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Höchster Weinanbau der Welt: Die Trauben der Colomé Salta in Argentinien reifen auf über 3000 Metern Höhe
MauritiusHöchster Weinanbau der Welt: Die Trauben der Colomé Salta in Argentinien reifen auf über 3000 Metern Höhe

Vinologie

Seltene Rekordtropfen

Die Höchsten, die Südlichsten, die Steilsten – die extremsten Weinanbaugebiete der Welt

Wolfgang Kaufmann
14.03.2020

Wein wird heutzutage nicht mehr nur in den klassischen Anbauregionen Europas produziert, sondern auch an sehr ungewöhnlichen Orten. Dazu zählen beispielsweise die von Israel besetzten Golan-Höhen an der Grenze zu Syrien, der Berg Karmel unweit von Haifa sowie die Regionen rund um den See Genezareth und das Tote Meer. Hier – 200 bis 400 Meter unter Normalnull – befinden sich zudem die am tiefsten gelegenen Weinberge der Welt.

Das entgegengesetzte Extrem sind die Weine aus der argentinischen Provinz Salta. Dort reifen Trauben noch in einer Höhe von 3111 Metern rund um die Bodega Colomé in der klaren Bergluft der Anden. Dabei zählen diese höchsten Weinberge seit 2019 zugleich auch noch zu den 50 besten auf dem ganzen Globus.

In ähnlich großer Höhe, nämlich zwischen 2500 und 2850 Metern über dem Meeresspiegel, entstehen darüber hinaus die Weine aus Toropalca und dem Valle de Cinti in Bolivien sowie von den Hängen des Vulkans Tungurahua in Ecuador. Ein weiterer, nahezu unbekannter „Gipfelstürmer" ist der Rotwein, welcher seit 1992 nahe der nepalesischen Siedlung Jomsom im Gebiet der 8000er Berge Annapurna und Dhaulagiri auf 2750 Metern hergestellt wird.

Andere Länder, aus denen man alles, bloß keinen Wein erwartet, sind der Wüstenstaat Namibia (ehemals Deutsch-Südwestafrika), Tansania, Madagaskar, China, Indien, die Türkei, die Ukraine und Kirgisistan. In der zentralasiatischen Republik werden rund um den Bergsee Issyk Kul im Tianshan-Gebirge auf 6000 Hektar sechs einheimische sowie fünf internationale Rebsorten kultiviert.

Der „nördlichste Wein der Welt" kommt aus der 1997 eröffneten Kelterei Denali Winery in Anchorage im US-Bundesstaat Alaska. Allerdings verarbeitet man dort nur importierten Traubenmost aus Kalifornien und anderen südlicheren Regionen. Deshalb gebührt der Titel des nördlichsten Weinberges wohl dem von Gvarv in der norwegischen Provinz Telemark – hier begannen Wenche Hvattum und Joar Sættem vor zehn Jahren, mit den Rebsorten Hasanski Sladki und Solaris zu experimentieren, die Frost bis zu minus 35 Grad vertragen. Das garantiert jährlich einen erstklassigen Eiswein, der in Deutschland dieses Jahr wegen des zu warmen Winters erstmals ausgefallen ist. Bei der Eisweinlese müssen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt liegen.

Steilster Wein aus Deutschland

Als südlichste Weingüter auf unserem Planeten gelten gemeinhin die 1981 beziehungsweise 1993 gegründeten Betriebe Black Ridge und Dry Gully Vineyard im Anbaugebiet Central Otago bei Alexandra zwischen Queenstown und Dunedin auf der neuseeländischen Südinsel. Diese liegen auf dem 45. Breitengrad, womit sie den bisherigen Rekordhalter entthronten. Das war der Familienbetrieb Viña Canata im Tal des Flusses Bío-Bío bei Lomas de San Andrés 500 Kilometer südlich von Santiago de Chile. Von dort kommen rustikale und sehr trockene Tischweine.

Geografische Superlative in puncto Wein findet man aber auch in Deutschland. Hier ragen die definitiv steilsten Weinberge überhaupt auf. Der eine ist der 33 Hektar große Bremmer Calmont an der Mosel mit bis zu 68 Grad Hangneigung, der andere der Bühlertaler Engelsfelsen im Nordschwarzwald, an dem auf 48 Hektar Spätburgunder angebaut wird und die Neigung manchmal atemberaubende 75 Grad beträgt.

Die ältesten Weinberge wiederum liegen wahrscheinlich in Georgien südlich des Kaukasus an der Nahtstelle zwischen Europa und Asien. Die Weinbautradition reicht hier 8000 Jahre, also bis in die Jungsteinzeit, zurück. Dennoch sind georgische Weine recht erschwinglich: Gute Sorten gibt es schon für unter zehn Euro die Flasche. Dahingegen kann sich Frankreich rühmen, die größte Zahl von Anbaugebieten zu besitzen, aus denen die teuersten Weine der Welt kommen. So beispielsweise das Gebiet um Pauillac nordwestlich von Bordeaux, das Pomerol, in dem vor allem hochwertige Merlots entstehen, sowie die Côte de Nuits und die Côte d'Or im Burgund.

Aus der letztgenannten Region stammt auch der Wein, welcher bisher den absolut höchsten Preis aller Zeiten erzielte. Die 0,75-Liter Flasche vom Jahrgang 1945 aus der nur knapp zwei Hektar großen Appellation Romanée-Conti bei Dijon wurde am 13. Oktober 2018 in der New Yorker Filiale des Auktionshauses Sotheby's für umgerechnet 489 000 Euro versteigert. Da ist dann jeder Schluck Gold wert.



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