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Berlin: Veranstaltung zur Rolle polnischer Bürgermeister in der NS-Zeit auf Druck aus Warschau abgesagt
Nach der Absage einer Veranstaltung mit dem deutsch-polnischen Holocaust-Forscher Grzegorz Rossoliński-Liebe ist der Vorwurf laut geworden, Polens Botschafter in Berlin habe gegen die Veranstaltung interveniert. Der an der Freien Universität Berlin als Privatdozent für Neuere und Neueste Geschichte lehrende Rossoliński-Liebe sollte ursprünglich am 25. November in der Berliner Gedenkstätte „Topographie des Terrors“ einen Vortrag über sein Buch „Polnische Bürgermeister und der Holocaust. Besatzung, Verwaltung und Kollaboration“ halten.
Ohne Angabe von Gründen hieß es jedoch einige Tage vor dem Termin auf der Webseite der Gedenkstätte: „Die Veranstaltung muss leider entfallen. Wir bemühen uns um einen Nachholtermin.“ Der Historiker selbst sagte gegenüber der „Berliner Zeitung“: „Soweit ich weiß, wurde die Präsentation auf Anfrage des polnischen Botschafters in Berlin abgesagt, der einen der Organisatoren und offenbar auch einige Beamte der deutschen Regierung angerufen hat.“
Sorge um den eigenen Ruf
Beweggrund des Botschafters sollen laut dem Holocaust-Forscher bevorstehende Gespräche zwischen der deutschen und der polnischen Regierung über das geplante Deutsch-Polnische Haus im Herzen Berlins sein. Neben dem bereits realisierten Denkmal für die polnischen NS-Opfer ist eine historische Ausstellung über die deutsch-polnische Geschichte mit Schwerpunkt auf dem Zweiten Weltkrieg geplant, zudem ein Bildungsprogramm. Zwischen Berlin und Warschau sind Umfang und Finanzierung des Projekts noch nicht abschließend geklärt.
Rossoliński-Liebe zeigt sich irritiert, dass seine Buchpräsentation geeignet sein soll, die deutsch-polnischen Regierungsgespräche zu stören: „Was ich nicht verstanden habe, ist, wie sich die Präsentation meines Buches auf dieses Treffen auswirken kann oder warum die polnische und die deutsche Regierung Angst vor meinem Buch über polnische Bürgermeister im Generalgouvernement haben.“
In Polen hat das Buch des Historikers bereits bei seinem Erscheinen im vergangenen Jahr scharfe Kritik ausgelöst. Laut Rossoliński-Liebe haben viele polnische Bürgermeister die deutsche Besatzung genutzt, um von der Verfolgung und Ermordung von Juden zu profitieren. Die Interessen der polnischen Bevölkerung seien dabei nicht selten auf Kosten der jüdischen verteidigt worden, sagte er der „Berliner Zeitung“.
Nationalistische polnische Medien, einzelne Historiker sowie das Institut für Nationales Gedenken (Instytut Pamięci Narodowej) werfen dem Historiker vor, in seinem Buch die Rolle der Deutschen als Hauptverantwortliche des Holocaust abzuschwächen und den internationalen Ruf Polens zu gefährden. Das Institut bezeichnete das Werk sogar als Gefahr für die historische Bewertung Polens in der Holocaust-Forschung.
Zu seinem Forschungsprojekt angeregt worden war Rossoliński-Liebe durch Untersuchungen zum Verhalten von Bürgermeistern in den Niederlanden, Belgien und Frankreich während der Besatzungszeit.