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Die deutsche Volksgruppe ist ihm ein Ärgernis: Janusz Kowalski
LB202020Die deutsche Volksgruppe ist ihm ein Ärgernis: Janusz Kowalski

Östlich von Oder und Neiße

„Hier ist Polen!“

Sejmabgeordneter Janusz Kowalski wettert gegen zweisprachige Bahnhofsschilder in Oberschlesien

Chris W. Wagner
22.02.2021

Polen steht in diesem Jahr vor einer Volkszählung – da könnte man doch wieder alte Ressentiments gegen Deutsche anklingen lassen, dachte sich wohl Janusz Kowalski von der rechtskonservativen Partei Solidarna Polska, die 2012 von vormaligen PiS-Mitgliedern gegründet wurde. Der in Oppeln geborene Kowalski, der es bis zum Vizeminister für Staatsvermögen schaffte, ist dafür bekannt, dass ihm die deutsche Volksgruppe ein Dorn im Auge ist.

Diesmal hat er sich die doppelsprachigen, polnisch-deutschen Bahnstationsschilder in Oberschlesien herausgepickt. Und davon gibt es im Gegensatz zu zweisprachigen Ortsschildern mal gerade zwei. Es geht um Chronstau [Chrząstowice] und seinen Ortsteil Dembiohammer [Dębska Kuźna] in der Woiwodschaft Oppeln.

Und diese wieder abzuschaffen, hat sich Kowalski auf die Fahne geschrieben. „Vor sechs Jahren wurden rechtswidrig und auf Druck seitens der Bürgerplattform sowie der Deutschen Minderheit in Oppeln deutsche Bahnstationsschilder angebracht“, schrieb er auf Facebook. Und gleich nachdem am 3. Februar das Ministerium für Infrastruktur die Aufsicht über die Polnischen Staatsbahnen (PKK) und die Tochtergesellschaft für Bahntrassen übernommen hatte, brachte Kowalski eine parlamentarische Anfrage ein. Geprüft werden soll nun erneut die Rechtmäßigkeit der Aktion von vor sechs Jahren. Kowalski ist der Meinung, die Schilder „rufen den Unmut der Fahrgäste hervor und führen zu Desinformation“. Seinem Frust verleiht er bei Twitter Ausdruck mit den Worten: „Hier ist Polen!“

Rafał Bartek, Vorsitzender der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen in der Woiwodschaft Oppeln, sagte diesbezüglich in einem Interview der Tageszeitung „NTO“: „Die Gemeinde Chronstau hat lange mit dem Innenministerium beraten, um jegliche Unstimmigkeiten zu vermeiden. Die Entscheidung des Innenministeriums gab der Gemeinde schließlich das Recht, das Minderheitengesetz überall dort anzuwenden, wo eine topografische Bezeichnung auftaucht“ und eben nicht nur an Straßen.

Politisch motiviert
„Die Schilder wurden schließlich im Dezember 2015 aufgestellt, als bereits die PiS regierte“, so Bartek weiter. Die Bahn hätte im August 2020 ihre Richtlinien zur Kennzeichnung der Bahnstationen geprüft, und obwohl festgeschrieben wurde, dass Ortsbezeichnungen nicht in Fremdsprachen übersetzt werden, gebe es eine Ausnahme, und zwar Namen von Bahnstationen in Minderheitensprachen in Gebieten, in denen diese Gemeinschaften leben. Diese Richtlinien gäben anhand verbindlicher Muster vor, wie eine Tafel mit doppelter Ortsbezeichnung auszusehen habe, so Bartek weiter. „Sollten die Schilder abmontiert werden, ist es keine juristische, sondern eine rein politische Entscheidung“, sagt er.

Laut Bernard Gaida, dem Vorsitzenden des (Dach-)Verbandes deutscher Gesellschaften in Polen, müsse Kowalski an seiner Wahrnehmung noch arbeiten. „Gewiss würde ihm der polnische Name Cieszyn am Bahnhof im tschechischen Teil Český Těšín der geteilten Stadt Teschen gefallen. Deutsche Bezeichnungen auf polnischen Bahnstationen in Oberschlesien kann er aber nicht aushalten. Hier sind gleiche europäische Standards für nationale Minderheiten nötiger denn je“, so Gaida gegenüber „Wochenblatt.pl“.

Gegenaktion der Jugend
Eine Gegenaktion in den sozialen Medien startete der Jugendverband der Deutschen Minderheit, der Bund der Jugend der deutschen Minderheit (BJDM). Unter #wPolsceusiebie (in Polen daheim) rief der BJDM auf, sich vor zweisprachigen Ortstafeln zu fotografieren und diese Bilder zu publizieren.

„Zweisprachige Schilder aller Art sind für Minderheiten etwas völlig Natürliches. Sie sind Träger der Geschichte, Kultur und des Erbes nicht nur der Deutschen Minderheit der Woiwodschaft Oppeln, sondern für ganz Polen. Kowalski sagt aber, sie sind ein gefährlicher Präzedenzfall“, schrieb so auch Konrad Müller, Pressesprecher des BJDM, auf Facebook. Am 9. Februar organisierte der Jugendverband auf dem Oppelner Bahnhofsvorplatz eine Pressekonferenz. „Auch uns Jugendlichen dienen Minderheitenrechte, schließlich sind wir die Zukunft dieser Region. Wenn also jemand sagt, es sei gefährlich, dass die zweisprachigen Tafeln an den Bahnstationen in Chronstau und Dembiohammer hängen, dann ist es für mich einfach erschütternd. Wir sind doch hier zuhause und niemand sollte uns als gefährlich bezeichnen, nur wegen zweisprachiger Schilder, die für uns ein Symbol unserer Identität sind“, sagte Zuzanna Herud vom Jugendverband.

An der Pressekonferenz nahmen auch Vertreter regionaler Jugendorganisationen politischer Parteien teil. „Wir stehen hier vor dem Oppelner Bahnhof, der 1889 im deutschen Oppeln gebaut wurde. Heißt es, dass auch dieses Gebäude niedergerissen werden sollte?“, fragte rhetorisch Michał Branicki von der Jungen Union. Die Onlineaktion #wPolsceusiebie wird von anderen deutschen Minderheiten in Europa unterstützt.



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Kommentare

Frank Schmidt am 02.03.21, 16:47 Uhr

Ich hoffe mal das die zwei Millionen Menschen mit polnischem Migrationshintergrund, die in Deutschland leben nicht solchen Angriffen ausgesetzt sind.
Die polnische Nationalgeschichtsschreibung lebt von einer internalisierten Opferperspektive und den Heldenkult.
Polen unter Marschall Józef Pilsudski rückte während des russischen Bürgerkrieges ab 1919 in einem Krieg ohne Kriegserklärung in die Sowjetukraine ein und versuchten im Osten Gebiet zu erobern.Diese hatten um 1770 einmal zum ehemaligen Großpolen gehört. Im Zuge einer Gegenoffensive rückte die Rote Armee dann bis vor Warschau vor. Da Frankreich und Großbritannien Polen massiv mit Waffenlieferungen und Beratern unterstützte, wurde die Gegenoffensive dann zurückgeschlagen und es gab einen Waffenstillstand, dass sogenannte "Wunder von der Weichsel".
Polens Grenze wurde 200 bis 300 Kilometer über die Curzon-Linie hinaus nach Osten geschoben.Die Polen selbst waren dort nur eine Minderheit.Die Sowjetunion eroberte das Gebiet später zurück und nach Ende des WKII wurde die Mär von der Westverschiebung Polens erfunden.

Martin Treder am 27.02.21, 21:45 Uhr

Sollte man dem netten polnischen Nationalisten mal verraten, wieviele doppelsprachige deutsch-sorbische Schilder es westlich der Oder gibt, und dass sich in Deutschland niemand darüber aufregt?

Klaus Dieter Franz am 26.02.21, 15:22 Uhr

So hat es vor 100 Jahren auch anfangen. Aber es nun einmal das Leid der Polen.

H. Schinkel am 26.02.21, 14:06 Uhr

„Hier ist Polen!“

Aber hoffentlich nicht mehr lange.

Jan Kerzel am 23.02.21, 19:49 Uhr

Die Lage der deutschpolnischen Beziehungen ist sehr ambivalent. Wo Licht ist, ist leider auch viel Schatten. Ich würde die Note " ausreichend" geben. Seit Jahrzehnten unveraendert. Für eine Weiterentwicklung sehe ich weder Basis noch Perspektive. Jede Art von Schönrederei ist im Grunde genommen Taeuschung. Die Realitaeten sehen, sie passen halbwegs, aber die Energie auf aussichtsreichere Kooperationen lenken. Wie der Bahnhof heiszt, ist eigentlich wurscht, sollen sie ihn nennen, wie sie wollen.

sitra achra am 22.02.21, 10:10 Uhr

Dieser Wichtigtuer Kowalski glaubt, dass er mit Antigermanismus wohlfeil Stimmen grabben kann.
Es gibt zugegebenermaßen ein solch dinosaurierhaftes Klientel in Polen. Willkommen in der Steinzeit, Pan Kowalski!
Aber eigentlich leben wir in Europa. Es ist aber zwecklos, Sie darauf hinzuweisen. Sie leben in einer anderen stockpolnischen Welt!

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