27.02.2025

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Bevölkerungswechsel

Mélenchons will das ländliche Frankreich umsiedeln

Der linke Vordenker versucht eine demographische und territoriale Eroberung im Eiltempo

Bodo Bost
27.02.2025

Jean-Luc Mélenchon neueste Idee ist eine territoriale Neuzusammensetzung, die den ländlichen Raum zugunsten der Bevölkerung der Vorstädte in eine neue soziale und politische Realität überführen würde. „Diese Ablösung ist die einer Generation, die nach der anderen kommt und die niemals der vorherigen ähneln wird“, erklärte er bei einer Kundgebung. Er phantasiert dabei eine Entvölkerung des ländlichen Raumes vor, deren landwirtschaftlich verwurzelte Bevölkerung seit 1945 von angeblich sieben Millionen auf heute infolge einer Industrialisierung der Landwirtschaft nur noch 400.000 zurückgegangen ist. Dagegen sei die multikulturelle Bevölkerung in Frankreichs explodierenden Vorstädten seit der Entkolonialisierung Algeriens 1962 auf heute auf fast sechs Millionen angestiegen. Diese beiden Gruppen und Räume mit konträren Wachstumstendenzen möchte er einfach wie ein Bevölkerungsplaner gegeneinander austauschen.

„Die Zukunft ist nicht dazu bestimmt, die immer wiederkehrende Vergangenheit zu sein. Es reicht mit der Verherrlichung der Tradition“, sagt er. Hinter dieser pseudo-fortschrittlichen Rhetorik verbirgt sich jedoch ein viel radikaleres Projekt: die Beschleunigung eines gesellschaftlichen Wandels durch die mechanische Wirkung der Zahl. Es geht nicht mehr darum, ein Gesellschaftsmodell zu verteidigen, sondern es mit hoher Geschwindigkeit – auch zunächst politisch – in der Realität durchzusetzen. Die Neugestaltung des ländlichen Frankreichs durch eine demographische Umkehrung ist sein Ziel. Ein brutaler Ansatz, bei dem die Gebiete keine Lebensräume, sondern Zonen sind, die es zu besetzen gilt, inklusive Widerstände, die es zu brechen gilt.

Mélenchon hat damit die linke Theorie des „guten Bevölkerungsaustauschs“ erfunden, eine glückliche Globalisierung mit islamisch-linksradikaler Note. So als gebe es bereits die gay-freundliche Scharia, die er einfach einmal einplant in sein Bevölkerungsprojekt. „Der ländliche Teil des Landes gehört uns“, sagte er mit selbstbewusstem Blick. Die letzten Ureinwohner müssen nur noch ihre Koffer packen und den Raum für den Fortschritt freimachen. Bleibt nur noch eine Frage: Was tun mit den Vertriebenen?

Die Geschichte ist formal: Vor dem Gulag kommt die Kolchose. Da gäbe es schon Plätze in Nordafrika, wo Mélenchon selbst vor 73 Jahren in Tanger im einstigen französischen Mandatsgebiet Marokko geboren wurde. Seine Umvolkung soll wie eine einvernehmliche demographische Umkehrung sein. Die Zukunft des ländlichen Frankreichs soll in einer umgekehrten Stadtflucht liegen. Was für ein Paradoxon, dass Frankreichs Dörfer gerade mit denjenigen neu bevölkert werden sollen, die aus ihren nordafrikanischen Dörfern flohen.

Mélenchon hat der großen linken Umvolkungstheorie den schönen Namen „La Nouvelle France“ (Das neue Frankreich) gegeben. So nannten die ersten französischen Siedler das Land Kanada, das sie 1534 entdeckten. Diesmal ist das Prinzip aber umgekehrt: Das multikulturelle Frankreich der Vorstädte, das nie integriert war, soll jetzt die integrierte Landbevölkerung ersetzen.


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