23.05.2022

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Als ehemaliger Finanzminister bestens im Bilde: Kanzler Olaf Scholz
Foto: imago/Chris Emil JanßenAls ehemaliger Finanzminister bestens im Bilde: Kanzler Olaf Scholz

Inflation

Krieg und Corona sollen von eigenen Irrwegen ablenken

Der Geldwert erodiert. Der Nullzins zerstört die Daseinsvorsorge von Millionen Deutschen. Doch ein Aufschrei der Betroffenen bleibt bislang aus

Hans Heckel
06.05.2022

Die Inflation steigt und steigt. Sie ist die erbarmungsloseste und wohl auch unsozialste Steuer, die sich denken lässt. Und sie bedroht mittlerweile auch die wirtschaftlichen Grundlagen der Mittelschicht, nachdem der arme Teil der Bevölkerung längst massiv in Bedrängnis geraten ist.

Im Verbund mit kümmerlichen oder verschwundenen Zinsen verteuert die Preisinflation nicht bloß den täglichen Einkauf, das Essen, Einkleiden, Heizen, Tanken oder Beleuchten. Sie spült zudem die Daseinsvorsorge von Millionen Menschen dahin. Denn auch die Kapitalstöcke von Lebensversicherungen oder privaten Pensionsfonds schmelzen dahin. 7,4 Prozent jährliche Geldentwertung schrumpfen das Ersparte bei Nullzins binnen zehn Jahren auf die Hälfte. Wobei Zweifel bestehen, ob die offizielle Inflationsrate die Entwicklung überhaupt korrekt abbildet oder aber die tatsächliche Inflationsrate noch höher liegt.

Vor diesem Hintergrund muss es verwundern, wie (oberflächlich) ruhig die Deutschen ihre rasante Enteignung gerade hinnehmen. Dass bislang kein Aufschrei, keine Demonstrationen dagegen zu verzeichnen sind.

Kanzler Scholz, der als ehemaliger Finanzminister bestens im Bilde ist über die anstehenden Verheerungen im Wohlstand in unserem Land, übergeht das Problem weitgehend. Andernorts wird neuerdings gern der Ukrainekrieg als Auslöser des Preisauftriebs identifiziert.

Das Argument ist aber vorgeschoben. Als die milchverarbeitende Industrie nunmehr Preissprünge bei Milchprodukten im Mai um 20 bis 25 Prozent ankündigte, wies sie darauf hin, dass diese Preise schon vor Monaten, lange vor Kriegsausbruch, verhandelt worden seien. Der nächste Sprung, in den dann auch der Krieg mit allen seinen Folgen hineinwirken werde, stehe erst noch aus.

Folge politischer Entscheidungen

Der breite Inflationsschub hat in Wahrheit ein Bündel politisch gemachter und teils sogar gewollter Ursachen. Per Energiewende wurden günstige Energiequellen abgeschaltet und durch teurere, unzuverlässigere ersetzt. Dies treibt die Preise in der gesamten Produktpalette, insbesondere bei Nahrungsmitteln.

Auch soll Corona für Angebotsverknappungen weltweit gesorgt haben. Doch muss hier festgehalten werden, dass es letztlich die Lockdown-Maßnahmen waren, nicht das Virus selbst, das diese Probleme verursacht haben. China macht gerade vor, wie eine aus den Fugen geratene Anti-Covid-Strategie ins Verderben führt. Dass Gesundheitsminister Lauterbach derzeit ein so großes Interesse zeigt, die wissenschaftliche Überprüfung der Corona-Maßnahmen zumindest hinauszuzögern, lässt vermuten, dass er um die Unsinnigkeit vieler Restriktionen selbst längst weiß.

Vor all dem aber hat die Geldpolitik das Tor zum Inflationsdesaster aufgestoßen. Durch ungezügelte „Gelddruckerei“ hat insbesondere die EZB die Geldmenge weit über das vertretbare Maß aufgebläht, um bankrotte Staaten, Banken oder Unternehmen zu retten. Nun flutet dieses Geld die Märkte und entwertet damit die Guthaben und Einkommen der Menschen. Denn während andere Währungsräume ihre Zinsen langsam wieder anheben, um Geld aus dem Markt zu nehmen, traut sich dies die EZB nicht: Länder wie Italien oder Frankreich haben sich mit dem billigen EZB-Geld derart verschuldet, dass jeder selbst moderate Zins sie in die Knie zwingen und damit das Euro-Experiment an sein Ende bringen könnte.

Diese Zusammenhänge zuzugeben, käme einem Offenbarungseid der Politik gleich. So übergehen die Verantwortlichen das Thema Inflation einfach oder sie nutzen jede neue Krise als Sündenbock, um vom eigenen Irrweg abzulenken: Erst war es Corona, nun kam der Ukrainekrieg als Ausrede hinzu. Eine Lösung dieses (wie eines jeden) Problems ist jedoch nur denkbar, wenn zumindest die Ursachen ehrlich benannt werden. Dazu muss die Öffentlichkeit die Politik zwingen.



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Kommentare

Tom Borns am 12.05.22, 13:14 Uhr

@ Micha: "Bald bekommt man nicht einmal mehr ein Brot dafür."
Wieso "bald"? Ein Brot für 1,25 Euro bekommen Sie doch schon seit langem nicht mehr.

Und "die Öffentlichkeit" (früher: das Volk) schweigt, weil es die Zusammenhänge nicht mehr versteht.
Millionen? Millarden? Was ist der Unterschied? Prozentrechnung? Wie ging das nochmal?

Nein, solange dem Michel seine 3 "B" (Bockwurst, Bier und Bundesliga) verfügbar sind, wird es keinen Aufschrei, wird es keine Nachfragen geben. Alles ist in Ordnung, Krieg und Elend gibt es nur woanders auf der Welt, weit weg. 70 Jahre lang ging es den Deutschen gut, niemand hat jemals existentielle Not erfahren müssen. Doch nur, weil dies niemand mehr persönlich kennt, ist das kein ehernes Naturgesetz. Das Erwachen aus diesem "Vogel- Strauß"- Denken wird furchtbar sein...

Chris Benthe am 09.05.22, 11:34 Uhr

Da die Deutschen offenbar nicht begreifen wollen, dass sie auf die falschen Politpferdchen gesetzt haben, kann der Ausweg aus diesem Dilemma nur einer sein: "Erde fressen".
Es kommt, was kommen muss. Und es wird eine schmerzhafte, aber heilsame Befreiung von den mephistophilen Eliten sein. Das absolute Ende der ewigen Einflüsterer.

Micha . am 07.05.22, 00:33 Uhr

Beispiel Inflation:
Ein Bruder meines Opas - gefallen bei Stalingrad - hinterlies mir sein bescheidenes Sparbuch.
Diese 50 RM wären 1949 5 DDR- Mark, 1990 noch 2,50 DM und 2001 dann 1, 25 €uro wert gewesen.
Bald bekommt man nicht einmal mehr ein Brot dafür...
Aber für dieses Buch hat er sein kurzes junges Leben hart gearbeitet.

Waffenstudent Franz am 06.05.22, 09:42 Uhr

Das ist doch kein Irrweg, sondern das Kriegsziel von 1887. "Germany must perish", oder auf Grün "Deutschland Verrecke!"

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