses Jahr wieder – bei der „Althistorischen Rötzer Fasenacht“ am Nachmittag des Faschingsdienstags nach dem Faschingszug einige lustige Vorkommnisse szenisch und mit Bildtafeln dar- und nachgestellt. Auch die Faschingszeitung deckt diese und viele weitere Episoden auf.
Unter dem Motto „Manna, tauscht's d'Weiber um“ wird in Schönsee alle zehn Jahre (zuletzt vor drei Jahren) die Altweibermühle in Gang gesetzt. Seit 1892 gibt es hier diese „Verjüngungsmaschine“. Wer auf diesem Weg eine fesche junge Frau bekommt, kann sich gleich mit ihr bei einer Faschingshochzeit verehelichen. Bei diesem an mehreren Orten, vor allem im vorderen Bayerischen Wald, verbreiteten Brauch werden alle Elemente einer früheren Bauernhochzeit nachgespielt. Beim Umzug in Schönsee ist auch eine Gruppe aus Stadlern dabei, die mit der „Böhmischen Fosnat“ an die Figuren und Bräuche der früheren Böhmischen Fastnacht erinnert.
Deutlich wurde bereits, dass manche Bräuche nicht jedes Jahr, sondern in einem vorgegebenen zeitlichen Turnus stattfinden. Das gilt besonders für den aus München stammenden Schäfflertanz, der nur alle sieben Jahre praktiziert wird. Dieser war und ist in vielen Orten der Oberpfalz (regelmäßig bis heute in Schierling) verbreitet. Dass Handwerker früher wichtige Träger von Fastnachtsbräuchen waren, beweist noch ein weiterer Brauch in der Nordoberpfalz: Hier sind die Glasmacher und Spiegelschleifer bis heute für das Roßtäuschen beziehungsweise Schimmelverkaufen (Weiden) verantwortlich.
Kehraus mit Arschboußn
Weit über die Grenzen der Oberpfalz hinaus bekannt ist der Chinesenfasching am Unsinnigen Donnerstag in Dietfurt. Die im Altmühltal gelegene Stadt Dietfurt hat damit ihrem Spitznamen „Chinesen“ eine positive Seite abgewonnen. Seit 1954 zieht das sogar im echten China bekannte Faschingsspektakel Tausende Besucher an, die inzwischen nicht mehr einem Kaiser, sondern dem Kaiserpaar „Da KaRe“ und „DiMucki“ huldigen.
Damit sind wir bei den Maschkerer- beziehungsweise Faschingszügen, Faschingsmärkten und Faschingstreiben zwischen dem Unsinnigen Donnerstag und Faschingsdienstag. In die heißen Faschingstage fällt meist auch die Schlüsselübergabe an das Prinzenpaar durch den Bürgermeister. Seine Ursprünge hat dieser Brauch im Rathausstürmen des 16. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges.
Zu Ende geht die Narrenzeit nicht allein mit dem Kehraus, sondern richtig am späten Abend des Faschingsdienstags oder am Aschermittwoch mit dem Arschboußn oder allerlei Variationen des Waschens, Eingrabens, Ertränkens oder Verbrennens von Fastnachtssymbolen. Analog zum Ausackern gibt es auch das Einackern der Fastnacht. Besonders hervorzuheben unter den Finalbräuchen ist der Fischzug in Schmidmühlen, den inzwischen einige Nachbarorte übernommen haben.