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Meister der Abstraktion

Vor 50 Jahren starb der Kulturpreisträger der Landsmannschaft Ostpreußen Eduard Bischoff. Im Ostpreußischen Landesmuseum ist in einer Sonderausstellung ein Teil seines Werkes zu sehen

Jörn Barfod
25.01.2024

Zu den namhaften Künstlern Ostpreußens im 20. Jahrhundert gehört zweifellos der am 25. Januar 1890 in Königsberg geborene Eduard Bischoff. Sein künstlerisches Werden und Wirken ist eng mit seiner ostpreußischen Heimat verbunden, und dies auch nach 1945, als er nicht mehr in ihr leben konnte.

Über die Jugend Bischoffs ist nur wenig bekannt. Die Schulzeit erlebte er bei einer Tante in Heilsberg. Anschließend sollte er zur Ausbildung als Lehrer auf die Präparandenanstalt in Hohenstein, anschließend Preußisch Eylau. Dort hielt er es aber nicht lange aus. Er zog 1908 auf eigene Faust durch Deutschland nach Italien und befuhr eine Zeit lang das Mittelmeer und das Schwarze Meer als Schiffsjunge. 1909 kam er nach Frankfurt am Main in den Kreis um den Maler Fritz Boehle (1873–1916), der ihn, da er sein Talent erkannte, empfahl, an eine Kunstakademie zu gehen. Bischoff kehrte in die Heimat zurück und begann das Studium an der Königberger Kunstakademie.

In Königsberg begegnete Bischoff bei seinem Lehrer Richard Pfeiffer (1878–1962) dem Naturalismus, den er schon aus dem Werk Boehles kannte, und bei Ludwig Dettmann (1865–1944) dem Impressionismus. Bei beiden Lehrern erhielt er Gelegenheit, die Wand- und Monumentalmalerei kennenzulernen.

1914 wurde er Soldat. 1915 holte sein Lehrer Dettmann, inzwischen als offizieller Kriegsmaler tätig, ihn zu sich als Assistenten. Sie arbeiteten oft unmittelbar hinter den Fronten. 1916 stand er wieder an der Front, diesmal in Frankreich. Während eines Lazarettaufenthaltes in Insterburg lernte er 1916 seine spätere Ehefrau Gertrud Schulte-Heuthaus kennen.

Nach Kriegsende ließ er sich in Königsberg als freischaffender Maler nieder und heiratete. Die wirtschaftlich schwere Zeit nötigte zur Sparsamkeit. Die Bischoffs wohnten in einer Instwohnung auf Gut Friedrichswalde bei Königsberg, ebenso der Dichter Fritz Kudnig mit seiner Ehefrau und der Maler Julius Schmischke mit seiner Frau. Bischoff gehörte zur Künstlervereinigung „Der Ring“ in Königsberg, welche die jungen Künstler zu gemeinsamen Ausstellungen vereinte.

Portraits und Wandmalerei
Bischoff lockerte seinen Stil und gelangte zu einem sehr lebhaften bis unruhigen Pinselstrich in den Gemälden. Nicht nur ihm galt in den frühen 20er Jahren in Königsberg der Spätstil von Lovis Corinth als anregendes Vorbild. Durch diese Malart gestaltete der Maler viele Landschaftsdarstellungen gerade auch von der Kurischen Nehrung, die zu einer seiner beliebtesten Malerlandschaften wurde. Etwas strenger gerieten seine Portraits, die den Erwartungen der Auftraggeber eher Rechnung tragen mussten. Doch auch hier erreichte Bischoff mit lockerem Strich Lebhaftigkeit.

Portraits gehörten zu den wichtigen Aufgaben des Malers, brachten sie doch das meiste Geld ein. Durch die familiären Beziehungen seiner Ehefrau bekam Bischoff Zugang zu gesellschaftlichen Kreisen, die sich auch malen lassen wollten. Einige Bildnisaufträge in Schweden schließlich versetzten die Bischoffs in die Lage, sich 1925 in der Krausallee in Königsberg ein Haus zu kaufen.

Ende der 20er Jahre hatte Bischoff Gelegenheit zu Reisen in Europa. Ein Parisaufenthalt 1928 vor allem gab ihm neue Impulse. Sein Malstil wurde fester, die Darstellungen von Gegenständen abstrahierten stärker. Die Formberuhigung entspricht dem Wandel zum Stil der Neuen Sachlichkeit, der in Deutschland im Laufe der 20er Jahren stattfand. Die Figuren bekommen eine größere Schwere und Ernsthaftigkeit. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist das Doppelbildnis seiner Kinder von 1933.

Unter der nationalsozialistischen Herrschaft begann ein reges Bauen der öffentlichen Hand auch in Königsberg. Bischoff, dessen Arbeitsgebiet auch die Wandmalerei war, bekam hierzu einige Aufträge, so für die Königsberger Handelshochschule 1934 und das Stauerhaus im Königsberger Hafen 1936. Hier entwickelte er einen großfigurigen Stil von Einzelgestalten oder kleinen Figurengruppen, die eng aneinandergestellt oder gestaffelt wurden. Diese Grundform behielt er auch später, nach 1950 bei, als er im Ruhrgebiet erneut entsprechende Aufgaben bekam.

Im Laufe der Jahre von 1934 bis 1939 ließ der Maler diese Figuren in den Formen abstrahierter und härter werden, nach den malerisch wirkenden Details und subtilen Binnenzeichnungen der ersten Großbilder, reduzierten sich die Flächen auf eher geometrisch entwickelte Formen. Sind die früheren Arbeiten in Königsberg nicht mehr erhalten geblieben, so hat man doch in den letzten Jahren Fragmente der Ausmalung der Insterburger Stadthalle von 1938/39 unter vielen Übermalungen wiederentdeckt.

Auch als Lehrer überzeugte er
1936 erhielt Bischoff den Ruf an die Königsberger Kunstakademie als Lehrer für figürliche und Wandmalerei, in der Nachfolge von Fritz Burmann (1892–1945), der 1925 bis 1935 in Königsberg lehrte und ein Vertreter der Neuen Sachlichkeit war. Auch als Lehrer war Bischoff sehr überzeugend. Äußerungen und Arbeiten seiner Schüler belegen dies noch Jahre nach Ende der Ausbildung oder nach ihrer abrupten Beendigung 1944. Als Schüler könnte man stellvertretend benennen: Karl H. Buch (zeitweise auch Assistent Bischoffs), Heinz Sprenger, Heinrich Bromm, August Hermann Stoll, Helen Stritzke, Edeltraud Abel-Waldheuer, Eugen Weidenbaum, Herbert Guttmann, Lothar Malskat, Ute Schmolling, Norbert Dolezich.

Mit dem offiziellen Amt an der Kunstakademie konnte sich Bischoff allerdings auch nicht mehr ganz der Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten entziehen. Fritz Kudnig hat das später so beschrieben: „Es war gewiss nicht immer leicht, die von den Auftraggebern gewünschten Darstellungen mit dem eigenen künstlerischen Gewissen in Einklang zu bringen. Aber die Möglichkeit zu wirkungsstarken figürlichen Entwürfen und großzügigen Kompositionen war für Bischoff sehr beglückend. ... Die immer erstrebte Vereinfachung der Form, eine Grundbedingung für jedes Monumentalwerk, wirkte sich in seinem weiteren Schaffen aus.“

In der Tafelmalerei ging Bischoff allerdings einen anderen Weg, sowohl für Figuren als auch Landschaften. Hier begegnen wir einem anderen Stil, der sich gleichwohl aus der Kunst der 20er Jahre erklären ließe, der an Corinths Spätwerk orientierte Nachimpressionismus wird in dunkleren Farben und etwas festeren Formen mit einem romantisierenden Klang verwandelt. In Figurenbildern dominiert die große Figur, aber in der Landschaft wird alles zu einem stimmungsvollen Gesamteindruck zusammengefügt.

Der Unterricht an der Königsberger Kunstakademie endete mit dem Sommersemester 1944, die Akademie wurde offiziell im Januar 1945 geschlossen. Bischoff trat die Flucht aus Königsberg zusammen mit seinem Freund und Malerkollegen Alfred Partikel (1888–1945) an. Sein Sohn war schon Ende 1942 als Soldat im Kaukasus gefallen, seine Ehefrau und seine Tochter waren 1944 bereits in Mecklenburg. Die Familie fand im Kreis Uelzen wieder zusammen.

Neuanfang im Westen
Unter einfachsten Bedingungen begann der Maler wieder zu arbeiten, zunächst an seinen romantisierenden Stil der Tafelmalerei anschließend. Zudem waren die Landschaft der Lüneburger Heide und das Landleben auf dem Dorf Holxen bei Uelzen ostpreußischen Landschaften und Gegebenheiten durchaus ähnlich. 1948 bot sich Bischoff eine große Chance, seine Lebensumstände zu verbessern.

Sein Professorenkollege aus Königsberg Franz Marten (1898–1970) bot ihm Gelegenheit, in die Künstlersiedlung Halfmannshof nach Gelsenkirchen zu ziehen. Hier erhielt er Wohnung und Atelier und befand sich bald in einer wirtschaftlich stark aufstrebenden Region. Bald erreichten ihn Aufträge aus der Industrie, der öffentlichen Hand, von Kirchengemeinden et cetera. So konnte der 60-Jährige noch einmal mit einem großen Werk beginnen und schuf in 20 Jahren ein umfangreiches Spätwerk. Sein vor 1945 entstandenes Hauptwerk war freilich fast vollständig vernichtet. Sein Stil änderte sich zu einem großzügigen, teilweise stark abstrahierenden Spätexpressionismus, in den letzten Jahren ab zirka 1960 zunehmend vereinfachend.

Glasmalerei war für Bischoff ein durchaus neues Betätigungsfeld. Einige Kirchen erhielten Fenster nach seinen Entwürfen, für das Rathaus in Gelsenkirchen-Buer entstanden Glasschnittfenster mit Großfiguren. Wandmosaik, Tonplattenreliefs, metallene Außenwandgestaltung, Entwurf für einen Wandteppich waren weitere Aufgaben. Wandmalerei gehörte ohnehin dazu.

Bischoff hatte nun die Gelegenheit zu vielen Reisen zu europäischen Zielen, von Griechenland bis Norwegen, aber auch zu einer langen Seereise nach Afrika. Überall zeichnete, aquarellierte und malte er. Aber ein Themenkreis blieb in seinem Werk konstant: die Motive seiner Heimat Ostpreußen.

Holzschnittserie „Ostpreußen“
Neben teils recht großen Gemälden schuf er eine 30 Holzschnitte und Farbholzschnitte umfassende Serie „Ostpreußen“, erschienen 1961 bis 1965 in drei Mappen. Diese in Ostpreußenkreisen bekannten Drucke, später auch als Farbpostkarten verbreitet, waren für den Künstler eine motivische Zusammenfassung seines Werks. Zugleich verstand er sie als seinen Beitrag zum Andenken an die ostpreußische Heimat. Er zitierte in einem Brief an seinen Freund Willi Drost 1962 einen Gedichtvers von Konrad Ferdinand Meyer: „Was kann ich für die Heimat tun, bevor ich geh im Grabe ruhn? Was geb ich, das dem Tod entflieht? Vielleicht ein Wort, vielleicht ein Lied, ein kleines stilles Leuchten!“ Und er ergänzte: „Nehmen wir an, dass die Holzschnitte das kleine, stille Leuchten bedeuten.“

1962 zogen Bischoff und seine Ehefrau nach Soest in ein neu erbautes Haus, das ein Alterssitz sein sollte. Krankheit zwang den Künstler dann 1967, mit dem Malen und Zeichnen aufzuhören. Die Landsmannschaft Ostpreußen (LO) hatte ihn schon 1959 mit dem Kulturpreis geehrt, 1960 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Gelsenkirchen und 1970 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Vor einem halben Jahrhundert, am 4. Januar 1974, verstarb der Künstler in Soest.

Sein Schüler und Lehrerkollege an der Königsberger Kunstakademie Norbert Dolezich schrieb über ihn: „... ein großer, stiller Mann mit blonden Haaren und sehr blauen, gütigen Augen, war von gewinnender Zurückhaltung und hatte mit großer künstlerischer Begabung und Liebe zu Land und Leuten allgemein-menschliche und heimatliche Themen gestaltet und allenthalben Wertschätzung gefunden. Die Breite seiner Thematik zeigte in Ölbildern, Aquarellen, Holzschnitten, Mosaiken und Glasbildern, kolorierten Zeichnungen und Batiken, dass seine Augen die ganze Sichtbarkeit frisch und angeregt wahrnahmen; die heimatliche Flora und Fauna, die Architektur und Landschaft, das Antlitz und Tun des Menschen waren das weite Feld, das ihn zum Schaffen antrieb. Sein Leben war getragen von Ehrfurcht vor der Schöpfung und gläubigem Staunen, einer natürlichen Frömmigkeit, die sich in seinem ganzen Denken und Tun niederschlug, so dass Kenner und besonnene Betrachter aus seinen Bildern die Quelle seiner Kunst entdecken konnten: Kunst war ihm gestalteter Dank für die gottgeschaffene Wirklichkeit.“

Dieser Artikel basiert auf dem Manuskript eines Vortrags von Dr. Jörn Barfod mit dem Titel „Eduard Bischoff. Maler aus Königsberg“, den der ehemalige Kustos und stellvertretende Direktor am Ostpreußischen Landesmuseum (OL) in Lüneburg am 31. Januar ab 18.30 Uhr im OL, Heiligengeiststraße 38, 21335 Lüneburg, im Rahmen der dort noch bis zum 25. Februar zu sehenden Sonderausstellung „Die Königsberger Kunstakademie (1845–1945). Künstler aus zwei Jahrhunderten“ halten wird. Anmeldung sind erforderlich unter der Telefonnummer (04131) 75995-0 oder der E-Mail-Adresse info@ol-lg.de. Der Eintritt beträgt 4 Euro.


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