03.12.2021

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Paradiestür an der Taufkirche der Kathedrale von Florenz – Jeweils von oben und links nach rechts: Feld 1 Adam und Eva, Feld 2 Kain und Abel, Feld 3 Noah, Feld 4 Abraham und Israel, Feld 5 Jakob und Esau, Feld 6 Josef und Benjamin, Feld 7 Moses, Feld 8 Je
Foto: KlesczewskiParadiestür an der Taufkirche der Kathedrale von Florenz – Jeweils von oben und links nach rechts: Feld 1 Adam und Eva, Feld 2 Kain und Abel, Feld 3 Noah, Feld 4 Abraham und Israel, Feld 5 Jakob und Esau, Feld 6 Josef und Benjamin, Feld 7 Moses, Feld 8 Je

Hinterpommern

Keine Paradiestür für Stettin

Der Erste Weltkrieg und die Inflation verhinderten es

Brigitte Klesczewski
22.11.2021

Von der Florentiner Paradiestür am Baptisterium, der Taufkirche, die zur Kathedrale gehört, hatte ich schon vor 40 Jahren auf einem Ehemaligentreffen der Stettiner Kaiserin-Auguste-Viktoria-Oberschule gehört. Darum war es nicht verwunderlich, dass ich auf unserer diesjährigen Toskana-Reise die Stadtführerin in Florenz danach fragte. Zur Antwort erhielt ich, dass sie den Rundgang durch Florenz an der Paradiestür beenden würde, fügte dann noch hinzu: „Von dieser Tür des Lorenzo Ghiberti, der 1455 in Florenz starb, hätte Michelangelo gesagt: ,Sie ist würdig, die Pforte des Paradieses zu schmücken'.“ 27 Jahre, von 1425 bis 1452, arbeitete der Künstler an dieser vergoldeten Bronzetür. Sie besitzt zehn quadratische Felder, die dem Schauenden hauptsächlich etwas vom Alten Testament erzählen wollen.

Die Paradiestür, die wir auf unserer Reise 2021 zu sehen bekamen, war eine 1993 von Japanern angefertigte Kopie. Die echte Pforte befindet sich in Florenz im Museum.

Von Lorenzo Ghibertis Paradiestür gibt es eine weitere Kopie, die heute im Museum der Württembergischen Metallwarenfabrik, WMF, zu Geislingen betrachtet werden kann.

Im Jahr 1911 hatte diese Fabrik vom Stettiner Museum, das aus Mitteln der Stettiner Bürger auf der Hakenterrasse errichtet worden war, den Auftrag zur Reproduktion der Florentiner Paradiestür erhalten, denn die von Stadtrat Dr. Heinrich Dohrn (1838–1913) begründete Kopien-Sammlung antiker Großplastiken hatte auch sie vorgesehen. Durch den Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 und die Geldentwertung danach konnten die Stettiner die Paradiestür nicht bezahlen. Daher wurde sie 1928 wieder nach Geislingen zurückgeschickt und blieb somit nach 1945 in Deutschland.

Das Museum auf der Hakenterrasse, das am 27. Juni 1913 feierlich eröffnet worden war, beherbergt auch heute im jetzigen polnischen Szczecin zwei Institute: Das Naturkunde- und das Kunstmuseum. Das mächtige Gebäude beherrscht wie eh und je die Hakenterrasse. Die Entwürfe für das Museum schuf Stadtbaurat Meyer, den Stettinern auch als Schöpfer der Hakenterrasse bekannt.



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