Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Die Zeichen wirtschaftlicher Erschöpfung in Russland verdichten sich zunehmend. Drei Jahre nach Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine greifen die westlichen Sanktionen tiefer, während der Krieg selbst zu einem immer größeren Belastungsfaktor für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft wird. Der Kreml versucht, Stärke zu demonstrieren – doch die ökonomischen Fundamentaldaten erzählen inzwischen eine andere Geschichte.
Besonders zeigt sich der Druck bei den Staatseinnahmen. Öl- und Gasexporte, lange Zeit das finanzielle Rückgrat des russischen Haushalts, bringen erheblich weniger Geld ein. Russland verkauft sein Rohöl mit teils zweistelligen Abschlägen gegenüber dem Weltmarktpreis, um überhaupt Abnehmer in Asien zu haben. Gleichzeitig verteuern Sanktionen Transport, Versicherung und Finanzierung. Nach Schätzungen internationaler Wirtschaftsinstitute sind die Energieeinnahmen Russlands im Vergleich zu den Vorkriegsjahren um rund ein Fünftel gesunken – trotz hoher Fördermengen. Demgegenüber explodieren die Ausgaben. Der Militärhaushalt hat sich seit 2021 faktisch verdoppelt und verschlingt inzwischen einen Rekordanteil des Staatshaushalts. Hinzu kommen Kosten für Mobilisierung, Rüstungsproduktion, Veteranenversorgung und Entschädigungen für Gefallene. Russland fährt ein wachsendes Haushaltsdefizit, das nur durch Notmaßnahmen gedeckt werden kann.
Um die Finanzlöcher zu stopfen, greift der Kreml auf Reserven zurück. Der Nationale Wohlstandsfonds wird kontinuierlich angezapft, während staatliche Unternehmen und Banken zu Sonderabgaben gezwungen werden. Gleichzeitig verschärft der Staat Kapitalverkehrskontrollen und erhöht den Druck auf Unternehmen, Gewinne im Inland zu halten. Diese Politik sichert kurzfristig Liquidität, schwächt aber langfristig Investitionen, Produktivität und Innovationsfähigkeit.
Auch jenseits der Staatsfinanzen zeigen sich strukturelle Schäden. Hunderttausende Fachkräfte haben das Land verlassen oder wurden mobilisiert. Westliche Technologieimporte fehlen, Ersatz aus China ist oft qualitativ schlechter oder teurer. Die zivile Industrie stagniert, während die Kriegswirtschaft Ressourcen bindet, ohne nachhaltigen Wohlstand zu schaffen. Das offiziell gemeldete Wirtschaftswachstum beruht vor allem auf staatlich gelenkter Rüstungsproduktion – ein trügerischer Effekt. Militärisch zwingt die wirtschaftliche Lage Russland zu Anpassungen. Es wird zunehmend auf ältere Waffensysteme zurückgegriffen, Munition gespart und auf Masse statt technologischer Überlegenheit gesetzt. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von zweifelhaften Partnern wie dem Iran und Nordkorea. Was der Kreml als strategische Kooperation darstellt, ist vielmehr ein Ausdruck schwindender Autonomie.
Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Diplomatie aus. Wirtschaftlicher Druck allein wird Putin nicht zum Einlenken zwingen, solange der Krieg als Überlebensfrage seines Regimes gilt. Doch die wachsende finanzielle Belastung begrenzt Russlands Handlungsspielräume immer mehr. Jeder weitere Kriegsmonat verschärft die Abnutzung – ökonomisch, militärisch und politisch.
Putins Angriffskrieg sollte eigentlich Russlands Macht sichern, doch er hat das Land in eine langfristige Schwächung geführt. Die Sanktionen wirken nicht spektakulär, aber nachhaltig. Sie entziehen Moskau schrittweise die Mittel, mit denen es seinen Krieg finanzieren will – und lassen Russlands Zukunft immer teurer werden.