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1744 erbte Otto Friedrich Christoph von Podewils Gusow und baute das Gutshaus ab 1750 zu einer Dreiflügelanlage aus. Zwischen 1870 und 1873 wurde das Anwesen komplett umgestaltet
Foto: Sebastian Wallroth1744 erbte Otto Friedrich Christoph von Podewils Gusow und baute das Gutshaus ab 1750 zu einer Dreiflügelanlage aus. Zwischen 1870 und 1873 wurde das Anwesen komplett umgestaltet

Geschichte

Otto Christoph von Podewils

Friedrichs des Großen Mann für heikle Wiener Mission kam aus Pommern

Martin Stolzenau
24.04.2020

Otto Christoph von Podewils entstammte einem alteingesessenen pommerschen Adelsgeschlecht, machte unter Friedrich II. Karriere und brachte es dabei bis zum preußischen Etatsminister und zum Grafentitel. Er war geistig, kulturell und naturwissenschaftlich sehr interessiert, legte umfangreiche Sammlungen an und pflegte dabei mit Johann III Bernoulli einen regen Gedankenaustausch. Zur Hinterlassenschaft des Aufsteigers aus Pommern gehört auch Schloss Gusow, das durch ihn ausgebaut wurde, inzwischen auf der Denkmalliste des Landes Brandenburg steht und als Museum für die Geschichte Brandenburg-Preußens und Veranstaltungsort überregionale Bekanntheit besitzt.

Podewils wurde am 16. April 1719 in Kolberg geboren. Adam von Podewils, sein Vater, fungierte als königlich preußischer Regierungsrat und war mit Diana Magdalena von Wachholtz verheiratet. Der Junge bekam eine standesgemäße Erziehung, erschloss sich das Bildungsgut der Aufklärung, offenbarte früh seine vielseitigen Interessen und wurde noch vor der preußischen Thronübernahme durch Friedrich II. in den preußischen Staatsdienst übernommen. Als der junge König dann Heinrich von Podewils, seinen älteren Vetter, zum Außenminister bestellte, wurde seine Karriere zusätzlich gefördert. Nach diplomatischer Mission in St. Petersburg und der Teilnahme an der Huldigung der schlesischen Stände am 6. November 1741 traf er während der Tätigkeit als preußischer Gesandter in Den Haag in schwieriger Zeit mehrfach zur Berichterstattung und Übernahme neuer Befehle mit Friedrich II. in Aachen, Kleve sowie Bad Pyrmont zusammen. Der König war über den vielseitigen Kenntnisstand und die Beobachtungsgabe des Gesandten erfreut und entsandte ihn nach dem II. Schlesischen Krieg 1746 in schwieriger Mission nach Wien, wo er mit diplomatischem Geschick die Stimmungslage am habsburgischen Hof erkunden sollte.

Geschickter Diplomat

Podewils erfüllte die heikle Mission mit Bravour und erwarb sogar das Vertrauen von Kaiserin Maria Theresia. Friedrich II. war mit seinem Diplomaten höchst zufrieden und erlaubte ihm nach gesundheitlichen Einbußen 1751 den Rückzug auf seine märkischen Güter.

Podewils, der seit 1744 mit Sophie Amalie Albertine von der Marwitz verheiratet war, einer Tochter des Generals Heinrich Karl von der Marwitz, hatte von seinem Schwiegervater Gut und Gutshaus Gusow geerbt. Das wurde sein neuer Lebensmittelpunkt. Er baute das Gutshaus zu einer repräsentativen Dreiflügelanlage mit umgebenden Barockpark um, widmete sich seiner wachsenden Bibliothek und erstellte umfangreiche Sammlungen mit wertvollen Gemälden, technischen Instru­menten und Naturalien bis hin zu präparierten Tieren.

Bedeutende Gemäldesammlung

Seine Gemäldegalerie umfasste Gemälde von Lucas Cranach, Rembrandt und Antoine Pesne. Bei dieser Beschäftigung wurde er von seiner geistig ebenfalls sehr interessierten Frau unterstützt. Beide ergänzten sich in ihrer aufgeklärten Haltung. Dazu kam der Gedankenaustausch mit verschiedenen Gelehrten, die teilweise nach Gusow eingeladen wurden. Besondere Bedeutung erlangte in diesem Zusammenhang die Beziehung zu Johann III Bernoulli aus der bis heute berühmten Gelehrtenfamilie Bernoulli. Mehr noch. Podewils unternahm zusammen mit Bernoulli sogar eine Reise durch seine Heimat Pommern. Aber nach der beschwerlichen Tour kränkelte der Schlossherr von Gusow. Jetzt war er verstärkt auf die Hilfe seiner Frau und vor allem seines Sohnes Friedrich Heinrich angewiesen. Darüber starb Podewils am 12. März 1781 in Gusow, drei Jahre vor seiner Frau. Danach übernahm der einzige Sohn das Erbe. Gusow wird heute vom Amt Neuhardenberg verwaltet und gehört jetzt zum Landkreis Märkisch-Oderland mit der Kreisstadt Seelow. Das Schloss Gusow ist in der historischen Bilder-Sammlung von Alexander Duncker enthalten.

• Ausflugstipp Das Schloss beherbergt heute u.a. ein Museum, in dem Zinnfiguren und Sachzeugen Einblicke in die brandenburg-preußische Geschichte geben. Zu einem Spaziergang lädt der im englischen Stil angelegte Schlosspark ein.
schloss-gusow.de



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Kommentare

sitra achra am 26.04.20, 18:35 Uhr

Leider war dem Grafen bei drei Versuchen im Auftrag Friedrichs der Erfolg nicht beschieden.
Die hochmütige und rachsüchtige ungarische Königin wollte um jeden Preis den Krieg.
Dazu hatte sie erfolgreich gegen Preußen intrigiert und verschiedene europäische Länder zu einer Koalition vereinigt. Ihrem Ratgeber, Graf Kaunitz, war es gelungen, durch seine durch Intrigen und Versprechungen gesteuerten Interventionen bei verschiedenen Höfen, besonders in Versailles und Petersburg, fast ganz Europa gegen Preußen aufzubringen. Man hatte sich schon über die Aufteilung Preußens geeinigt.
Friedrich hingegen wollte unter allen Umständen den Frieden bewahren. Seine Aufzeichnungen aus dem Siebenjährigen Krieg belegen dies deutlich.
Zum Dank dafür wird er heute als Militarist verteufelt und als Mörder angeprangert.
Aber wer den Guantanamo-Obama anhimmelt und den friedfertigten Patrioten Assad denunziert, für den ist Geschichtsklitterei ein beliebtes Hobby, am besten mit einer wohldotierten Professur ausgestattet...

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