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Die Aserbaidschaner haben den lebenswichtigen Zugang blockiert: Kontrollposten am Latschin-Korridor, der Bergkarabach mit Armenien verbindet
Foto: imago/ITAR-TASSDie Aserbaidschaner haben den lebenswichtigen Zugang blockiert: Kontrollposten am Latschin-Korridor, der Bergkarabach mit Armenien verbindet

Kaukasus

Gefährlicher Konflikt kocht wieder hoch

Durch die aserbaidschanische Blockade Bergkarabachs droht dort eine humanitäre Katastrophe

Bodo Bost
27.01.2023

Seit über einem Monat ist Bergkarabach vom Rest der Welt abgeschnitten. Vorher lieferte Armenien täglich 400 Tonnen Lebensmittel in die Region. Doch seit Wochen sind dort 120.000 Armenier, darunter 30.000 Kinder, von jeglicher Versorgung abgeschnitten. Sie sind Opfer einer Blockade Aserbaidschans, wie West-Berlin 1948/49 während der Berlin-Blockade, der Ersten Berlin-Krise.

Doch die armenischen Bewohner von Bergkarabach werden nicht wie damals die West-Berliner durch eine Luftbrücke versorgt, sie versuchen mitten im Winter unter prekären Bedingungen zu überleben, ohne Nahrung, medizinische Versorgung und Strom.

Seit dem 12. Dezember 2022 verhindern von Baku entsandte aserbaidschanische Umweltaktivisten den Verkehr auf der einzigen Straße, welche die Provinz mit Armenien verbindet, den Latschin-Korridor, der eigentlich laut Waffenstillstand vom November 2020 von den Russen kontrolliert werden sollte.

Die Aktivisten, die im Grunde Soldaten sind, denn in Aserbaidschan gibt es keine Zivilgesellschaft, fordern Zugang zu dem von ihnen als „illegale Bergbaustätten“ beschriebenen Gebiet in den von Armeniern kontrollierten Teilen Bergkarabachs. Das dortige Kupferbergwerk ist der größte Arbeitgeber der Exklave und steht jetzt still. Beflügelt durch seinen militärischen Erfolg im Krieg um Bergkarabach 2020 will Aserbaidschan die Kontrolle über die Region einschließlich Bergkarabach ausüben und zieht eine Autonomie für die Provinz nicht mehr in Betracht.

Alijews Ziel ist eine Umvolkung

Der Konflikt zwischen dem christlichen Armenien und dem muslimischen Aserbaidschan ist alt und eskalierte 1991/92 zu einem Krieg, den Aserbaidschan 1994 verlor. Armenien stellte damals die Landverbindung zu Bergkarabach her.

2020 nahm Aserbaidschan Revanche und machte die von den Armeniern „Arzach“ genannte Provinz wieder zu einer Exklave, die es nun, durch die Schwäche Moskaus infolge des Ukrainekrieges, mit der Blockade in die Zange nehmen und mit Gewalt einverleiben will. Nach fünf Wochen Blockade empfahl der aserbaidschanische Staatspräsident Ilham Alijew den Bewohnern der Exklave, diese mit den von Moskau eingesetzten „Lastkraftwagen der Blauhelme“ Richtung Republik Armenien zu verlassen. Ganz offen und ohne jegliche Scheu fordert Aserbaidschan einen Bevölkerungstransfer und einen Bevölkerungsaustausch im Gebiet: Armenier raus, Aserbaidschaner rein.

Doch selbst Bergkarabach scheint Alijew nicht mehr zu genügen. Im September besetzten aserbaidschanische Soldaten Teile der südarmenischen Provinz Sjunik zwischen dem Kerngebiet Aserbaidschans und dessen Exklave Nachtschiwan.

Der Westen schaut weg

Die armenische Führung in Bergkarabach hat die EU inzwischen gebeten, beim Aufbau einer Luftbrücke zu helfen, wie es sie 1948/1949 zur Versorgung West-Berlins während der Blockade der Sowjets gegeben hat. Doch außer einigen verbalen Bekundungen ist nichts geschehen.

Wird die Blockade Bergkarabachs nicht bald beendet, droht eine humanitäre Katastrophe. Davor aber verschließt der Westen die Augen. Denn nachdem – zumindest offiziell – kaum noch Erdgas aus Russland bezogen wird, ist Aserbaidschan zu einem Ersatzlieferant für das von Gas abhängige Westeuropa geworden. Sogar eine 50-köpfige zivile EU-Beobachterkommission an der Grenze zwischen Armenien und Aserbaidschan schaute in den letzten Wochen weg.

Russlands 2000-Mann-Friedenstruppe vor Ort, die eigentlich auch den Latschin-Korridor sichern sollte, lässt die Aserbaidschaner gewähren, obwohl Armenien im Gegensatz zu Aserbaidschan Bündnispartner Russlands in der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) ist. Russlands Staatspräsident Wladimir Putin hat mit der Ukraine genug Probleme, sodass er davor zurückschreckt, Aserbaidschan zu reizen, zumal dieses Land massiv von dem NATO-Mitglied Türkei unterstützt wird.


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Kommentare

Kersti Wolnow am 27.01.23, 10:35 Uhr

Da rächt sich der Vielvölkerstaat UdSSR. Warum trennt sich Moskau nicht von seinen moslemisch geprägten Gebieten?
Armenier und Aserbaidshaner verstehen sich als verschiedene Völker bis heute. Auf diplomatischem Wege könnte man Wohngebiete aushandeln und die Völker sich sauber trennen lassen. Nur das ergibt Frieden.
Aber ich weiß, der Plan um Klaus Schwab ist ein anderer-Völkermischung, wie es mit Gewalt auch in Europa praktiziert wird, indem man mit Geld Kontinentfremde anlockt. Mit dem Geld der Europäer, wohlgemerkt. Frieden brachte das aber keinen.

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