17.04.2024

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Republik Litauen

Mehr Ukrainer im Memelgebiet als in Luxemburg

Zuzug vor allem wegen der Möglichkeit, Russisch zu sprechen – Litauische Regierung vor einem Dilemma

Bodo Bost
05.03.2024

Die Republik Litauen hat insgesamt 83.000 ukrainische Kriegsflüchtlinge aufgenommen. Das sind wesentlich mehr als die 69.000, die Frankreich aufgenommen hat, das 25 Mal mehr Einwohner hat als die kleine Baltenrepublik. Allein 6500 Ukrainer haben im Memelgebiet eine neue Heimat gefunden. Das sind anderthalb Mal so viele wie im reichen Luxemburg, das vier Mal so viele Einwohner hat wie das Memelgebiet.

Die meisten Kriegsflüchtlinge in Litauen, bis zu 20.000, ließen sich in Wilna nieder. Etwa 10.000 leben in Kaunas. Die Ukrainer in Litauen integrieren sich aktiv in den Arbeitsmarkt. Nach Angaben der staatlichen Statistikagentur sind 98 Prozent der arbeitsfähigen Ukraineflüchtlinge derzeit beschäftigt – insgesamt fast

55.000 Personen. Zum Vergleich: In der Bundesrepublik sind es lediglich 17 Prozent. Während ukrainische Kriegsflüchtlinge hierzulande nach Angaben von Finanzminister Christian Lindner mit fünf bis sechs Milliarden Euro dem Staat zur Last fallen, ist die Aufnahme von Ukrainern in Litauen ein Gewinn für den Staat geworden, weil die Ukrainer mehr Steuern zahlen, als sie den Staat kosten.

Integration in den Arbeitsmarkt
Anders als in Deutschland, wo die Ukrainer unbefristet Bürgergeld beziehen, das sie von einer Arbeitsaufnahme abhält, hat Litauen nur zeitlich befristete Integrationshilfen geleistet. So sind die Entschädigungen für die Unterbringung von Ukrainern im Dezember 2023 ausgelaufen. Das Ziel Litauens bestand von Anfang an darin, die Autonomie der Flüchtlinge zu fördern Sie erhalten also Hilfe zur Selbsthilfe. Das Zentrum für ukrainische Hilfe in Memel liegt in der Hinteren Wallstraße [Galinio Pylimo gatve 16] in der Altstadt.

Die Stadt Memel, in der 20 Prozent der Bevölkerung russischsprachig sind, verfügt über ein gut ausgebautes russisches Schulangebot. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb die Stadt zum zweiten Zentrum der Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge geworden ist. Die einheimische russischsprachige Bevölkerung Litauens beträgt in etwa 150.000, das Gros lebt im Osten des Landes, in den Grenzregionen zu Weißrussland und zur Republik Polen. Eigentlich wollte Litauen auf nationaler Ebene, wie Estland und Lettland, eine Politik des langsamen Abbaus der russischsprachigen Schulen in Angriff nehmen. Durch die Ankunft von 85.000 meist russischsprachigen Flüchtlingen, etwa noch einmal die Hälfte der bereits im Lande lebenden Russischsprachigen, wird sich dieser Abbau zumindest verzögern. Memels Bürgermeister Arvydas Vaitkus, der selbst in Russland studiert und in der von Russland zu Kriegsbeginn eroberten ukrainischen Stadt Mariupol gearbeitet hatte, sagt, dass die Gemeinden die auf nationaler Ebene gefassten Beschlüsse zum Abbau russischer Schulen umsetzen müssen.

Der Abbau russischer Schulen war geplant
Er schlägt jedoch vor, das System russischer Schulen nicht zu zerstören. Wörtlich sagte er: „Was machen wir mit den ukrainischen Kindern, die in diese Schulen gehen?“ Weiter sagte er: „Memel ist eine multikulturelle Stadt, und diese Schulen gibt es nicht erst seit gestern, sondern schon seit vielen Jahren.“

In Litauen wird an fast 100 Schulen in neun Gemeinden in der Sprache der nationalen Minderheiten, zumeist Russisch, unterrichtet. Nach Angaben der Nationalen Agentur für Bildung wurden im Schuljahr 2020–2021 mehr als 47.000 Kinder in Bildungseinrichtungen für nationale Minderheiten, vom Kindergarten bis zur Schule, unterrichtet. Im gleichen Zeitraum wurden etwa 14 000 Schüler in allgemeinbildenden Schulen auf Russisch unterrichtet, hauptsächlich in Wilna und Memel. Nach Angaben der Stadtverwaltung von Wilna gibt es derzeit 14 russischsprachige Bildungseinrichtungen in der Hauptstadt. Seit 2008 ist die Zahl der Kinder, die Russisch lernen, von 9500 auf 11.500 gestiegen. Viele Politiker in Litauen fragen sich jedoch, ob diejenigen, die vor den Regimen in Russland und Weißrussland geflohen sind, und in das russischsprachige Umfeld in Litauen gebracht werden, im Interesse ihrer Kinder als auch Litauens handeln, wenn sie weiter Russisch sprechen.


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Kommentare

Kersti Wolnow am 11.03.24, 11:36 Uhr

Liebe Valentina Selge, Sie sollten sich einmal damit beschäftigen, WER seit 100 Jahren Kriege auslöst, also Konflikte anzettelt, und eine neokoloniale Zeit einführt? England gab den Staffelstab an die uSA weiter, die Politik blieb dieselbe. Die Schattenmacht dort ist auch verantwortlich für Revolutionen aller Art bis heute. Sie löst Flüchtlingsströme aus und entwurzelt Menschen vom Flucht- bis hin zum Aufnahmeland. Deren Agenda beinhaltet auch die Entwurzelung des einzelnen, denn sie führen seit der Oktoberrevolution einen Krieg gegen die Familie, Völker, die Vielfalt der Sprachen, christliche Kirche und gegen das Eigentum. Was in der UdSSR mit einem Knall gewendet wurde, machten die USA und Westeuropa schleichend nach.

Valentina Selge am 08.03.24, 20:47 Uhr

@Kersti Wolnow
Die Antichristen regieren, das wird offenkundig, es sind genaugenommen Darwinisten, die hinterhältigsten Betrüger und Räuber lassen sie gewähren.
Aber vor achtzig Jahren ist es den Deutschen aus den Ostgebieten auch so gegangen, dass sie fliehen mussten vor den Russen im letzten Weltkrieg und ja die Flüchtlinge vor achtzig Jahren wurden von ihrem deutschen Mitbürgern verlaust genannt und diskriminiert. Dann gab es einen erneuten Flüchlingsstrom aus der DDR, das ist noch gar nicht so lange her.
Und aus dem komfortablen Österreich (die waren es ja nie, obwohl sie Hitler in die Welt geschickt hatten), da kommt ungezügelter Fremdenhass her.
Es wäre doch netter, wenn alle freundlich zueinander sind. Ukrainer sind Europäer, Polen sind Europäer, Armenier sind Europäer und Christen und niemand hat ihnen geholfen, Deutschland sollte sich schämen, Armenier wurden sogar abgeschoben in Österreich und in Deutschland.
Die Jesiden haben auch ihren Schutzstatus verloren, weil wir offenbar von Antichristen regiert werden, da haben Sie Recht.
Die EKD ist zentralisiert wie die Reichskirche damals, eine Bischöfin spricht sich für Waffenlieferungen aus, ist sie bei der Bundeswehr? Hat sie was verwechselt?
Die Bischofskonferenz ist gegen die AfD, aber die Politik und die Kirche sind getrennte Säulen in einer Demokratie.
Innerhalb der EU gibt es die vier Grundfreiheiten, und die Ukraine soll einerseits in die EU, aber die Grundfreiheit, zum Beispiel vor einem Krieg zu fliehen, gibt's nicht?

Kersti Wolnow am 07.03.24, 11:05 Uhr

@ Valentina Selge
Warum hat Gott jeder Art einen Kontinent zugesprochen? Und wer ist der ewige Widersacher von Gott?
Diese Antichristen hier auf Erden mischen die Völker absichtlich, wozu sämtliche europäische Regierungen gehören. Warum wohl? Kennen Sie Richard Codenhove-Kallergi und sein Buch "Praktischer Idealismus"? Das sollten Sie lesen, ehe Sie die Völkermischung überall gutheißen und die Gegner in Reservate sperren wollen. Dann verstehen Sie vielleicht, was hier planmäßig vorgenommen werden soll, wenn ihnen keiner in den Arm fällt. Mit dem Preis dieses Wahnsinnigen werden bis heute "gute Europäer" in seinem Sinne ausgezeichnet, Merkel war auch dabei.

Valentina Selge am 06.03.24, 19:34 Uhr

Das ist eine Win-Win-Situation, von beiden Völkern sehr klug. Die Ukrainer werden Putin nicht in die baltischen Republiken kommen lassen und die Balten hatten sich in der Vergangenheit mehrfach erfolgreich gegen die Einflussnahme aus Deutschland und gegen die Übernahme durch Russland gewehrt.
Ich glaube, dass das die einzigen drei Republiken sein werden, die sich gegen den Machtwahn der anderen Länder, die "die Falschen" in den Regierungen haben, behaupten können. Vielleicht auch England, aber es steht isoliert da, wenn mehrere Ernten ausfallen, dann heißt es Hungern.
Daher ist das, was die Bauern machen wirklich gut, sie sind die einzigen Europäer, die im Moment zusammenhalten, sie erfinden die EU neu gegen den Machtanspruch der Deutschen.
Leider sind in Deutschland "die Falschen" an der Macht, wie auch in Österreich und Ungarn, in Italien und wer weiss wo noch. Willy Brandt hatte sich dafür eingesetzt, dass die "Falschen" nie wieder regieren, aber er hat verloren, der Machtanspruch der Regierung und auch vieler kleiner Befehlsempfänger ist wieder ausgebrochen wie ein Krebsgeschwür.
Die Fremdenfeindlichkeit nahm in Österreich seinen Anfang, von dort geht jeder Weltkrieg aus, die wollten sogar Interpol nach Wien zurückholen wie im 3. Reich.
Ich mag Länder, die international sind und das ist in Tallin tatsächlich zu sehen.
Für die Menschen, die keine Fremden mögen, könnte man ja in jedem Land ein Reservat schaffen, so eine Art Zoo für rassistische Menschen, mit einer Mauer drumherum, wo keiner rein und keiner rauskommt. Da können die dann in Ruhe leben und die anderen auch in Ruhe lassen.

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